10/10/2019

Hutschn - Handgearbeitete Schaukeln

Andreas und Matthias Bunsen und Andreas Baumann

Manchmal reicht ein Baum mit zwei Schnüren und einem Holzbrett.“

Schaukeln erinnert an die Kindheit – draufsetzen, abstoßen und losschwingen. Der Körper ist in Bewegung. Die Welt ist in Bewegung. Das Gefühl von unbeschwerter Freiheit zwischen Himmel und Erde wollen die Gründer von HUTSCHN behalten – sie fertigen handgearbeitete Schaukeln im Berchtesgadener Land.

 

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PULS: Was verbindet ihr mit dem Schaukeln?

Andreas Bunsen: Jeder von uns hat irgendwann mal geschaukelt. Es geht schon als Baby los: Kinder, die unruhig sind, werden geschaukelt. Wenn wir Erwachsene auf die Schaukel setzen, verändert sich alles. Die Leute kommen aus ihrer Verkopftheit raus, sind entspannt und gelöst. Schaukeln ist etwas ganz Banales. Aber genau darin steckt oft etwas ganz Wertvolles. Manchmal reicht ein Baum mit zwei Schnüren und einem Holzbrett. 

Was ist das Besondere an der HUTSCHN?

Wir nehmen Eichenholz, das mindestens zehn Jahre an der frischen Luft getrocknet ist, weil das besonders stabil ist. Das Holzbrett wird nur mit kalt gepresstem, ökologischen Leinöl behandelt, damit könntest du dir auch deinen Salat anmachen. Die Seile an unserer HUTSCHN haben keine Knoten, sie sind umlaufend. Das wird mit der speziellen Spleißen-Technik gemacht. Dadurch ist die Schaukel unglaublich robust. Theoretisch kannst du da einen Elefanten dranhängen, weil ein Seil 2,5 Tonnen Gewicht hält. Die HUTSCHN ist ein bayerisches Produkt, ohne Chemie, das bei Wind und Wetter draußen bleiben kann.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Schaukeln selber zu bauen?

Wir haben bei Andreas Baumann zu Hause eine wunderschöne Pumuckl-Schiffschaukel für seine Kinder hängen sehen. Auf die Frage: “Warum verkaufst du die nicht, die ist ja ein Traum?!”, meinte er, dass die vielen Arbeitsstunden, die da drin stecken, keiner bezahlen würde. Die meisten Leute kaufen ihre Spielsachen im Discounter oder im Baumarkt. Das hat uns provoziert und wir haben beschlossen, dass wir das jetzt einfach mal versuchen. Und so kam es zum HUTSCHN Projekt. Jeder von uns hat trotzdem noch seinen Alltagsberuf. Der Andi ist Schreinermeister und Chef der Bergrettung. Matthias und ich machen Design und Marken Beratung. Und dann hat jeder das, was er kann in das Projekt eingegeben. Matthias hat die Website gebaut und macht die grafischen Sachen. Ich kümmere mich um die Kommunikation.

Was war euer schönstes Erlebnis mit den HUTSCHN bisher?

Es erfüllt mich, wenn Leute sich auf die HUTSCHN setzen. Beim Streetlife-Festival in München hatten wir eine Traversen-Konstruktion mit vier Schaukeln, die sich gegenüberstanden. Das Interessante war, dass die Leute, die sich nicht kannten darüber unweigerlich in Dialog gekommen sind. Zu sehen wie sich plötzlich die Gesichter verändern, dass sie anfangen zu flirten, zu lachen und irgendwann ins Reden kommen, durch die Dynamik vom Schaukeln – das ist es im Grunde, dass so etwas Banales wie Schaukeln so viele kreative Möglichkeiten bietet. Es ist ja im Kern einfach nur ein Brett mit zwei Seilen.

Und was war die größte Hürde?

Aktuell haben wir die Schwierigkeit, dass ein Holzbrett nach der Deutschen oder Europäischen Spielplatzverordnung böse ist. Nur ein Kunststoffbrett ist gut, also weniger gefährlich. Spielplätze müssen zumachen, weil die Versicherung sagt, dass sie nicht mehr Normen und Gesetzen entsprechen. Das ist total absurd. Du kannst ein Kind nicht komplett von Gefahren befreien.

Jetzt wollt ihr euch dagegen wehren und habt die Initiative „Perspektivwechsler“ gegründet. Was genau macht ihr da?

Wir wollen dazu anregen, über merkwürdige Normen und Verhalten nachzudenken. Mit dem Projekt „Land der Schaukeln“ fangen wir an, an besonders schönen Standorten im Berchtesgadener Land Schaukeln aufzuhängen. Dort sollen die Menschen entspannen, die Seele baumeln lassen und im übertragenen Sinne die Perspektive wechseln. Und immer mehr Menschen, immer mehr Makers sagen, coole Geschichte, ein Impuls, wir machen mit.

Habt ihr für andere Maker einen Tipp, um richtig zu starten?

Sich treu bleiben, sich nicht verrückt machen lassen, sich nicht von den ganzen Bedenkenträgern in die Ecke treiben lassen. Es ist so etwas typisch Deutsches –  du fängst was an, du zeigst es jemandem und dann werden erst mal die Fehler gesucht. Es ist eigentlich egal was du tust – egal ob du gute Marmelade machst oder Strickjacken oder Schaukeln baust. Es muss für dich sinnvoll sein. Und wenn es für dich sinnvoll ist, spüren das andere auch. Sie spüren deine Begeisterung und deine Leidenschaft. Und dann wird es auch funktionieren. Es gibt Ecken und Umwege und auch viele Stolperfallen. Aber dranbleiben, wenn man wirklich von etwas überzeugt ist, dann wird es auch funktionieren.

Was ist euch am HUTSCHN-Projekt wichtig?

Ich freue mich immer besonders darüber, wenn Leute merken, dass uns das HUTSCHN-Projekt Freude macht. Die wichtigste Erfahrung ist doch, dass wir etwas Sinnhaftes machen. Vieles in unserem Leben wird nach Nützlichkeit und Quantität gemessen, aber am Ende des Tages, beziehungsweise des Lebens, fragen sich alle Menschen, was hat mir Freude gemacht und Sinn gegeben? Wir haben für uns entschieden, dass wir früher damit anfangen wollen. Dass wir das machen, was uns freut.

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