24/01/2017

Anja Bogner (29)
Fesch mit Trash
Schmuck aus Kronkorken

„Ich bin so ein Bayern-Fan, dass alles zu spät ist!“

Vor drei Jahren hat Anja Bogner ihren Job als Produktionsassistentin hingeschmissen, um zusammen mit ihrer Mutter Schmuck aus Kronkorken zu machen. Aus einem Wegwerfprodukt entstehen in ihrer Werkstatt bei Freising Ohrringe, Armbänder und Ketten.

Fesch mit Trash

PULS: Wie bist du darauf gekommen, aus Trash Schmuck zu machen?

Anja Bogner: Wir haben irgendwann mit Freunden zusammengesessen und Bier getrunken. Ich habe schon immer mit Kronkorken rumgespielt und sie zusammengedrückt. An dem Abend habe ich sie mir an die Ohren gehalten. Zuerst haben alle gelacht, aber dann ist mir die Idee nicht mehr aus dem Schädel gegangen. Also bin ich am nächsten Tag in Papas Werkstatt gegangen und habe den ersten Prototyp hergestellt. Der ist so gut angekommen, dass ich mehr gemacht und sie Freunden geschenkt habe.

Wann hast du dich dazu entschlossen, das hauptberuflich zu machen?

Fesch mit TrashDas ist nach und nach gekommen. Ich habe in der Medienbranche als Produktionsassistentin  gearbeitet und nebenberuflich Schmuck gemacht. Oft saß ich nach der Arbeit bis ein Uhr nachts in der Werkstatt und bin morgens früher aufgestanden, um noch mehr Ohrringe oder Ketten zu machen. In meinem Job war ich unzufrieden. Irgendwann stand ich vor der Frage, ob ich mich woanders bewerbe – oder ob ich hauptberuflich Schmuck mache. Ich habe mich für die Selbständigkeit und „Fesch mit Trash“ entschieden. Das war ein großer Schritt. Aber es ist einfach das Coolste, sich selbst zu verwirklichen.

Du arbeitest mit deiner Mutter zusammen. Wie klappt das?

Die Mama macht die Buchhaltung und ist die Lagermeisterin. Wenn sie nicht da ist, sieht es hier schlimm aus. Ich bin nämlich das kreative Chaos. Und inzwischen ist auch die restliche Familie dabei. Meine Zwillingsschwester ist mein Model. Mein Papa ist dabei, wenn wir was Neues basteln. Der ist handwerklich noch geschickter als ich. Ohne meine Familie würde ich das alles gar nicht schaffen. Ich bin beeindruckt, weil wir das echt gut hinkriegen. So richtig gestritten haben wir uns noch nicht. Klar ist der Ton manchmal ein bisschen anders, man kann ja nicht den ganzen Tag lieb miteinander reden. Aber da weiß jeder, wie es gemeint ist. Da nimmt es einem niemand übel, wenn man einen schlechten Tag hat. 

Wie kommst du an dein Material?

Wir sind fleißig am sammeln. Losgegangen ist es regional, mittlerweile haben wir auch internationale Kronkorken. Viele Kunden, die wir auf Messen kennenlernen, schicken uns Kronkorken zu. Da haben wir richtig treue Sammler. Und egal wo wir sind, wir halten immer die Augen offen. In Brauhäusern oder Kneipen oder beim Snowboarden in der Après-Ski-Bar. Unser Kronkorkenlager platzt aus allen Nähten. Und alle Kronkorken, die wir nicht verwenden können, geben wir an einen Freund weiter. Der sammelt für den Guinness Weltrekord. Es bleibt also nichts auf der Strecke.

Hast du einen Lieblingskronkorken?

Wir haben inzwischen so viele geile Motive. Jetzt haben wir die Neuen vom Isarkindl bekommen, die sind der Knaller. Da sind Brezn und Maßkrüge drauf. Crew Republic haben welche mit Eulen und dem Münchner Kindl. Oder der Alpenstoff von Bürgerbräu, da ist Edelweiß drauf. Wir haben bayerische und nicht bayerische Motive – aber ich liebe sie alle.

Viele deiner Produkte haben bayerischen Charme. Was verbindest du persönlich mit deiner Heimat?

Bier, da geht’s schon los! Und ich mag unsere Landschaft. Ich bin so ein Bayern-Fan, dass alles zu spät ist. Bei uns ist‘s einfach mega geil. Andere fahren ins Ausland in den Urlaub, aber wir haben alles: Schnee, Berge, einen geilen Sommer, geile Seen. Ich war zum Studieren in Berlin, da ist es auch schön. Aber irgendwann wollte ich wieder heim. Ich mag das Ländliche, das Ruhige. Ich bin echt so ein Kaffkind. Da gefällt‘s mir.

Wo verkauft ihr eure Produkte?

Wir sind mit „Fesch mit Trash“ auf Märkten und Messen und haben einen Online-Shop. Außerdem haben wir verschiedene Partner, wo die Sachen ausliegen. Zum Beispiel in einem Bierhotel, in Trachtenläden oder beim Friseur – überall, wo man nah an den Damen dran ist. Beim Friseur haben sie Zeit, können die Sachen anschauen und ratschen… Das funktioniert ganz gut.

Was war bis jetzt dein schönster Moment?

Einmal hat die Gräfin von Tüßling unsere Sachen als Wiesn-Accessoire empfohlen. Wir wussten gar nichts davon. Erst, als eine Freundin uns darauf aufmerksam gemacht hat, dass wir in der „Bunten“ sind. Das sind so schöne Überraschungsmomente. Richtig rührend war die Anfrage von einem Pärchen. Die haben sich in Paris auf dem Eiffelturm verlobt und mit einem Bier angestoßen. Sie haben ewig nicht gewusst, was sie mit den Kronkorken machen sollen, bis sie uns gefunden haben. Dann haben wir zwei Schlüsselanhänger draus gemacht. Ich fand es richtig putzig, wie die sich gefreut haben.

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