04/10/2015

Niklas Groschup (33)
EMIL Boards
Viereckige Skateboards

“Wenn sich also jemand melden würde, der für mich alles BWL-technische erledigen würde, wäre ich sehr froh”

"Don’t be square" sagt der Amerikaner, wenn sich jemand zu spießig verhält. "Square" und Skateboarden geht also eigentlich nicht zusammen. Außer bei den Decks von EMIL. Die sind nämlich viereckig.

emilboards_crew

icon_interviewPULS: Warum eckige Skateboards?

Niklas Groschup: Inspiriert sind meine Boards von dem Film “Zurück in die Zukunft” – aber nicht wie viele meinen, vom Hoverboard aus dem zweiten Teil, sondern vom ersten Teil. Da reist Marty McFly zurück in die 50er und klaut einem kleinen Jungen seinen Fruitbox-Scooter, also einen Roller, der aus ein paar Holzkisten zusammengebaut ist. Er reißt den Griff ab und erfindet damit sozusagen das Skateboard. In dem Fall eben ein viereckiges Board mit einem dreieckigen Keil hinten drauf.

Und dann hast du dir gedacht: bau ich mir selber auch…

emilboardsIch bin dann am nächsten Tag gleich in den Baumarkt, hab mir Holz gekauft und daraus den ersten groben Prototypen gebaut. Als der fertig war, bin ich nachts hier in München auf die Straße und damit rumgefahren, und es war endgeil, weil es so rudimentär war, aber trotzdem funktioniert hat. Da hab ich mir gedacht, dass man da doch mehr draus machen könnte.

Wie machst du die Decks?

Die Prototypen baue ich selber. Aber jetzt, wenn es in die Serienproduktion geht, lass ich die Decks von einer etablierten Skateboard Factory aus Tschechien pressen. Vorher habe ich die Boards in China fertigen lassen. Das kommt zwar billiger, aber die Kommunikation ist sehr schwierig und es dauert ewig, bis die Teile hier sind. Außerdem schauen die Leute komisch, wenn man sagt, etwas wird in China hergestellt.

Wie lief der Schritt vom ersten Prototypen hin zur Firma?

Ich habe zuerst verschiedene Shapes, Größen und Holzarten emilboardsausprobiert, bin aber am Ende irgendwie auf das Standardmaterial für Skateboards zurückgekommen: geleimtes Ahornholz. Dann war das größte Problem jemanden zu finden, der die Bretter zu einem annehmbaren Preis in geringer Stückzahl produziert: Weil ich ja nicht genau wusste, wie viele überhaupt ein Produkt kaufen würden, das noch keiner kennt. Glücklicherweise bin ich dann auf einen Ulmer gestoßen, der seine eigene Skateboard-Firma hat, in China arbeitet und dort auch produziert.

Verkaufst du dein Board auch in Läden?

An Shops habe ich erstmal überhaupt nicht gedacht. Mein erster Gedanke war, die Dinger online anzubieten und zu schauen, wie das läuft. Ich habe das ja neben meinem eigentlichen Beruf gemacht und wollte damit gar nicht unbedingt Geld verdienen, sondern die Bretter in erster Linie auf die Straße bringen. Bis jetzt ist auch mit Shops und Vertrieben noch nicht viel passiert. Das wäre dann der nächste Schritt.

Hast du schon mal geschaut, ob es in anderen Ländern auch viereckige Skateboards gibt?

Ja klar. Als ich angefangen hab mit dem Bauen, hab ich schon emilboardsim Internet geschaut, ob es da Firmen gibt, die so etwas machen. Aber ich habe außer einer Marke, die mal so eine kleine Special-Edition gemacht hat, nichts gefunden. Erst als es meine Boards schon gab, hab ich in Portugal jemanden entdeckt, der auch ein viereckiges Modell am Start hat. Da bilde ich mir ein, dass es von mir inspiriert ist. Und ich hab mal jemanden auf Instagram entdeckt, der mein Brett nachgebaut hat. Da stand dann aber auch: “inspired by EMIL Boards”.

Gibts auch Kritik aus der Skateboard-Szene? Von wegen: Braucht doch keiner!

Ja, die gibt’s schon, allerdings verhältnismäßig wenig. Spätestens wenn ich die Entstehungsgeschichte mit “Zurück in die Zukunft” erzähle, feiern das die Leute um die 30 herum meistens ab. Natürlich gibt’s Hater, die meinen, dass ich das Skateboard-Business zerstöre. Aber die etwas offeneren Skater, vor allem die aus der Longboard-Ecke, feiern es auf jeden Fall.

Wie gut funktionieren Tricks damit?

Das ist genau das, woran sich die Streetskater aufhängen. emilboardsWeil meine Bretter keine Nose haben und nur ein rudimentäres Tail, kann man zwar einfache Tricks wie Ollis, Kickflips oder Shovits machen – es ist aber nicht die Idee dahinter. Eigentlich sind die Bretter zum Cruisen da.

Woher kommt der Name EMIL?

Ich wollte von Anfang an einen Eigennamen, damit das Ganze eine emotionale Komponente bekommt. Das hat auch bisher ganz gut funktioniert, weil viele Leute, die ein EMIL-Board haben nicht mehr sagen: Hol mal das Skateboard, sondern hol mal den Emil. Das ist schon ganz cool. Außerdem sollte der Name kurz sein. Beim Brainstorming hat ein Kumpel dann gefragt, warum ich es nicht Emil nenne, nach meinem Vater. Das hat irgendwie gepasst. Nicht dass ich es nach meinem Vater benennen wollte, weil er gestorben wäre, als ich klein war oder so etwas. Der Name hatte einfach alles was ich wollte.

Wenn du dir was wünschen dürftest für EMIL, was wäre das?

Knowledge, wie man es schafft, dass die Idee Geld abwirft. Wenn sich also jemand melden würde, der für mich alles emilboardsBWL-technische erledigen würde, wäre ich sehr froh. Denn das ist gerade mein großes Problem: Ich habe mit dem angefangen, was mir liegt, also Design und Handwerk. Aber wenn man Deals aushandeln und einen guten Endpreis erzielen muss, dann kocht mein Hirn über. Ich muss mir ja gerade überlegen, ob ich da jetzt ein Unternehmen daraus mache oder ob ich mir den Stress spare und das nebenbei auf demselben Level weiterlaufen lasse. Dann mache ich zwar nicht viel Kohle damit, aber immerhin kann ich noch tun und lassen was ich will.

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