04/10/2015

Stephanie Zankl (31) und Patric Schmid (30)
Enziano
Digitaler Kletter- und Wanderführer

„Wenn ich an klettern und wandern denke, dann ist das für mich Bayern“

Stephanie und Patric aus Bad Endorf hatten keine Lust mehr, schwere und teure Bücher mit in die Berge zu schleppen. Ihre Idee: ein Kletter- und Wanderführer als App. Stephanie hat dafür ihren Job an den Nagel gehängt. Und bereut nix.

enziano

icon_interviewPULS: Ich hab jetzt Lust, in den Chiemgauer Alpen klettern zu gehen. Wie funktioniert das mit Enziano?

Stephanie Zankl: Du kannst entweder auf unsere Webseite gehen oder die App nutzen und einzelne Topos, also die Darstellung von Kletterrouten in einem Führer downloaden. Und wenn du magst, auch ausdrucken. Es werden verschiedene Kletterspots in den Chiemgauer Alpen angezeigt. Dazu gibt es Filtermöglichkeiten, z.B. nach Schwierigkeitsgrad, Zustieg oder Routenlänge. Die Basisinformationen und die Vorschau-Ansicht sind kostenlos. Für einzelne Touren oder ganze Klettergebiete zahlt man zwischen einem und fünf Euro, weil es Verlags-Content ist. Die Karten werden unter anderem von den Verlagen digitalisiert und in unser Portal gestellt. Es können sich aber auch Kletterer, die ihr Gebiet richtig gut kennen, als Nachwuchsautoren melden.

Ihr arbeitet also extrem eng mit den ganzen Verlagen zusammen…

Stephanie-enzianoTotal. Wir müssen natürlich auch Überzeugungsarbeit leisten, dass es eine digitale Zielgruppe gibt, die das nutzen möchte. Einige Verlage sind da ganz offen, andere haben noch gar keine Digitalstrategie und wollen erstmal beim Buch bleiben.

Das heißt, dass ihr viele Kletterrouten noch nicht anbieten könnt?

Ja, da wir müssen geduldig sein. Ich kriege jeden Tag total viele Mails mit Klettergebieten, die nachgefragt werden. Wir brauchen Content, Content, Content. Unser Ziel ist, in fünf Jahren europaweit die Hot Spots abdecken zu können.

Du hast eigentlich Bauingenieurwesen studiert und hattest längst einen Job. Jetzt machst du eine Kletter- und Wander-App. Wie kam die Wende?

Die Idee ist aus einem eigenen Bedürfnis heraus entstanden. Mein Freund Patric und ich wollten ein bisschen klettern und wandern gehen und wir haben schnell nach Informationen im Netz gesucht. Für das Gebiet, in das wir wollten, haben wir aber nichts gefunden. Also mussten wir doch wieder in den Laden und einen ganzen Kletterführer kaufen, obwohl wir davon nur fünf Seiten oder so gebraucht haben.

Und dann?

Dann haben wir einfach angefangen, was zu bauen. Patric ist enzianoja Software-Entwickler. Wir haben den Markt gecheckt, ein Konzept gemacht, gebrainstormt, wie der digitale Kletter- und Wanderführer aussehen soll, was es für Features geben soll und haben eine Umfrage unter Kletterern gemacht. Das lief erst so nebenher. Irgendwann ist es so groß geworden, dass ich gesagt hab, okay, zwei Vollzeitjobs, das geht jetzt auch nicht. Ich hab mich dann für Enziano entschieden. 2014 gab’s den ersten Prototypen und die allererste Android-Version.

Du hast deinen Job geschmissen. Kannst du jetzt von Enziano leben?

Noch nicht. In der Anfangsphase hatten wir ein Gründerstipendium, aktuell leben Patric und ich beide von unserem Ersparten und anderen Jobs, die wir nebenher machen, damit wir unsere Miete zahlen können. Aber wir sind zufrieden. Wir können zumindest das, was wir schon umsetzen, direkt wieder ins Produkt stecken. Und es ist ja auch absehbar, dass wir uns beiden eigenes Gehalt auszahlen können. Ich glaube an die Idee, sonst würde ich es auch nicht machen.

Da gehört ziemlich viel Mut dazu! Das machen nicht so viele Frauen, gerade im Tech-Bereich.

enzianoDas bedauere ich auch sehr. Vielleicht ist die Schwelle bei Frauen manchmal größer, sich das zu trauen. Bei mir hat‘s auch lang gedauert, bis ich mich entschieden hab. Ich kann nur allen Frauen da draußen empfehlen: Traut Euch, gründet, verwirklicht eure Ideen.

Wie wichtig ist der Standort Bayern für dich – Könntest du das von überall machen?

Für mich ist der Standort Bayern total wichtig. Hier ist für mich Heimat, hier sind die Berge. Ich kann zwar woanders hingehen zum Klettern, aber wenn ich an klettern und wandern denke, dann ist das für mich Bayern. Da ist für mich die Inspiration. Ob ich das auch von woanders machen könnte? Ja, also für eine Zeitlang bestimmt, man wäre schon flexibel. Aber diese räumliche Nähe ist andererseits auch total wichtig, auch dass man die Kletterszene kennt.


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