31/01/2019

Deetory - Nachhaltige Mode aus Würzburg

Sebastian Becker & Julian Herrhammer

Niemand kann mir erzählen, dass ein T-Shirt für 3,50 Euro fair hergestellt worden ist.“

Sebastian Becker und Julian Herrhammer entwerfen seit Anfang 2017 in Würzburg nachhaltige und faire Mode unter dem Label „Deetory“. Damit unterstützen sie eine Näherei in Kenia. Ihre Kunden können nach dem Einkauf außerdem selbst entscheiden, an welche Wohltätigkeitsorganisation sie einen Teil des Kaufpreises spenden möchten.

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PULS: Es gibt mittlerweile so viele Modelabel, Marken und Klamottenläden – wie kamt ihr darauf, noch eins zu gründen?

Sebastian Becker: Deetory zu gründen, war eigentlich eine Herzensangelegenheit von uns beiden. Davor haben wir zusammen bei einem großen Elektrofachhändler gearbeitet, ich war damals Julians Ausbilder. Wir haben uns während der Arbeit immer mal wieder unterhalten und recht schnell gemerkt, dass keiner von uns seine gesamte Zukunft hier verbringen möchte. Also haben wir angefangen darüber zu reden, was wir stattdessen gerne machen würden und ein bisschen rumgesponnen bis Julian meinte, er würde gerne  etwas Kreatives machen in Richtung Mode und Streetstyle. Da bin ich hellhörig geworden, weil ich relativ groß bin, zwei Meter um genau zu sein. Darum war es früher oft schwer für mich Klamotten zu finden und deswegen wollte ich sowieso mal meine eigene Mode machen. Und eines Abends haben wir uns dann getroffen, einen Businessplan geschrieben. Mittlerweile verkaufen wir T-Shirts, Mützen, Schals und so weiter für Männer, Frauen und Kinder.

„Deetory“ ist nicht gerade selbsterklärend, euer Logo fällt sofort auf. Wofür stehen die beiden?

„Deetory“ steht für „Deed“, die Wohltat und „tory“, für „Factory“, Fabrik auf Deutsch. Wörtlich übersetzt heißt das dann so viel wie: die „Wohltatfabrik“. Denn wenn man bei uns etwas kauft, dann ausschließlich fair gehandelte Ware mit Bio-Qualität. Unser Logo besteht aus zwei maslowschen Bedürfnispyramiden, die sich mit den Spitzen in der Mitte treffen. Das soll dafür stehen, dass die Menschheit so langsam aus dem Gleichgewicht gerät. Alle wollen immer nur das Schönste, Beste, Tollste. Wir sind wahnsinnig verwöhnt und leben auf Kosten und Lasten anderer. Deswegen zieht sich bei unserem Logo ein Strich durch die Mitte, das sind wir, Deetory. Wir wollen dieser Entwicklung einen Strich durch die Rechnung machen und der Welt etwas zurückgeben.

Wie versucht ihr der Welt wieder etwas zurückzugeben?

Wir verwenden fair bezahlte Biobaumwolle aus Tansania, die nur kurz transportiert wird, deswegen stimmt auch unsere CO2-Bilanz. Unsere T-Shirts fliegen also nicht fünfmal um die Welt, bis sie am Ende dann für 3,50 Euro verkauft werden. Niemand kann mir erzählen, dass ein T-Shirt für 3,50 Euro fair hergestellt worden ist. Nähen lassen wir die T-Shirts in Kenia. Die Näherei dort gehört einer deutschen Auswanderin, die ihr Unternehmen mit deutschen Standards führt, um Ausbeutung zu verhindern: Die Mitarbeiter bekommen einen fairen Lohn und sind krankenversichert. Wir kennen jeden in der Produktionskette und können kontrollieren, dass sich die Mitarbeiter ihr Leben von ihrer Arbeit leisten können. Und das Besondere zum Schluss, quasi das i-Tüpfelchen ist, dass wir etwas zurückgeben. Wir haben bei uns im Onlineshop eine Währung initiiert. Das ist der „D“, den man bekommt, wenn man bei uns auf der Seite etwas kauft. Diesen „D“ kann man an Wohltätigkeitsorganisationen spenden, mit denen wir zusammen arbeiten. Der Kunde entscheidet selbst, an welche Organisation oder NGO das Geld gehen soll.

Die Produktion findet also hauptsächlich in Afrika statt. Was verbindet euch und euer Unternehmen trotzdem mit eurer Heimat Bayern?

Viele unserer Produkte werden hier in der Heimat endveredelt. Das heißt, sie werden hier bestickt. Dafür arbeiten wir mit verschiedenen Firmen im Umkreis zusammen, die zum Beispiel in Fürth oder Augsburg sitzen. Und auch dort arbeitet man nach unserem Credo: bio und fair. Danach wählen wir die Unternehmen aus. Der Heimatbezug ist natürlich außerdem da, weil wir unser Unternehmen in der schönsten Stadt Unterfrankens, vielleicht sogar ganz Bayerns, gegründet haben, nämlich in Würzburg.

Eigentlich gilt ja Berlin als das Start-Up-Mekka Deutschlands. Warum habt ihr Bayern gegründet und seid nicht nach Berlin gegangen?

Das stimmt. Dort wären wir aber nur ein Start-Up unter vielen gewesen und das wollten wir nicht. Wir wollten wirklich etwas Einzigartiges machen und das richtig angehen. Vielleicht hat uns auch ein bisschen der Mut gefehlt. Wir arbeiten beide ja noch nebenbei und es ist schon ein großer Schritt, wenn man von heute auf morgen seinen Job kündigt und sagt: Ich zieh jetzt mein Ding durch. Das muss man sich erst mal trauen. Aber auch den Schritt werden wir sehr wahrscheinlich in naher Zukunft gehen und dann schauen wir mal. Aber ich glaube, wir bleiben unserer Heimat treu. Berlin würde nicht zu uns passen.

Gibt es etwas, dass du gerne gewusst hättest, bevor ihr „Deetory“ gegründet habt?

Einfach mal machen. Es ist keine Schande auch mal zu scheitern. Das ist diese deutsche Kultur: Man darf auf keinen Fall scheitern und wenn doch, ist alles hin. Das ist Quatsch, man muss es einfach ausprobieren. Entweder es funktioniert oder es funktioniert halt eben nicht. Und dann muss man einsehen: okay, es war einen Versuch wert, auf zum Nächsten, aufstehen und weitermachen. Das ist glaube ich der Rat, den mir keiner gegeben hat, aber den ich für mich so aus dem Ganzen gezogen habe.

Gibt es schon weitere Zukunftspläne für „Deetory“?

Wir möchten als Nächstes gerne grüne Firmenkleidung machen. Wir haben gemerkt, dass da noch ein ganz großes Loch klafft und Unternehmen sehr aufgeschlossen sind, diese grüne Bewegung oder dieses Verständnis für die Umwelt, zu unterstützen. Das wird ja im Moment wahnsinnig – ich will nicht sagen – gehyped, sondern einfach relevanter für die Menschen. Und da gehört auch so etwas wie Firmenkleidung dazu. Außerdem möchten wir, dass Deetory für junge Designer eine Art Plattform wird, wo sie ihre Sachen zeigen können. Wenn die Designs gut bei den Leuten ankommen, darüber lassen wir dann abstimmen, werden wir die Shirts von den Nachwuchsdesignern auf den Markt bringen. Und indem die unsere Fanbase und Unterstützer nutzen können, geben wir so wieder ein Stückchen zurück.

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