15/02/2016

Lissy Markmiller
Finicrafts
Wohnaccessoires und Papeterie aus München

„Wenn man zu wenig Leidenschaft hat, findet man immer einen Grund, heute nichts zu machen“

Haptik ist ein Stichwort für Lizzy Markmiller. Was sie im Hauptberuf als Onlinemediendesignerin nicht ausleben konnte, hat sie in ihr Projekt ‚Finicrafts‘ gesteckt. Das Label bietet Wohnaccessoires und Papeterie-Artikel an, die schön anzufassen sind, aber mindestens genauso schön zu verschenken.

Finicrafts - Lissy

icon_interviewPULS: Du hast Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt-Onlinemedien studiert. Das ist auch dein Hauptberuf heute. Parallel hast du dann aber Finicrafts aufgebaut. Wie hat sich das ergeben?

Lissy Markmiller: Dadurch, dass ich vorwiegend online denke und online arbeite, hat sich das irgendwann wieder eingeschlichen. Im Studium hab ich viel gezeichnet und sehr viel mit Typographie gemacht und dann wollte ich einfach auch wieder Dinge machen, die man in die Hand nehmen kann, wo die Farben einen gewissen Geruch haben, das Papier eine bestimmte Haptik. Alle Materialien, die man bearbeitet, haben ihre Eigenschaften. Es ist nicht so glatt und clean wie im digitalen Bereich. Ich finde diese Verbindung mit Handwerk und traditionellen Herstellungstechniken sehr spannend.

Was war dein erstes richtiges „Finicrafts“-Produkt?

Angefangen hat es eigentlich lustigerweise mit einer Nähmaschine. Die Mutter meines Freundes hat sich in den Finicrafts - Lissy MarkmillerKopf gesetzt, mir Nähen beizubringen, deswegen hab ich am Anfang mehr mit Stoff gemacht. So ist dann der Eisbär ‚Ole‘ entstanden. Und über den Weg nicht nur mit Stoff zu arbeiten, sondern dem Stoff auch eigene Motive aufzutragen,  bin ich dann zum Siebdruck gekommen. Das erste Motiv war also eigentlich der Eisbär. Das ist mir sozusagen aus dem Handgelenk heraus entstanden und nachdem das so gut funktioniert hat, wollte ich das unbedingt auch auf Papier probieren, weil ich ein großer Papeterie-Fan bin.

Und woher kommt der Name „Finicrafts“?

Crafts‘ soll auf den handwerklichen Aspekt hinweisen. Das ‚Fini‘ kommt von meiner Großtante. Die hieß Josefine, abgekürzt Fini. Die war ein Riesenvorbild für mich. Sie hat für die Zeit damals recht fortschrittlich gelebt für eine Frau und hat immer ihr eigenes Ding gemacht, ist viel um die Welt gereist. Ich war immer sehr beeindruckt von ihr.

Welche anderen persönlichen Aspekte machen dein Schaffen noch aus?

Ziemliche viele würde ich sagen. Der Eisbär zum Beispiel, der schaut auf den ersten Blick ja ganz niedlich aus, aber irgendwie schaut er ja dann doch auch etwas grumpy – aber ich glaube das passt ganz gut. Einerseits mag ich schon Sachen, die was Niedliches haben oder verspielt sind, aber gleichzeitig gibt‘s bei mir auch viele Entwürfe, die sind eher nüchtern und haben eine strengere Formensprache. Und das Finicrafts - Lissy Markmillerist so die Mischung. Mich inspirieren unter anderem skandinavische Formen, aber auch japanische Elemente findet man manchmal. Und natürlich die Natur, das ist ja eh klar. Ich glaube dass sich jeder, der gestaltet, von der Natur inspirieren lässt. Und dann fließt natürlich auch das ganze Umfeld mit rein, wo man sich wohlfühlt. Der eine mag gern bunte englische klassische Blumenmuster und fühlt sich total wohl in Räumen, die ganz vollgestopft sind und der andere braucht aber einen leeren Tisch und Klarheit, um zu arbeiten.

Wie geht es dann weiter?

Bevor es dann überhaupt richtig losgeht mit einem Sortiment Weihnachtskarten oder so, kommt ein ganzes halbes Jahr Vorarbeit, die man dem Endprodukt nicht ansieht. Man muss das passende Werkzeug finden, das Papier, das man dann noch schneiden lassen muss – ich hab glücklicherweise eine Druckerei ums Eck, die das für mich macht. Am Anfang ist man eigentlich erstmal damit beschäftigt herauszufinden, wie alles geht und wenn man dann bereit ist zum Loslegen, macht man halt seine eigenen Erfahrungen. So wächst das automatisch. Es ist also immer auch ein Teil Recherche zu Techniken und Herstellung dabei, dann der Entwurf und dann kommt ja immer noch die Arbeit, das Ganze fertig zu stellen.

Gibt es manchmal Momente, wo es schwierig wird, diese aufwendige Arbeit mit dem Hauptberuf zu kombinieren?

Finicrafts - Lissy MarkmillerNatürlich, das Ausbalancieren von Hauptberuf und Leidenschaft ist immer ein Thema. Man darf das nicht unterschätzen. Dadurch, dass fast alles in Handarbeit hergestellt wird, kann ich zum Beispiel keine riesigen Auflagen machen oder irgendwie über Nacht hundert Karten drucken. Denn entweder habe ich einen Auftrag für meinen Hauptberuf oder ich schaffe das in der kurzen Zeit trotz allem nicht. Das ist eine Sache, die ihren eigenen Rhythmus hat und den man finden muss.

Was ist dein Schlüssel zu diesem Rhythmus?

Es ist auf jeden Fall nur mit Disziplin zu schaffen, weil ich natürlich im Endeffekt den Hauptprojekten den Vorzug geben muss. Viele Ideen entstehen dann aber nebenbei und wenn sich dann eine Lücke im Zeitplan ergibt, fange ich sofort an das umzusetzen. Manche Sachen müssen auch ein bisschen in der Schublade warten, ich versuche das immer auszubalancieren. Ich bin ja selbstständig, von daher kann ich schon flexibler planen als ein Angestellter. Aber um das allesFinicrafts - Lissy Markmiller am Laufen zu halten braucht man schon viel Energie, man will ja alles auch mal ein bisschen ausbauen und das Sortiment erweitern. Wenn man da zu wenig Leidenschaft hat, findet man immer einen Grund, heute nichts zu machen oder lieber ins Schwimmbad zu fahren. Der innere Antrieb, das unbedingt machen zu wollen, ist da ganz wichtig. Mein Problem ist ein bisschen, dass mein Hauptberuf nicht in eine ganz andere Richtung geht und ich die restliche kreative Energie komplett frei für das Nebenprojekt hätte. Ich muss ja in beiden Lebenslagen kreativ tätig sein und da kommt man schon manchmal an die Grenzen.

Hast du dann schon konkrete Pläne, wie es mit Finicrafts weitergehen soll?

Ich habe noch keinen konkreten Marschplan, weil ich es eben auch mit meinem Hauptberuf unter einen Hut bringen muss. Aber grundsätzlich ist der Plan natürlich das Sortiment im Papeterie-Bereich auszubauen. Diese anderen kleinen Geschichten, die ich von Zeit zu Zeit mal mache, ein Stofftier, ein Kerzenhalter, Geschirr oder solche Sachen, die kann ich auch parallel entwickeln. Es geht vor allem darum, bekannter zu werden und  noch mehr Leute auf meine Sachen aufmerksam machen. Ich habe die Hoffnung, dass ich das auch Schritt für Schritt schaffe, von der Zeit her und allem.

 

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