04/10/2015

Dorian Emonts, Mathias Noderer
Emillion
Skateboards aus Oberbayern

„Mittlerweile sind alle Fahrer auch gute Freunde von uns, wir sind wie eine Familie.“

Skateboarding ist in Deutschland schon lange keine Randsportart mehr. Trotzdem gibt es nur sehr wenige deutsche Skateboard-Firmen. Dorian und Mathias aus Bad Tölz haben den Schritt trotzdem gewagt.

EMillion_Team_2015_mit Dorian+Mathias_Photo_Florian Hopfensperger

icon_interviewPULS: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine Skateboard-Firma zu gründen?

Mathias Noderer: Ich hatte vor Emillion schon einen Skateboard-Vertrieb und in meinem Sortiment eine große Lücke bemerkt, was deutsche Marken betrifft. Ich konnte leider nichts finden, was wirklich geil war. Dorian ist ein langjähriger Freund von mir und hat in der Zeit, in der ich den Vertrieb aufgebaut habe, eine Grafiklehre gemacht. Da lag es dann irgendwie auf der Hand, dass wir gemeinsam eine Skateboard-Firma starten, in der ich mich um das Kaufmännische kümmere und Dorian sich um das Design.

Wie werden eure Decks und Wheels gemacht?

DoriaAlex_Mizurov_Pro_Series_Eagle_black_fibertech_7.75n Emonts: Mathias und ich klären ab, was für Produkte wir machen wollen. Dann kümmere ich mich um die Graphics und wir lassen das Ganze bei einem guten Produzenten im Ausland fertigen.

Habt ihr auch mal daran gedacht auf Eigenproduktion umzustellen?

Mathias: Das macht wirtschaftlich für uns keinen Sinn, weil wir dann eine sehr große Stückzahl verkaufen müssten, um noch Geld damit zu verdienen. Wenn wir dann noch Angestellte brauchen, um die Boards zu produzieren, lohnt sich das alles nicht mehr. Das würde sich erst bei einem weltweiten Vertrieb rentieren, aber solche Stückzahlen sind für uns natürlich unerreichbar.

Was waren die größten Hürden als ihr das Unternehmen aufgezogen habt?

Dorian: Im Grunde war das größte Problem erstmal, Gehör zu finden und deutschlandweit bekannt zu werden. Das geht ja in unserer Branche am besten über ein Skateboard-Team und da hatten wir Glück, dass wir frühzeitig ein gutes zusammenstellen konnten.

Apropos Fahrer, wie überzeugt ihr Shops und Fahrer von euren Decks?

Dorian: Mit guter Qualität. Wenn die Boards brechen, will sie natürlich keiner fahren.

Alex Mizurov - Photo Milosz Rebes - rbs photo
Foto: Milosz Rebes

Mathias: Man muss zuerst die Fahrer überzeugen, dann springen auch die Shops mit auf. Ein Shop kauft ja nur Produkte, die bekannt sind, ein gutes Image haben und nach dem die Kids auch fragen. Und das erreicht man nur über ein gutes Team und gutes Marketing. Und um gute Fahrer zu bekommen, muss die Qualität stimmen. Sympathie spielt natürlich auch eine Rolle. Außerdem muss den Fahrer das Projekt auch weiter bringen. Wir haben halt das Glück gehabt, dass wir ziemlich schnell das Vertrauen von sehr bekannten Skatern bekommen haben.

Wie sucht ihr die Fahrer für euer Team aus?

Dorian: Dafür haben wir unseren Teammanager Samak, der macht sich schlau. Viele Kids fragen auch an. Aber auf die
meisten Talente in Deutschland wird man auch so aufmerksam: Die unterstützt man dann mit Material und schaut, wie sich das entwickelt. Mittlerweile sind alle Fahrer auch gute Freunde von uns, wir sind wie eine Familie.

Mathias: Wenn jemand super fährt, aber unsympathisch ist und kein Vorbild für junge Skater sein kann, dann passt er natürlich auch nicht ins Team. Es müssen sich schon alle gut verstehen.

Ihr habt nicht nur ein „Skateboard“-Team, sondern auch ein „Art“-Team…

Teammanager_Samak Bernhard Kitvarametha - Cruisin' - Bangkok
Foto: Bernhard Kitvarametha

Dorian: So würde ich das nicht nennen. Wir haben halt so ungefähr 30 Künstler, die für uns schon mal Boards gestaltet haben. Dafür recherchiere ich im Internet oder bekomme auch oft Anfragen von Künstlern selbst. Und die können dann immer eine bestimmte Kollektion, die „Art Series“ gestalten. Für die Künstler ist das natürlich eine coole Referenz, wenn ihr Name auf dem Deck steht.

Es gibt ja öfter mal Kontroversen um die Motive auf Decks. Hattet Ihr auch schon mal Ärger?

Dorian: Ja tatsächlich. Wir hatten mal eine „Bunga Bunga“-Serie, angelehnt an Silvio Berlusconi. Das waren Bilder von Frauen in lasziven Posen, ohne dass man da viel gesehen hätte. Die Bilder kamen von der Nürnberger Fotografin Ella Don. Eine Frauenrechtsgruppe aus Berlin hat sich ziemlich aufgeregt und die Bilder als sexistisch abgestempelt, obwohl die Bilder ja von einer Frau kamen und auch alle Models sehr begeistert von den Decks waren. Wir sind deswegen nicht großartig darauf eingegangen.

So eine Skateboard-Company, kann man das ewig machen? Oder habt ihr schon eine Exit-Strategie?

Fabian Lang - Nollie Kickflip - Photo Conny Mirbach
Foto: Conny Mirbach

Mathias: Emillion ist mehr als nur wir zwei: Das Team dahinter ist eigentlich viel wichtiger und das werden ja immer junge Leute bleiben, die Skateboarding leben. Selbst wenn wir da rauswachsen, werden wir Skateboarding immer verstehen und können deswegen auch getrost im Hintergrund bleiben. Man kann man das schon lange machen, nur muss man dann halt die jungen Leute auch mehr entscheiden lassen.

Dorian: Aber wär schon cool, wenn wir zwei so Skateboard-Opas mit Skateboard-Company wären.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.