04/10/2015

Andreas Schützenberger
IOU Ramps
Skaterampen aus Niederbayern

 „Die Zeremonie der Entjungferung der Rampe, die bleibt immer noch mir vorenthalten. Die weih ich ein.“

Andreas Schützenberger aus Passau hat als erster in Europa professionell Skaterampen gebaut. Mittlerweile hat der leidenschaftliche Skater und Schreiner seine Firma 20 Jahre. Und nach wie vor kann sich „Schützi“ keinen schöneren Beruf vorstellen – egal ob er Skateparks in Katar, Moskau oder daheim in Bayern baut.

icon_interviewPULS: Seit wann skatest du?

Andreas Schützenberger: Seit 27 Jahren.

War das mit dem Skaterampenbau ein schleichender Prozess oder ist die Idee urplötzlich entstanden?

Es war ein schleichender Prozess. Vor 27 Jahren gab‘s natürlich keine Skateparkbauer in dem Sinn. Vielleicht in Amerika, aber nicht bei uns. Und durch meinen Beruf Schreiner, den ich zeitgleich mit dem Skaten begonnen hab, lag’s natürlich auf der Hand, dass wir anfangen, unsere ersten Ramps zu bauen. Aber dass das ein „Businessmodell“ ist, daran hab ich eigentlich nie gedacht. Das war immer nur Mittel zum Zweck: Wir bauen uns die Rampen, damit wir fahren können.

Und dann kamen die ersten Anfragen?

Gallery - 65Ja genau. Der erste offizielle Auftrag kam aus Österreich, aus Ried im Innkreis, 50 Kilometer von Passau entfernt. Die Kids kannte ich vom Skaten. Die einzige Auflage, die ich damals hatte, war, dass die Rampe TÜV-geprüft ist. Ich hatte natürlich gar keine Ahnung von sowas, hab aber im jugendlichen Leichtsinn Ja gesagt. Es hat aber alles gut geklappt. Es gab nur wenige Mängel und mit den Auftraggebern hab ich auch immer noch guten Kontakt.

Wie viele Rampen und Parks hast du mittlerweile gebaut?

Ich glaub mehr als 1000.

Wow. Kannst du dich da noch an jedes einzelne Projekt erinnern?

Manchmal verwischt das. Also manchmal seh‘ ich irgendeinen Post im Netz, da sag ich: Das ist doch eine Rampe von uns. Das ist doch unsere Handschrift. Aber die Location erkenn ich nicht gleich wieder. Aber das ist klar bei 1000 Projekten.

Skaten war damals vor 27 Jahren, als Du angefangen hast, noch ziemlich verpönt, wie ist es heute?

Skateboard fahren ist salonfähig geworden und im Mainstream angekommen. Auch wenn’s viele Leute nicht 3 (1)gern hören, inklusive mir. Marken wie Boss oder Louis Vuitton machen Werbung mit Skateboardfahrern. Und man sieht es ja auch an der Entwicklung der Skateparks. In Bielefeld z.B. steht der Skatepark mitten in der Stadt, da wo auch der Wochenmarkt stattfindet. Das ist für mich ein Vorzeigeprojekt. Ich kenn die Zeiten noch wo es hieß: „Ja, ihr kriegt Euren Skatepark, gebt Ruhe, aber verschwindet von der Straße.“ Das hat sich schon geändert, selbst in kleinen Dörfern. Mittlerweile ist auch eine Generation da, die früher auch mal auf dem Skateboard gestanden ist. Die haben jetzt auch alle Kinder und denken anders.

Was gefällt dir denn am besten an deinem Job?

Mir gefällt am allerallerbesten, dass ich die Skateparks, und speziell die aus Holz, mit den Skatern vor Ort zusammen baue. Das beflügelt mich. Ich bin zwar in gewisser Weise ein Einzelkämpfer, aber der bin ich nicht auf der Baustelle. Ich binde die Leute mit ein beim Aufbau, die helfen mir und das sind eigentlich die schönsten Erlebnisse. Ich seh‘ mich oft auch als Bindeglied zwischen der Gemeinde und den Skatern. Ich sprech‘ beide Sprachen. Ich weiß, auf was die Gemeinde oder die Stadt wert legt, ich kenne aber auch die Bedürfnisse der Kids.

Du bist viel unterwegs, tingelst durch Europa und die Welt. Wie wichtig ist dir dein Zuhause?

3Sehr wichtig. Und es wird immer wichtiger, umso mehr man wegkommt. Ich hab wirklich dieses Glück, viele Locations und viele Orte auf dieser Welt zu sehen und zu bereisen. Ich hatte auch schon viele Angebote, in Russland meine Zelte aufzuschlagen oder in Katar in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Da ist Arbeit ohne Ende, aber nee, das will ich nicht, ich wohn am besten Fleck der Welt.

War es für Dich immer klar, dass Du in Niederbayern bleiben magst ?

Immer klar war das nicht. Ich bin auch jetzt nicht mit Niederbayern verheiratet. Aber es hat sich schon rauskristallisiert, dass ich sag, das ist hier meine Heimat, hier fühl ich mich wohl. Warum soll ich irgendwas anderes suchen, um glücklich zu werden. Ich hab auch schon oft die Frage gestellt bekommen: Warum kommst du nicht nach München? Warum soll ich denn nach München gehen? Dass ich doppelt so viel beim Bäcker zahl? Dreimal so viel für die Miete? Und ich eh nie da bin! Es gibt doch überhaupt keinen Grund. Ich komm gern nach München und arbeite da, aber ich bin genauso oft in München wie ich wahrscheinlich in Moskau bin.

Gibt es noch einen Traum, den Du nicht erfüllen konntest?

Es haben sich wirklich viele Träume verwirklicht. Zum Beispiel 3 (2)wollte ich immer einen Skatepark am Roten Platz in Moskau stehen haben: Das ist Wirklichkeit geworden. Oder ich wollte immer in die Mongolei – da hab ich dann einen Skatepark gebaut. Aber was ich mir wünsche ist, dass ich weiter Rampen auf qualitativ hohem Niveau baue und die Philosophie an die Kids weitertrage. Nämlich, dass Skateboard fahren ein Miteinander ist.

Kommst Du privat eigentlich noch zum Skaten?

Ja, aber selten. Ich hab sogar vor die Firma ein Bowl mit Pumptrack gebaut. Den versuch ich auf jeden Fall öfter zu fahren. Ich skate auch immer, wenn wir die Parks fertig haben. Also die Zeremonie der Entjungferung der Rampe, die bleibt mir immer noch vorenthalten. Da leg ich auch Wert drauf. Die weih ich ein und das macht natürlich Spaß. Aber das ist Skateboard fahren im Rentnerdasein, muss man klar sagen, das hat nichts mehr damit zu tun, wie die Kids heute abgehen.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.