04/10/2015

Lukas Hertkorn (25)
Hertkorn
Brillen aus Holz

„Ich sammle verschiedene Brillenmodelle, so wie andere Leute Uhren sammeln“

Als Vater Hertkorn vom Schreinern Rückenprobleme bekam, überlegte sich sein Sohn Lukas Hertkorn, wie es für ihn weitergehen könnte. Gemeinsam gründeten sie ein Label für handgemachte Holzbrillen.

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icon_interviewPULS: Du hast mit deinem Vater ein Brillenlabel gegründet – warum? Ihr habt doch eigentlich beide einen Job.

Lukas Hertkorn: Mein Vater ist Schreinermeister und jetzt Mitte 50. Seit fünf Jahren fällt ihm das Möbel herumtragen schwer. Wir haben nach Ideen gesucht, wie er mit Holz arbeiten kann, aber ohne Rückenbelastung. Erst haben wir Kajak-Paddel gebaut, aber das war nicht ideal. Ich habe dann bei einer Kommilitonin eine Holzbrille gesehen und plötzlich fiel mir auf, dass immer mehr Leute Holzbrillen tragen. Also habe ich bei einem Optiker nachgefragt, welche Marken es in dem Bereich gibt. Es gab noch keine etablierte Marke, aber viel Nachfrage von Kundenseite. Ich habe weiter recherchiert und zwei Holzbrillenhersteller unter die Lupe genommen. Sie hatten ein gutes Wachstum. Da wusste ich: okay, das scheint ein Trend zu sein.

Und der Name Hertkorn stand gleich fest, weil er Vater und Sohn verbindet?

holzbrille-hertkorn-CL0035-1Nein, gar nicht. Wir haben fast drei Monate damit verbracht, uns einen Namen auszudenken. Die Namensentscheidung wird ja ganz am Anfang getroffen, wenn noch fast nichts da ist. Sie ist aber sehr lange gültig und wichtig. Ich habe viele Vorschläge Freunden und neutralen Leuten gezeigt. Die Reaktionen waren unterschiedlich, und nie ganz überzeugt. Dann kam jemand auf die Idee einfach unseren Nachnamen zu nehmen. Hertkorn als Nachname ist selten und prägnant. Der Vorschlag kam endlich bei allen gut an. Der Name hat noch einen weiteren Vorteil. Es ist meist schwer, Markennamen zu schützen. Bei Hertkorn war es relativ leicht. Wir konnten sofort eine EU-Marke registrieren.

Wird tatsächlich alles in der Region hergestellt?

Nicht ganz. Die Brille ist „Handmade in Bavaria, Chiemgau“, so wie es eingraviert darauf steht. Die gesamte Produktion findet in Bad Endorf in der Werkstätte meines Vaters statt. Die Verpackung ist aus demselben Ort. Doch nicht alle Bestandteile der Brille sind aus dem Chiemgau. Unsere Scharniere werden in Österreich produziert. Unsere Hölzer beziehen wir von verschiedenen Orten, wobei der Kern der Brille hauptsächlich aus den heimischen Hölzern Ahorn und Nuss besteht. Wir schauen darauf, dass wir unbedenkliches Holz beziehen, also etwa keine Hölzer, die auf Schutzlisten stehen.

Ihr seid beide nicht aus der Brillenbranche. Wie schwer war es, Kenntnisse in dem Bereich zu gewinnen?

Ich habe ein Praktikum bei einem Optiker gemacht, um die holzbrille-hertkorn-CL0015-3Branche kennenzulernen. Das war sehr hilfreich. Das wertvollste Erlebnis hatte ich allerdings in einer Bar. Ich war mit einem Kommilitonen Abends in Innsbruck unterwegs und da stellte mich eine Freundin ihrem Bekannten vor, der Optiker ist. Wir waren beide gut angetrunken, haben uns über zwei Stunden unterhalten und Kontakte ausgetauscht. Seither ist er ein enger Partner von mir. Immer, wenn ich Fragen oder Probleme habe, kann ich mich an ihn wenden.

Wie teilt ihr euch die Arbeit auf?

Mein Vater produziert die Brillen. Ich kümmere mich um die geschäftsführenden Tätigkeiten, allerdings nebenbei. Ich studiere in Innsbruck berufsbegleitend Wirtschaft und Management und arbeite zu 60 Prozent in der Sparkasse, weil ich gelernter Bankkaufmann bin. Hertkorn wird nicht mein Lebenswerk, sondern eher das von meinem Vater. Aber das Gründen und der Markenaufbau machen mir enorm viel Spaß.

Ist es nicht seltsam, als Sohn und Geschäftsführer über den Vater zu bestimmen?

holzbrille-hertkorn-SG0024-1Unser persönliches Verhältnis ist einer der größten Vorteile unserer Firma. Mein Vater kennt mich sehr gut, ich kenne ihn sehr gut. Wir beide stehen gleich stark hinter der Idee. Als Geschäftsführer muss ich auch mal Sachen durchsetzen, gleichzeitig nehme ich die Meinung meines Vaters sehr ernst. Der gemeinsame Wille ist das, was uns zusammenhält und vorwärts bringt.

Wie entsteht eine Brille aus Holz?

Grundsätzlich werden sie aus acht millimeterdünnen Holzschichten hergestellt. Die Schichten sind wichtig für die Stabilität der Brille. Mein Vater nutzt dafür eine CNC-Fräse. Die Holzschichten werden anschließend verleimt. Dann beginnt die Feinarbeit. Der grobe Rohling wird mit der Hand nachgeschliffen und die Scharniere werden eingefräst, sodass man sie bei der fertigen Brille nicht mehr sieht – sie sind das einzige Metallteil an der Brille. Zuletzt kommt eine dünne Lackierung darüber – sie ist wichtig, um das Holz gegen feinen Staub zu schützen – und die Laserbeschriftung wird angebracht. An dem Verfahren hat mein Vater lange getüftelt. Für das Brillendesign orientieren wir uns an den 70ern. Mein Vater überarbeitet das Alte und macht es modern.

Könnt ihr bereits von eurem Brillen-Startup leben?

Nein. Noch produzieren wir nur auf Nachfrage, was die holzbrille-hertkorn-CL0041-1Produktionskosten deckt. Der Aufbau des Geschäfts wird sich noch über die nächsten ein oder zwei Jahre ziehen. Wir haben drei Optiker, die unsere Brillen bereits verkaufen und sind in Verhandlung mit einem Optiker-Verbund. Mein Vater muss also noch viel von seiner normalen Arbeit machen. Aber wir müssen durch die Anfangsphase durch. Erst dann wird sich herausstellen, ob unsere Idee langfristig funktioniert.

Trägst du selbst eine Brille?

Ja. Das ist das Schöne. Ich wechsle jetzt immer verschiedene Modelle durch und sammle sie, so wie andere Leute Uhren sammeln.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.