14/11/2016

Miranda Chen & Philipp Langer
LangerChen
Faire Bio-Jacken made in China

„In China kann man auch fair und sauber produzieren.“

"Made in China" mal anders: Das Münchner Label LangerChen produziert die Stoffe für seine Funktionsjacken selbst – in China. Fair und ökologisch.

LangerChen Interview Bavarian Makers

Phillip Langer, wie kamst du auf die Idee, faire Mode in China zu produzieren?

Ich bin seit 30 Jahren in der Mode, habe im Jahr 2005 die Anteile meiner früheren Firma OSKA verkauft und angefangen für China zu arbeiten. Es hat mir immer Spaß gemacht, weil ich die Chinesen für sehr fähig in der Mode halte. Gemeinsam mit meiner chinesischen Geschäftspartnerin Miranda Chen habe ich dann ein Jointventure gegründet: eine Fabrik für ökologische Stoffe in der Nähe von Shanghai namens „Jiaxing Jiecco Fashion Company Ltd.“. Dort in der Gegend ist sehr viel Stoffindustrie angesiedelt. Wir haben eine Etage in einem Gebäude mit 3500 Quadratmetern. Im Moment arbeiten dort über 80 Mitarbeiter. Wir verkaufen die Stoffe an faire Labels, etwa an Armed Angels. Irgendwann wollte ich neben der Fabrik wieder selbst Mode machen, auch um langfristig einen eigenen Marktzugang zu haben. Und so entstand 2013 LangerChen.

j526cs04_069-re01-2Was ist das Besondere an LangerChen Jacken?

Unsere Jacken sind modisch, ökologisch und funktional. Das ist ein neues Angebot. In der regulären Outdoor Branche wird hauptsächlich mit Synthetik gearbeitet. Unsere Kunden machen sich Gedanken darüber, was sie anziehen. Sie haben einen ethischen, aber auch einen Qualitäts- und Designanspruch. Dazu kommt: Wir arbeiten auftragsgenau. Wir produzieren nur so viel, wie gebraucht wird. Es ist für uns ein wichtiger Ansatz der Nachhaltigkeit. Wir wollen nicht zur Überflutung des Textilmarkts beitragen.

Wie läuft das Geschäft?

Wir sind noch in der Investitionsphase. Wir müssen unseren Verkauf verdoppeln, um Gewinn zu machen. Aber ich bin sehr zuversichtlich. Der Biomarkt wächst langsam und stetig, man muss auch geduldig sein. LangerChen ist meine dritte Firma. In der ersten war ich minderheitsbeteiligt, in der zweiten war ich mehrheitsbeteiligt. Jetzt sind wir gleichberechtigt. Das gefällt mir am besten.

LangerChen Interview Bavarian MakersWie stellst du faire Arbeitsbedingungen in China sicher?

Ich arbeite eng mit meiner chinesischen Geschäftspartnerin zusammen. Faire Arbeitsbedingungen sind uns wichtig. Ein Mitarbeiter verdient in unserer Firma 400 bis 500 Euro Monatsgehalt plus soziale Leistungen – für chinesische Verhältnisse eine faire Bezahlung. In Bangladesch erhalten Arbeiter häufig nur ein Zehntel davon. Wir holen die Mitarbeiter zu Hause ab und bringen sie nach der Arbeit um 17.30 Uhr wieder nach Hause, das ist in China üblich. Am Wochenende arbeiten sie nicht. Im Rahmen unserer GOTS Zertifizierung werden die Standards einmal im Jahr geprüft.

img_2693-2Was genau ist GOTS?

GOTS steht für „Global Organic Textile Standard“. Es ist ein mit deutscher Gründlichkeit angelegter Standard für organischen und fairen Handel. Er ist sehr sinnvoll, macht aber auch sehr viel Arbeit. Allein die jährliche Prüfung kostet etwa 5000 Euro. Das Zertifikat ist sehr streng. Ich kann einige meiner Stoffe nicht GOTS zertifizieren, etwa unseren selbstentwickelten Stoff Tecnowalk. Denn er hat eine hauchdünne Plastikfolie als Membran eingearbeitet, damit er wind- und wasserfest ist. Man darf nur Biofasern verwenden.

Wenn es so streng ist: Hat das Zertifikat GOTS deiner Meinung nach eine Zukunft?

