28/03/2019

ErnteBox - Regionale Lebensmittel aus Automaten

Ben Kohz und Jonas Meder

Den Kunden wird es aktuell noch schwer gemacht, regionale Produkte einzukaufen.“

Wenn man rund um die Uhr Zigaretten aus dem Automaten ziehen kann, warum nicht auch Lebensmittel? Das dachten sich die beiden ehemaligen Bamberger Studenten Ben Kohz und Jonas Meder und verkaufen nun frische regionale Lebensmittel in Hofladenautomaten in München.

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PULS: Wie seid ihr auf die Idee für “ErnteBox” gekommen?

Ben Kohz: Als wir noch Studenten waren, wollten wir abends einkaufen, aber es war nach acht und in Bayern haben dann alle Läden zu. Wir haben uns die Frage gestellt: Warum ist das so? Was hindert uns daran jetzt, wenn wir Hunger haben, gute Produkte einzukaufen? Das war die Frage, mit der wir angefangen haben. Und dann haben wir uns mit den Fragen zu unseren Produkten beschäftigt, welche wir anbieten wollen, wo sie herkommen sollen, was uns bei ihnen wichtig ist. So ist die Idee „ErnteBox“ entstanden. Wir sind auf regionale Lebensmittel gekommen, weil dort alles zusammen kommt, was wir wollten: einfache, ehrliche, gute Produkte zu einem fairen Preis, bei denen wir wissen, wo das Geld landet und wen wir mit diesem Kauf unterstützen.

Welche Rolle spielt Regionalität für euer Produkt?

Regionalität ist das A und O. Bei uns dreht sich alles darum, eigentlich zwei ganz einfache Sachen zueinander zu bringen. Wir haben die Kunden auf der einen Seite, die sich eigentlich regional ernähren wollen, die wissen, warum es wichtig ist, sich regional zu ernähren und denen es aktuell noch schwer gemacht wird, regionale Produkte einzukaufen. Entweder man muss zu einem Hofladen fahren oder gucken, dass man irgendwelche Nischenläden findet. Die andere Seite sind die Landwirte, die ihre Produkte verkaufen wollen.

Was haben die Landwirte davon, die bei euch die Sachen in die Automaten packen?

Der Landwirt hat verschiedene Optionen, wie er seine Produkte verkauft. Er kann zum Beispiel einen Hofladen aufmachen oder an einen Supermarkt verkaufen. Beides hat seine Nachteile. Im Supermarkt ist der Gewinn für die Landwirte gering. Im Hofladen ist das Grundinvestitionsvolumen hoch. Wir haben überlegt, was wir den Landwirten anbieten müssen, damit sie eine einfache, zuverlässige und ehrliche Verdienstquelle haben. Wichtig ist, dass der Landwirt selbst bestimmt, was er zu welchem Preis verkauft. Er weiß am besten, was die Produkte wert sind, er weiß am besten, zu welchem Zeitpunkt die Produkte am besten schmecken, wann sie hergestellt werden können. Warum sollte ihm da irgendwer mit reinreden? Außerdem ist der tatsächliche Gewinn für die Landwirte wichtig. Im Supermarkt würde man zum Beispiel ungefähr maximal 20 Cent pro Ei bekommen. Für den Preis können Landwirte kaum artgerecht oder ökologisch Eier herstellen, weil das sehr kostenintensiv ist und beim Landwirt nichts übrig bleiben würde. Bei uns ist es so, dass vom Gesamtpreis, zum Beispiel fünf Euro für ein Zehnerpack Eier, 90 Prozent beim Landwirt bleiben. Das heißt 4,50 Euro gehen direkt an den Landwirt, damit er seine Hühnerhaltung auf einem ökologischen Level halten kann.

Landwirt LieblingsEi verkauft die Eier seiner Hühner in der ErnteBox

Mit einem Zehnerpack Eier für fünf Euro seid ihr deutlich teurer als ein Supermarkt. Was sagst du Leuten, die finden, dass ihr zu teuer seid?

Ein wirklich gutes Ei, das auf diesem Standard produziert wurde und das direkt von Landwirten kommt, die mit ihrem Namen dahinter stehen, ist es wert, dieses Geld auszugeben. Wir sind definitiv nie das Billigste, das wollen wir gar nicht sein, das können wir auch gar nicht sein, weil wir unseren Fokus auf Qualität und Regionalität setzen.

Ihr habt es auch schon in Bremen damit probiert. Wie kamt ihr dann München?

Das lag vor allem an unserer Firmenstruktur. Jonas wohnt in München, das heißt, wir sind hier auch wesentlicher stärker vom Personal her aufgestellt. Das ist natürlich ein wahnsinniger Vorteil, den wir in Bremen nicht hatten. Sowohl von der Landwirtstärke als auch von unserer eigenen Personalkraft vor Ort war Bremen nicht mehr machbar. Es kamen Landwirte aus München zu uns, die gesagt haben: Hey, wir haben tolle Produkte, wir finden eure Idee gut und wir wollen das unterstützen. Und so kommt es, dass wir in München gerade anfangen.

Wenn du euer Projekt Revue passieren lässt, wie ist so deine aktuelle Bilanz?

Wir sind mit dem Start in München sehr zufrieden. Am Anfang hatten wir noch ein, zwei kleine Probleme bezüglich der Technik, die wir jetzt im Griff haben. Jetzt geht’s daran, Leute für unser Konzept zu begeistern und zu erklären, warum regional einkaufen wichtig ist. Wir haben jetzt die Grundarbeit gemacht, die Automaten laufen, es funktioniert alles und jetzt müssen wir noch mehr Leute dafür begeistern.

Ihr habt aktuell fünf Automaten in München. Wie geht es jetzt bei euch weiter?

Gerade ist es eine sehr spannende Reise, weil uns sehr viele Optionen offen stehen. Wir wollen wachsen und unsere Idee zuerst an mehr Standorte in München und später in ganz Bayern bringen. Das Tolle ist, wir sind ein Start-Up und nicht dafür bekannt, dass wir zu 200 Prozent perfekt, sondern dafür, dass wir schnell sind und ehrliche, gute Arbeit machen. Wir gucken einfach, wie kommt’s an, wir reden viel mit den Kunden und passen die Produktpaletten an. Wir eröffnen neue Standorte und schauen wie wir uns entwickeln. Daraus ergibt sich dann der Weg. Einen hundertprozentigen Plan haben wir noch nicht, wir sind gerade auf der Suche nach Investoren, aber auch nach neuen Standorten. Aber das wichtigste ist, dass wir selbst dabeibleiben und daran glauben. Und dass die Kundenresonanz so super bleibt, wie sie ist.

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