02/03/2016

Jörg Schleburg (39) und Wolfgang Bischoff (57)
Kurzzug
Taschen aus alten U-Bahn Sitzbezügen

„Es geht uns weniger um das Material, als um die Geschichte dahinter“

Mechanische Türöffner, Plastikverkleidung in Holzoptik und durchgesessene dunkelgrüne Sitze. Viele von uns kennen noch die uralten Münchner U-Bahnen. Die meisten von ihnen sind mittlerweile verschrottet und entsorgt - aber nicht komplett. Die beiden Münchner Jörg Schleburg und Wolfgang Bischoff machen aus den uralten Sitzbezügen jetzt stylische Taschen.

Kurzzug J+Ârg und Wolfgang 1

icon_interviewPULS: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Taschen aus U-Bahn-Sitzbezügen herzustellen?

Jörg Schleburg: Ich bin einmal auf meinem täglichen Weg zur Arbeit in der U-Bahn gesessen und habe mir so das Material der Sitze angekuckt, aber auch die Leute in der U-Bahn beobachtet. Dann ist was ganz witziges passiert: zwei Personen haben sich wiedergefunden. Die waren alte Schulfreunde und haben sich Jahre lang nicht gesehen und sich dann riesig gefreut. Das hat man irgendwie gespürt. Da war mir klar, dass in der U-Bahn im Laufe der letzten Kurzzug Stadttasche_240 Jahre, seit sie damals für die Olympiade 1972 gebaut worden ist, unglaublich viele kleine und große Geschichten passiert sein müssen – vom Kennenlernen zweier Menschen, bis hin zu politischen Events. Von Franz-Josef-Strauss bis zur Münchener Schickeria, Uschi Obermeier oder die Wiesn. Man holt seine Geliebte vom Bahnhof ab, man ist nervös, weil man zu einem Vorstellungsgespräch fährt, also all diese ganzen Geschichten prägen diese U-Bahn und stecken in den Materialien. Was wir eigentlich transportieren wollen ist weniger das Material sondern viel mehr die Geschichten dahinter.

Dass die Taschen dann auch sehr ökologisch sind ist dann eher ein angenehmer Nebeneffekt?

Wolfgang Bischoff: Genau. Das ist bestimmt für eine gewisse Zielgruppe sehr interessant, weil das Material sonst weggeschmissen und sogar speziell entsorgt werden muss. Das Upcycling ist zwar nicht unser Hauptaspekt, aber trotzdem sehr schön.

Warum in München?

Jörg: Ich bin in München geboren und habe natürlich eine
Verbundenheit und eine Faszination zu der Stadt. Es ist auch eine Stadt, die sehr gut zu unserem Produkt passt, weil sie sehr sauber ist, sehr innovativ und einfach eine großartige Geschichte hat. München ist eine Stadt, aber doch irgendwie wieder ein Dorf mit Herz und Character und es ist die Heimat.

Welche Herausforderungen habt ihr bis jetzt bewältigen müssen?

Wolfgang: Wir haben lange gebraucht bis wir das richtige Kurzzug Material_Sitzbez++geReinigungsmittel gefunden haben, das die rohen Matten auch richtig sauber macht. Außerdem haben die Matten harte und weiche Teile und es war ein langer Prozess bis wir herausgefunden haben, welche Teile wir auch verwenden können. Es ist nur begrenzt Material da, dass heißt unsere Produkte sind limitiert und wir können so etwas auch nicht in China oder in der Türkei herstellen, sondern brauchen kurze Wege. Also wird jetzt alles in Norditalien von Hand gefertigt.

Warum lasst ihr sie nicht in Deutschland fertigen, das wäre doch ein noch kürzerer Weg?

Wolfgang: Das kommt daher, dass es in Deutschland fast keine Hersteller mehr gibt, die Taschen produzieren. In Norditalien, die Gegend um Padua, wo wir unsere Taschen auch machen, ist so bisschen das Taschen-Mekka. Wir haben auch mit Herstellern aus München gesprochen, aber in Italien haben wir dann den richtigen Produzenten für uns gefunden.

Nehmt ihr alle alten Sitzbezüge für die Verarbeitung?

Kurzzug Wochenender EmblemJörg: Das blaue Material ist aus der A-Serie, das ist die erste U-Bahn, die in München auf die Gleise gestellt wurde. Die B-Serie ist mit dem braunen Material bestückt worden. Das sind die beiden Serien, die für uns relevant sind, danach kam dann so ein Stoffbezug und später auch Holz.

Wie kommen eure Taschen bis jetzt bei den Leuten an?

Jörg: Die Rückmeldung ist tatsächlich großartig. Es gibt Einzelhändler, die die Taschen gerne in ihre Laden aufnehmen würden, außerdem kommen viele Anfragen von potentiellen Kunden, die jetzt schon fragen, wann und wo es die Tasche zu kaufen gibt und was sie kostet. Und auch von Seiten der Medien ist die Nachfrage da, also es ist großartig!

Wolfgang: Vor kurzen war ich bei einer Präsentation des Marketingklubs München und da hab ich die fertige Tasche so auf dem Stuhl stehen gehabt, war aber selber gar nicht im Zimmer. Als ich zurück gekommen bin, standen drei Damen um die Tasche herum und haben gefragt, was das denn für eine Marke sei. Ich hab ihnen dann ein bisschen was dazu erzählt und da waren sie völlig begeistert.

Wie geht es dann jetzt weiter für euch?

Jörg: Der nächste Schritt, den wir gehen werden, ist, dass wir Kurzzug ProduktionMitte März mit einer Crowdfounding-Kampagne starten – um der Nachfrage auch nachzukommen. Das ist dann auch die erste Möglichkeit, mit der man unsere Produkte kaufen kann. Unser Founding-Ziel sind allerdings 50.000 €.

Wie haltet ihr euch bis dahin über Wasser?

Jörg: Wir sind immer noch Inhaber unserer eigenen Werbeagenturen und das Projekt läuft nebenher. Es ist eine Herzensangelegenheit und da steckt man dann doch auch nebenbei relativ viel Zeit rein. Dafür nimmt man halt dann den ein oder anderen Auftrag nicht an.

Habt ihr Tipps für andere kreative Macher?

Jörg: Mein Rat wäre tatsächlich, es einfach zu machen, es einfach auszuprobieren. Dieses Ding ist auch so entstanden. Es wird mehr Leute geben, die sagen: klappt nicht, als Leute, die sagen: super macht das unbedingt. Man muss einfach ein bisschen an sich selbst glauben. Das klingt platt, aber ich glaube das ist es tatsächlich.


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