13/06/2017

Marco Knobloch (29) & Sebastian Leicht (32)
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Nachhaltige Kühlboxen für Festivals aus München

„In der Tat ging es los mit: Wir machen mal Wasser in Tüten“

Ein Ingenieur, ein Betriebswirt – ein Gedanke: warmes Bier auf Festivals? Geht gar nicht. Marco und Sebastian aus München tüfteln monatelang herum und entwickeln tatsächlich Kühlpacks, die mehrere Tage kühl halten sollen. Ihr neuester Streich: eine recyclebare Kühlbox aus Karton – extra für Festivals.

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PULS: Eine Kühlbox aus Karton? Die ist doch sofort kaputt….

Marco Knobloch: Es ist die robusteste Sorte Karton, die man kaufen kann, nochmal deutlich fester als Umzugskartons. Der Karton, den wir verwenden, ist nassfest. Man hat eben diesen Außenkarton, dann kommt die Isolierschicht und dann gibt es noch einen beschichteten Innenkarton, den man auswischen kann. Die Festival-Box kann man auch wiederverwenden. Es war auch unser Anspruch, dass wir eine Mehrweg-Kühlbox entwickeln und dass das Ding so ein Festivalwochenende überleben muss – auch wenn’s mal härter zugeht.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Marco: Die Idee ist tatsächlich an einem sehr heißen Festivalwochenende entstanden. Wenn man Bier gekauft hat, war es schon warm, bevor man überhaupt auf dem Campingplatz war.

Sebastian Leicht: Es war auch so, dass alle Tankstellen leer gekauft waren und alles andere zu weit weg war. Dann haben wir uns gesagt, normale Kühlboxen hat eigentlich jeder dabei, die funktionieren aber nicht wirklich, spätestens am Samstag ist nichts mehr kühl und dann hat man auch keine Chance mehr, was nachzukaufen.

Marco: Und man will sich ja nicht nur Bier von daheim mit auf Festivals nehmen, sondern auch Lebensmittel. Dann dachten wir: Da muss es doch was geben.

Wie seid ihr da rangegangen?

Sebastian: In der Tat ging es los mit: „Wir machen mal Wasser in Tüten.“

Marco: Wir haben uns erst umgeschaut, was es auf dem Markt gibt an Kühlakkus oder Kühlboxen, aber nichts passendes gefunden. Also haben wir uns auf einem Maschinenportal angemeldet und uns eine uralte Verpackungsmaschine gekauft. Wir haben so ein Ding vorher noch nie gesehen. Wir haben die Maschine abgeholt, bei Sebastians Opa in Lichtenfels in die Garage gestellt und angefangen, Kühlpacks zu produzieren.

Einfach so?

Marco: Gut, ich bin Ingenieur, ich konnte ein bisschen Know-how einbringen, programmieren, die Maschine umbauen, aber im Prinzip haben wir uns da komplett reingefuchst. Wir wussten nicht, welche Folien wir dafür brauchen und wie das überhaupt alles geht. Wir haben uns ein Vierteljahr Zeit genommen – oft am Wochenende und es dann tatsächlich hingebracht, dass diese Maschine Kühlakkus produziert. Dann kam der Durchbruch. Die Nachfrage kam sehr schnell, insbesondere im Bereich des Lebensmittel-Versandes, aber auch von Privatkunden. Das war vor fast drei Jahren.

Sebastian: Das hört sich im Nachhinein recht spaßig an, aber es waren sehr anstrengende Wochen. So einfach war es nicht, wie wir uns das am Anfang gedacht haben. Man muss sowas ja im Winter entwickeln. Draußen schneit’s und so eine Garage hat jetzt auch nicht unbedingt viel Heizung. Am Anfang hat es oft auch nicht so geklappt wie wir uns das gedacht hatten. Wir standen immer so in einer fünf bis zehn Zentimeter hohen Wasserlache.

Erst kamen die Kühlakkus und dann die Kühlbox?

Sebastian: Wir haben uns gesagt: Okay, jetzt sind wir also Kühlakku-Hersteller. Aber jeder, der einen Kühlakku braucht, braucht auch eine Isolierverpackung. Wir wollten was entwickeln, was am Schluss auch ökologisch funktioniert.

Marco: Kern der Kühlbox ist eine Isolierschicht aus Altpapier. Die haben wir ursprünglich für den Lebensmittelversand entwickelt, weil dort Styropor nicht mehr so gern gesehen ist. Daraus hat sich dann die Festivalbox entwickelt, die wir jetzt seit neuestem in unserem Shop anbieten. Die ist fast dreimal so groß wie eine normale Kühlbox und die bieten wir auch in einer pre-filled Variante an, zum Beispiel mit 30 Dosen Bier, 55 Bratwürsten und 25 Steaks. Die bekommt man dann schon gekühlt inklusive Kühlpacks nach Hause geschickt.

Euer Firmensitz ist in München, ihr produziert in Oberfranken. Warum?

Sebastian: Ich komme ursprünglich aus Lichtenfels und wir haben in der Garage meines Opas angefangen. Da war Platz und das hat am Anfang nichts gekostet. Inzwischen arbeiten einige aus meiner Familie für die Firma. Das ist natürlich super, mit Leuten zusammenzuarbeiten, denen man vertrauen kann, gerade wenn man 200, 300 Kilometer weit weg ist. Ich muss aber ehrlich sagen, dass wir auch in München und Umgebung geguckt haben, es ist hier für ein Startup aber nicht einfach.

Marco: Zum einen sind die Gewerbeflächen sehr teuer und das Lohnniveau ist hier viel zu hoch, gerade als produzierende Firma. Deswegen ist Lichtenfels ein super Standort.

Sebastian: Inzwischen produzieren unsere Mitarbeiter da oben ohne dass wir was tun müssen. Ganz im Gegenteil: Die werden glaub‘ ich immer ein bisschen nervös, wenn wir nach Lichtenfels kommen, weil wenn wir zwei da sind, wieder irgendwas geändert werden soll.

Marco: Und wir steuern die Firma hier von München aus, machen insbesondere Vertriebsarbeit, Produktentwicklung, das ganze Administrative und Kaufmännische.

Vor welchen Herausforderungen steht ihr gerade?

Marco: In der Tat sind wir bei der Entwicklung von Maschinen und Produktion sehr gut aufgestellt. Unser Know-how ist mittlerweile sehr tief. Wir können also viele Sachen wirklich gut, Marketing zählt allerdings nicht dazu. Unsere Homepage, unseren online-Shop, das haben wir alles selber gemacht, wie eigentlich fast alles in dieser Firma. Es ist für unsere Belange ganz okay geworden, aber da ist noch ganz viel Luft nach oben. Wir suchen auch noch jemanden der uns unterstützt, weil wir zwei das nicht alleine stemmen können.

Könnt ihr davon leben?

Marco: Naja, wir könnten davon leben, wir leben aber noch nicht 100 Prozent davon, zumindest der Sebastian und ich nicht, unsere Angestellten schon. Ich arbeite momentan noch Vollzeit als Ingenieur bei BMW.

Sebastian: Ich arbeite drei Tage die Woche bei einer Bank, zwei Tage für die Firma. Sie ist aber auch so aufgebaut, dass sie uns zwei jetzt nicht zu 100 Prozent jeden Tag braucht, so war es von Anfang an geplant. Alles was wir uns an Ideen und Entwicklungen ausdenken, das passiert eben, wenn es gerade passt und wir auch Lust dazu haben. Ansonsten passiert es eben zwei Wochen oder ein halbes Jahr später.

Marco: Unser Plan ist es aber natürlich relativ schnell voll einzusteigen.


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