LangerChen Interview Bavarian MakersNein, dafür ist es zu kompliziert. Es erinnert mich an die deutsche Steuergesetzgebung. Die Prüfung ist aufwändig, die Kosten sind hoch, und für Kunden ist GOTS häufig nicht nachvollziehbar. Die Modebranche hat es noch nicht geschafft, einen einheitlichen Standard herzustellen, der einfach und praktisch ist – auch, weil es nicht immer mit dem Denken der Branche zusammenpasst. Es würde die Modekonzerne zu etwas zwingen, was sie nicht machen wollen.

LangerChen Interview Bavarian MakersWie habt ihr die Fabrik aufgebaut?

Ich spreche kein chinesisch. Ich kann nur bis zehn zählen. Daher war ich auf meine Geschäftspartnerin angewiesen. Sie kennt sich gut aus und es war kein Problem. Ich kümmere mich bei LangerChen um die Stoffherstellung und Kollektionen. Das kann ich, weil ich es bereits lange mache.

Woher bekommt ihr eure Stoffe?

Unsere Öko-Wolle beziehen wir aus Australien. Wir arbeiten auch mit Zentralasien zusammen. Es ist nicht leicht, vertrauensvolle Partner auf dem Gebiet zu finden. Biobaumwolle ist eine weltweit gehandelte Ware, bei der man stark aufpassen muss. Welche Fasern die Fabriken zusammenmischen, bleibt oft ihr Geheimnis.

LangerChen Interview Bavarian MakersWäre es nicht praktischer, wenn du in China leben würdest?

Das könnte ich mir nicht vorstellen. Ich bin in Schwabing aufgewachsen und hier in München zu Hause. Aber ich reise etwa viermal im Jahr nach China, um meine Geschäftspartnerin zu treffen und die Produktion zu besichtigen.

In welchen Ländern kann man eure Jacken kaufen?

j529cs04_048-re02Wir haben 200 Verkaufspunkte in Europa. Es sind oft kleinere Geschäfte, die einen Bioansatz haben. Wir arbeiten aber auch mit konventionellen Händler und Onlineshops, zum Beispiel dem Avocado-Store, zusammen. Bisher lag das Hauptaugenmerk von LangerChen auf Deutschland und Holland. Wir verkaufen aber auch nach Schweden und Belgien. In England und Frankreich sind wir nicht. Diese Märkte sind für deutsche Modemarken schon immer schwierig gewesen. Seit Herbst 2016 verkaufen wir auch direkt in China unsere Jacken.

LangerChen Interview Bavarian MakersKommt faire Mode in China an?

Es ist noch kein großes Thema. Dem Chinesen ist das Essen wichtig. Dort legt er Wert auf Qualität. Aber bei Textil, nicht wirklich. Aber es ist ja selbst in Europa schwierig. Fair Fashion ist weltweit kein schnell wachsender Markt. In China haben viele Stoff- und Modehersteller die Zertifizierung wieder aufgegeben, weil sie nicht das erhoffte Wachstum gebracht hat. Die Chinesen sind an zehn Prozent Jahreswachstum gewöhnt. Das passiert auf dem Biomarkt nicht. Sogar für normale Textil-Produktion wird China einigen zu teuer. Deswegen gehen viele Produzenten nach Bangladesch und Indien. Es wird auch schon in Nordkorea produziert. Hauptsache günstig. So funktioniert die Textilindustrie. Ich sehe dennoch in China ein großes Potential für faire Mode. Chinesen haben Lust auf gutes Design. Schau dir die Prada und Gucci Niederlassungen an, das sind riesige Designtempel. Und das Bewusstsein für Umweltthemen wächst. Der chinesische Kunde will angesprochen werden, man muss ihm etwas bieten – das versuchen wir mit LangerChen.

j046ws01_004-re02Wie reagieren die europäischen Kunden darauf, dass ihr „Made in China“ produziert?

Hinter „Made in China“ steckt ein gefestigtes Klischee. China ist für viele der böse Flaschengeist, der soll ja nicht zu mir kommen. Viele Konsumenten kennen China nicht, sie waren nie da. Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass man in China auch fair und sauber produzieren kann. Ich führe daher etliche Gespräche, in denen ich genau erkläre, wie das bei LangerChen läuft.

Philipp Langer, danke für das Gespräch.

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