02/12/2015

Lisa Schober (25)
Fräulein von Welt
Retro- und Vintage-Blog aus Nürnberg

„Fünf Jahre lang habe ich fast täglich gepostet – dann war die Luft raus.“

"Hallo, liebe Flauschis!" - So begrüßt Lisa die Leser ihres Blogs "Fräulein von Welt" schon seit 2009. Ihre Posts drehen sich rund um Vintage-Mode und Retro-Style. Von heuchlerischen Social-Media-Stars hält sie allerdings gar nichts.

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icon_interviewPULS: Wie hast du deine Liebe zum Retro-Style entdeckt?

Lisa Schober: Ich habe dank meiner Mutter als Kind eigentlich nur Heimatfilme gesehen, viele aus den 1950er und 1960er Jahren. Das ist bei mir irgendwie hängen geblieben – Haare, Mode, Make-up, Musik, eigentlich alles. Vor sechs Jahren habe ich dann angefangen darüber zu bloggen. Damals kamen diese ganzen Schmink-YouTuber und -Blogger auf und ich dachte mir: das kann ich auch. Vorher habe ich schon mal einen Versuch gestartet, hatte aber noch kein richtiges Thema. Das ist recht suboptimal, wenn man bloggen will.

Was sind dann jetzt deine Themen?

2Hauptsächlich sind es Mode- und Beauty-Themen. Ich erzähle außerdem viele Geschichten aus meinem Alltag. Anregungen hole ich mir bei anderen Bloggern – hauptsächlich ausländischen – aber auch auf YouTube. Ich habe viele alte Zeitschriften, die ich immer wieder durchschaue. Auch von Filmen und Serien lasse ich mich inspirieren.

Wie viele Leute interessieren sich überhaupt für das Thema „Retro“?

Ich war als Blogger lange allein auf weiter Flur mit diesem Thema. Inzwischen gibt es ein paar mehr, die darüber bloggen oder auf Instagram unterwegs sind. Ich denke, viele haben sich am Anfang nicht so getraut und dachten, es würde sich niemand dafür interessieren. Jetzt sieht man aber, dass die Leser da sind und sich immer mehr Blogger damit beschäftigen. Warum sich jemand dafür interessiert, ist ganz individuell. Manche interessieren sich auch nur für Vintage-Mode oder nur für das Make-up.

Wie einfach – beziehungsweise schwer – ist es, mit einem Blog wie deinem Geld zu verdienen?

Das ist gar nicht schwer. Es gibt genug Firmen, die für Posts zahlen. Das Problem ist, dass viele Blogger mit einer falschen Einstellung an die Sache rangehen und möglichst schnell 4Geld verdienen wollen. Den Firmen ist es erst mal völlig egal, wie viele Leser ein Blog hat – Hauptsache ihre Produkte tauchen irgendwie bei google auf. Die schreiben einfach mal 100 Blogger an und wenn jemand wie ich einen gewissen Betrag für einen Post will, dann nehmen sie lieber die, die nur zehn, 20, vielleicht 100 Leser haben. Die machen das dann auch für ein paar Euro. Irgendwie Geld damit zu verdienen ist auf jeden Fall einfach, nur fair ist es selten. Mir ist auch immer wichtig, dass das Thema überhaupt zu meinem Blog passt.

Würdest du dich gerne komplett auf deinen Blog konzentrieren können?

Auf jeden Fall. Es ist immer schön etwas machen zu können, das einem Freude bereitet. Was ich beruflich gemacht habe, habe ich immer nur getan, um Geld zu verdienen. Durch meinen Blog habe ich viel gelernt. Es wäre schön, das hauptberuflich einsetzen zu können.

Gibt es Tage, an denen du einfach mal ungeschminkt in Jeans und T-Shirt vor die Tür gehst?

rosenblog6Ich bin sogar recht oft ungeschminkt unterwegs. Ich habe auch immer das Glück, dass ich meine Leser genau dann treffe, wenn ich ungeschminkt beim Einkaufen bin und aussehe wie der Tod auf Latschen.

Bedeutet dein Blog für dich auch einen gewissen Druck?

Von meinen Lesern fühle ich mich gar nicht unter Druck
gesetzt. Ich habe ein Jahr lang zum Beispiel fast gar nichts gepostet. Ab und zu hieß es da schon, es kommt ja gar nichts. Aber ich bin ja auch viel auf anderen Kanälen unterwegs. Fünf Jahre lang habe ich fast täglich gepostet, dann war bei mir die Luft raus. Ich konnte keinen Nagellack und keinen Lidschatten mehr sehen, mich hat das alles nicht mehr interessiert. Irgendwann hat man das einfach alles durch. Da dachte ich mir, ich mache lieber eine Pause. Inzwischen habe ich meinen Blog komplett umgestaltet und es geht wieder voran.

Vor Kurzem hat sich der 19-jährige Instagram-Star Essena O’Neill recht öffentlichkeitswirksam aus den sozialen Medien verabschiedet und die Selbstinszenierung und den öffentlichen Druck angeprangert. Auch du gibst auf deinem Blog und vor allem in sozialen Netzwerken viel von dir und deinem Privatleben preis. Wird dir das manchmal zu viel?

Diese Debatte gibt es ja schon länger. Gerade bei Essena O’Neill dachte ich mir: Die wird so viel Geld verdient haben, dass sie ein paar Jahre nicht mehr arbeiten muss. Das finde ich heuchlerisch, wenn Blogger oder YouTuber sagen: „Wie 1furchtbar, mich sprechen Leute in der Straßenbahn an“ oder „Ich werde angefeindet, weil ich mir einen neuen Mercedes gekauft habe von meinem YouTube-Geld“. Das muss ich mir halt überlegen – entweder ich werde berühmt, habe eine riesen Reichweite und verdiene fett Kohle damit oder eben nicht. Das Problem habe ich nicht. Ich schreibe, was ich schreiben will und viele meiner Follower treffe ich auch im realen Leben. Ich schreibe auch nur Dinge, bei denen ich kein Problem habe, wenn mich jemand auf der Straße darauf anspricht. Meine Familie halte ich zum Beispiel komplett raus. Wirklich negative Erfahrungen habe ich noch nie gemacht.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.