16/05/2017

Marina Lommel (27)
Foodpunk
Foodblog aus München

„Ich rate jedem davon ab, etwas zu gründen, weil er schnelles Geld verdienen will. Das läuft einfach nicht.“

Vegan? Kennt jeder. Low Carb, Paleo und Keto? Joa, vielleicht schon mal gehört... Marina Lommel gibt auf Foodpunk Tipps für alternative Ernährungsformen, die bisher nicht im Mainstream angekommen sind. Sie verbindet auf ihrem Blog Wissenschaft mit Lifestyle. Über 55.000 Facebook-Fans machen sie zu einem der erfolgreichsten Blogs über Low Carb Ernährung im deutschsprachigen Raum.

Foodpunk - Foto: Mitya Kolomiyets

PULS: Auf Foodpunk spielt Low Carb (kohlehydratarme) Ernährung eine große Rolle. Wann und warum hast du begonnen, dich so zu ernähren?

Marina Lommel: Ich habe schon als Kind für meine Familie gekocht. Damals habe ich angefangen, mich für gesunde Rezepte zu interessieren. Später habe ich dann Ernährungswissenschaften studiert und gelernt, Low Carb wissenschaftlich zu erklären – warum es funktioniert und sinnvoll ist. Kurz vor Ende des Studiums habe ich dann eine spezielle Form der Low Carb Ernährung entdeckt: die Ketogene Ernährung. Von da an habe ich strikt Keto gelebt. Ich habe auch meine Abschlussarbeit über Ketogene Ernährung geschrieben.

Wie kam es dazu, dass du den Blog Foodpunk.de gestartet hast?

Marina: Irgendwann hatte ich diesen Namen „Foodpunk“ im Kopf und fand ihn so gut, dass ich einfach eine Website angemeldet und eine Facebook-Seite erstellt habe – und das war’s erstmal. Ich wusste, dass ich auf Foodpunk Ernährungsberatung anbieten will, wusste aber nicht wirklich, wie. Dann hatten wir beim Radio, wo ich damals gearbeitet habe, einen Weiterbildungskurs in Social Media. Noch während dieses Kurses habe ich angefangen, Sachen auf der Website auszuprobieren. Ich habe dann meinen Bekannten aus der Low Carb Szene erzählt, dass ich ab sofort Hintergrundwissen und Rezepte poste – und plötzlich hatte ich 200 Follower. In dem Moment habe ich gedacht: „Krass, jetzt muss ich eine Firma gründen.“

Was finden die User auf Foodpunk?

Marina: Vor allem ganz viele kostenlose Rezepte. Dazu Hintergrundwissen, weil mir sehr wichtig ist, dass man Ernährung auf einer wissenschaftlichen Ebene betrachtet. Dabei soll aber alles leicht verständlich sein, sodass du kein Experte sein musst, um es zu verstehen. Außerdem gibt’s einen Blog, der hinter die Kulissen eines Startups blicken lässt und natürlich mein Hauptprodukt: individuelle, personalisierte Ernährungspläne. Die Pläne sind so zusammengesetzt, dass sie für jeden „Foodpunk“ genau die richtigen Mahlzeiten vorgeben, um sein oder ihr persönliches Ziel zu erreichen.

Was ist das Besondere an deinen Ernährungsplänen im Vergleich zu anderen Diäten oder Ernährungsplänen?

Marina: Ich bin ein Mathe-Nerd! Diese Pläne sind wirklich exakt auf verschiedene Makronährstoffe berechnet, um eine bestimmte hormonelle Reaktion im Körper hervorzurufen. Wir haben eine Vielzahl an Hormonen, die steuern, ob man satt wird oder hungrig, wie lange man satt bleibt, wie gut die Fettverbrennung läuft und sowas. Und wenn man es schafft, mit dem was man isst, ganz gezielt diese Hormone anzusteuern, kann man relativ leicht abnehmen – ohne Hunger.

Die Rezepte auf Foodpunk sind alles Eigenkreationen. Da gehört vermutlich auch viel Ausprobieren im Vorfeld dazu. Ist es auch mal vorgekommen, dass ein Rezept, das du dir super lecker vorgestellt hattest, am Ende so gar nicht funktioniert hat?

