04/10/2015

Franz Keilhofer (28)
Ginger Wood
Drechsel-Handwerk aus Bischofswiesen

“Während des Studiums habe ich gemerkt, dass ich nicht als Ingenieur in irgendeinem Büro sitzen, sondern mein eigenes Ding machen möchte”

Man könnte meinen, es gibt nichts, was er nicht kann. Franz Keilhofer aus Bischofswiesn modelt, fotografiert, singt und gibt Nachhilfe in Mathe, Physik und Englisch. Seine große Leidenschaft ist aber das Drechseln – das hat er sich selbst beigebracht. Der offizielle Bayernbotschafter passt mit seinen Tattoos und Image so gar nicht ins Bild des Klischee-Baiuwaren – und doch irgendwie perfekt in seine Rolle.

Franz Keilhofer (c) Nadine Schachinger

icon_interviewPULS: Du bist auf dem Bauernhof deiner Eltern groß geworden. Anstatt irgendwann ohne großes Tamtam einfach den Hof zu übernehmen, hast du dich zu einer Marke gemacht. Warum?

Franz Keilhofer: Es war natürlich gar nicht so geplant – ich bin niemand, der mit der Erwartung rausgeht, dass er bald mal in der Welt bekannt ist. Es hat sich alles recht glücklich ergeben. Wobei das natürlich auch nicht ganz stimmt. Ich habe schon sehr viel Arbeit und Herzblut in die Arbeit reingesteckt. Und die Kombination von dem, was ich mache ist anscheinend interessant und authentisch genug, dass sich wirklich viele Leute davon angesprochen fühlen. Eigentlich habe ich ja ganz normal Realschule gemacht – und weil es bei uns in Berchtesgaden ganz viel Hightech-Industrie gibt, danach eine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Ich bin Feinmechaniker. Ich wollte aber studieren und habe meine Ausbildung verkürzt. Und während des Studiums habe ich gemerkt, dass ich nicht als Ingenieur in irgendeinem Büro sitzen , sondern mein eigenes Ding machen möchte.

Das Drechseln hast du dir selbst beigebracht. Wie erklärst du dir deinen Erfolg – kann man das einfach Talent nennen?

Franz Keilhofer (c) Nadine SchachingerTalent ist sicher sehr wichtig. Man kann zwar mit Ehrgeiz schon relativ viel schaffen, aber ab einem gewissen Punkt kommt man nicht weiter. Da braucht man wirklich Talent, auch wenn mir meine Ausbildung natürlich schon viel geholfen hat.  Man kann Metall und Holz zwar nicht wirklich miteinander vergleichen, die technischen Hintergründe, die physikalischen Abläufe bei der Bearbeitung aber schon. Ich sage immer: In meinem Studium habe ich gelernt, wie man berechnen kann, warum das, was ich mache, funktioniert.

Du hast deine Werkstatt und dein Atelier in Bischofswiesen. Dabei wäre ein Laden wie deiner in Berlin sicher auch der Renner. Warum hier und nicht dort?

Naja es ist ja so: Wir haben relativ viel Platz daheim. Es gibt einmal das Haupthaus, das Bauernhaus und dann das Austragshaus. Das ist ein Anbau, mit meiner Werkstatt, meiner Wohnung, meinem Atelier und dem Geschäft. Alles unter einem Dach, das ist schon super. Außerdem spare ich bei der Miete. Und die Wege sind alle sehr kurz: ich gehe halt einfach aus meiner Wohnung raus und bin gleich in meiner Werkstatt.

Welche Rolle spielt für dich Bayern als Standort?

Wenn man auf dem Bauernhof aufwächst, ist man ganz Asian Bowl von Franz Keilhofer (c) Nadine Schachingeranders mit der Natur verbunden. In einer Mietwohnung, hat man keinen Bezug zu der Umgebung – hier spielst du einfach schon als Kind aufm Feld, hilfst bei der Feldarbeit, baust Lager im Wald. Dadurch verwächst man so richtig mit dem Land, in dem man lebt. Das macht einen sehr heimatverbunden.

Als Bayernbotschafter von Bayern Tourismus bekommst du  viel Aufmerksamkeit. Wie gehst du mit Kritik um?

Eigentlich gar nicht. Jeder Mensch kann ja darüber entscheiden, ob er hinhört, ob er das liest oder eben nicht. Man darf die Frage nur stellen, wenn man die Antwort verkraften kann. In dem Moment muss dir von vorneherein klar sein, dass dir das wurscht ist, sonst darfst du das einfach nicht machen. Ab einem gewissen Grad fühlt man sich dann schon persönlich angegriffen. Ich schau ’s einfach gar nicht an.

Du drechselst nicht nur, sondern gibst auch Drechsel-Workshops, bist Nachhilfelehrer, außerdem ein gefragtes Model, du hast eine Punkband – hast du überhaupt noch Zeit für etwas anderes?

Franz Keilhofer auf der Bühne (c) Nadine SchachingerEs ist halt immer abhängig von den Jahreszeiten. Nachhilfe ist natürlich ein Geschäft, das vor den Abschlussprüfungen richtig boomt. Um die Osterferien rum habe ich relativ wenig Zeit für irgendwas anderes. Kurz vor Weihnachten ist das Geschäft mit dem Drechseln sehr stark. Und die Model-Jobs kommen halt mal irgendwann dazwischen. Außerdem mache ich Vorführungen wenn ein Betrieb einen Tag der offenen Tür hat. Das heißt,  ich präsentiere die Maschinen und drechsele, um zu zeigen, wie die funktionieren.

Aber es sind in deinem Fall ja Dinge, die du gerne tust. Drechseln wahrscheinlich am liebsten, oder?

Ja, mit Abstand. Ich bereue es immer wieder wenn ich unterwegs zu irgendeinem Job bin, obwohl ich eigentlich viel lieber in der Werkstatt stehen würde. Das Geschäft steht mittlerweile auf recht soliden Füßen, aber ich mache keine Auftragsarbeiten. Ich produziere, stelle mir die Dinge in den Laden und dann kommen die Kunden und kaufen’ s oder kaufen’ s nicht. Diese Freiheit habe ich nur, weil ich immer noch andere Einnahmequellen hab. IchFranz Keilhofer (c) Nadine Schachinger kann ja nicht sagen, wie viele Leute nächstes Weihnachten bei mir im Geschäft Drechsel-Sachen kaufen. Aber ich kann sagen, dass es viele Schüler gibt, die schlecht in Mathe sind.

Im Fernsehen hast du mal gesagt, am besten sei es immer, wenn du Sachen machst, die die Leute nicht von dir erwarten. Wie geht es bei dir weiter?

Naja, dadurch, dass ich schon so viele verschiedene Sachen mache, erschöpft sich das auch irgendwann. Gerade bin ich jedenfalls dabei, meine Werkstatt um das Dreifache zu erweitern. Am Anfang haben wir halt alles sehr provisorisch gemacht, weil ich nicht so viel Geld hineinstecken wollte. Ich wusste ja nicht, ob es laufen würde. Jetzt weiß ich aber, dass es einigermaßen läuft und mache alles mal gescheit, sodass ich da die nächsten Jahrzehnte richtig gut arbeiten kann. Und im Herbst 2016 erscheint mein erstes Buch – eine Mischung aus Autobiographie und Lifestyle, so ein bisschen Selbstverwirklichung ist da auch dabei. Das hat der ein oder andere bisher vielleicht nicht auf dem Schirm.

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