Marina: Bei Rezepten, die aus Fleisch und verschiedenen Gemüse-und-Gewürz-Kombis bestehen, geht meistens nichts schief. Schwierig sind aber Rezepte für Brote, Backwaren, Süßkram und sowas. Beim Backen brauchst du immer eine ganz besondere Zusammensetzung von Zutaten, damit der Teig am Ende auch genauso wird, wie er werden soll. Waffeln sind so ein Beispiel. Da haben wir schon ganz lustige Sachen fabriziert. Und ich habe schon öfter Dinge im Ofen gelassen, bis sie schwarz waren, weil mir währenddessen irgendwas eingefallen ist, was ich dringend erledigen muss.

Es gab also durchaus schon chaotische Situationen in der Foodpunk-Küche?

Marina: Ja, total! Im ersten Jahr ist der Blog bei meinen Eltern entstanden. Ich habe zwar nicht zuhause gewohnt, aber meine Eltern hatten die schönere Küche. Ich habe damals nämlich so typisch studentenmäßig auf 30 Quadratmeter mit einer kleinen Küchenzeile gewohnt. Mittlerweile bin ich umgezogen und mache bei mir in der Küche weiter. Die ist aber immer noch zu klein. Wenn ich da einen neuen Ernährungsplan austeste – das dauert so um die drei bis vier Wochen, in denen ich zehn bis zwölf Rezepte am Tag koche – sieht die Küche aus wie wahnsinnig! Alles steht auf dem Herd, weil der aus Platzgründen auch als Arbeitsfläche dienen muss. Ich habe schon Plastik geschmolzen und einen Teller gesprengt, weil der aus Versehen überhitzt ist.

Was waren seit der Gründung die größten Herausforderungen, die du meistern musstest? Und welche Tipps würdest du anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Marina: Ich rate jedem davon ab, etwas zu gründen, weil er schnelles Geld verdienen will. Das läuft einfach nicht. Ich habe Anfang 2015 die Facebook-Seite und den Blog online gestellt. Dann habe ich monatelang an den Ernährungsplänen getüftelt, habe im Mai die Firma gegründet und im Juni das erste Mal mit dem Verkauf einer Schokolade 2,50 € verdient. Darauf musst du erstmal Bock haben. Das funktioniert nur, wenn dir die Sache so wichtig ist, dass du es auch ohne Geld machen würdest. Wenn dich jemand fragen würde: „Was würdest du tun, wenn du 30 Millionen Euro im Lotto gewinnen würdest?“ und deine Antwort wäre: „Genau das, was ich gerade tue“ – dann bist du auf der richtigen Spur.

Würdest du rückblickend irgendwas anders machen?

Marina: Nein, tatsächlich nicht. Eine Zeit lang ging mir alles zu langsam. Ich war sehr lange als Einzelunternehmerin unterwegs und habe erst relativ spät Mitarbeiter eingestellt. Wenn es nach mir ginge, hätten wir schon seit zwei Jahren ein Büro mit sieben Mitarbeitern – nicht erst jetzt. Und wir hätten vor allem schon früher diese Vielfalt an Ernährungsplänen gehabt. Aber rückblickend gesehen, war es genau das richtige Tempo. Ich habe damals überlegt, ob ich einen Investor ins Boot holen soll. Ich habe mich dazu entschlossen, dass ich alles selbst stemme und dass ich „Foodpunk“ in seiner natürlichen Geschwindigkeit wachsen lasse. Und weil die Kunden das alles miterlebt haben und mit uns gewachsen sind, haben wir jetzt eine super enge Kundenbindung.

Foodpunk ist zu einem kleinen Unternehmen herangewachsen: neben Rezepttipps und Ernährungsplänen gibt es mittlerweile einen Onlineshop, auf dem du Bücher und Produkte vertreibst, im Winter hast du in München einen Popup-Store für Cupcakes und Brownies gemacht. Was kommt als nächstes?

Marina: Uns wird es auf jeden Fall nie langweilig! Gerade haben wir eigene Backmischungen kreiert, ich möchte bald noch mehr Ernährungspläne rausbringen und vor allem möchte ich eine App entwickeln, damit die Leute „Foodpunk“ immer dabei haben können. Langfristig werden wir auf jeden Fall auch an der Idee eines Foodpunk-Stores/Cafés dranbleiben.


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