19/05/2017

Sandy (29) und Sebastian Senft (28)
Daisy Van Ghosty
Vintage Möbel aus Nürnberg

„Reparieren statt wegwerfen ist unser Motto. In der Ehe und Partnerschaft – aber auch in anderen Dingen.“

Nach ihrer Hochzeit dachten sich Sandy und Sebastian: Wir brauchen eine größere Wohnung. Also ging es nach Nürnberg Gostenhof und wie es der Zufall wollte, war bei der Altbauwohnung gleich noch ein kleiner Laden mit dabei. Eine Verkaufsfläche hatten sie also schonmal, die Idee, Möbel aus den 20er bis 70er Jahren „aufzumöbeln“ kam dann auch recht schnell. Seitdem tragen Sandy und Sebastian dazu bei, dass Wohnungen und WG Zimmer in Nürnberg ein bisschen einzigartiger werden.


PULS: Habt ihr irgendwie einen Dachboden voller alterMöbel geerbt oder wie seit ihr auf die Idee gekommen, alte Möbel aufzupolieren?

Sandy Senft: Ne das nicht! Nach unserem Umzug haben wir noch eine Kommode für unseren Gang gebraucht. Wir haben dann ne alte auf Ebay Kleinanzeigen entdeckt, sind da in so ein altes Haus gefahren und dann haben die uns gefragt: Hättet ihr noch Interesse an anderen Sachen? Morgen kommt der Container und dann schmeißen wir alles weg. Und wir so: echt jetzt? Die guten erhaltenen Sachen? So aus den 60ern waren die. Die Frau meinte dann, dass ja hier am Land die Leute damit nichts anfangen können. Dann haben wir halt unseren alten Volvo vollgemacht und für unsere Freunde auch noch ein paar Sachen mitgenommen. Zwei, drei Sachen haben wir dann leider nicht mehr losbekommen und die dann online reingestellt – und schwupp waren die Sachen weg. Die Nachfrage war also groß. Naja und dann haben wir uns wirklich auf die Suche nach so Hausauflösungen gemacht und seitdem sind wir da im Geschäft.

Wie kommt ihr an diese Hausauflösungen?

Also ein bisschen ein Gespür braucht man schon dafür, viel läuft über Mundpropaganda. Das vielleicht Arbeitskollegen oder so auf uns zukommen und sagen: Hey, von meinem Kumpel ist die Oma gestorben und das Haus muss jetzt schnellst möglichst leergeräumt werden. Und dann schicken die uns Fotos und wir schauen, ob die Sachen passen. Ich will jetzt meine Quellen nicht preisgeben, aber viele Sachen finde ich auch einfach übers Internet, über diverse Portale. Und manchmal hab ich auch einfach Glück und frag dann einfach: Haben Sie noch mehr von solchen Sachen? Dann stehst du da auf dem Dachboden oder im Keller und siehst, was grad ältere Leute da dann Zeug gehortet haben… Wir machen das aber auch nur im Umkreis, also nicht irgendwie in Berlin oder Hamburg.

Ihr recycled jetzt Möbel, die ansonsten im Sperrmüll landen würden – welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für euch?

Nachhaltigkeit spielt bei uns auf jeden Fall eine große Rolle. Dieser Upcycling-Gedanke kommt ursprünglich nicht von Möbeln, sondern eher von der Liebe. Reparieren statt wegwerfen ist unser Motto. In der Ehe und Partnerschaft – aber auch in anderen Dingen. Mein Mann hängt zum Beispiel so an seinem Volvo, der ist ja auch unser Geschäftsauto. Der ist jetzt 27 Jahre alt und hat schon 460.000 Kilometer drauf. Und das Ding fährt halt. Mein Mann bastelt immer daran rum und repariert hier was und da was. Aber da kannst du dich halt trotzdem drauf verlassen.

Es ist also nicht so, dass die Möbel bei euch gleich im Wohnzimmer standen. Gab‘s trotzdem etwas, was euch am Anfang Probleme gemacht hat?

Ja, die Lagermöglichkeit an sich natürlich. Wir haben von einer Nachbarin den Keller dazubekommen und lagern derzeit in drei Kellerabteilen – und die sind echt voll bis oben hin. Mittlerweile haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass wir nicht mehr alles mitnehmen, weil wir auch schon viele Sachen verschenken mussten.

Die Möbel bei euch kosten deutlich weniger, als bei anderen Möbelrecyclern. Das heißt, ihr macht regelmäßig Leute mit kleinem Geldbeutel glücklich. Was war bisher euer schönstes Erlebnis?

Wenn du in so ein Haus reinkommst, wo die Eltern gestorben sind und die Kinder das jetzt geerbt haben: Die sind in dem Haus aufgewachsen, die kennen die Möbel noch und hängen dann zum Teil an den Sachen. Da blutet denen echt das Herz. Dann kommen wir und ich erzähl denen, was wir machen und was unser Gedanke ist, eben „Reparieren statt Wegwerfen“. Und ich sag den Leuten immer: Wir finden für ihre Möbel wieder einen guten Platz. Da sind die Leute dann wirklich dankbar und man bekommt auch viel zurück – ob das jetzt eine Umarmung ist, oder einfach nur der Gesichtsausdruck.

Was war bisher dein Lieblingsstück?

Puh – ich darf mich ja immer nicht so an die Sachen dranhängen, weil sonst würde ich die am liebsten alle selber behalten. Aber das waren so drei Lounge-Stühle in rot, grün und blau. Die waren noch original verpackt aus den 60er Jahren. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Die waren wirklich noch mit Etikett und allem drum und dran und da war noch nie jemand draufgesessen. Das war auch eines der ersten Stücke, die wir verkauft haben.

Offensichtlich kommen die Möbel ja auch super bei den Nürnbergern an. Ist das Ziel jetzt,  davon leben zu können?

Das wäre natürlich ein Traum. Seit ich 16 bin, seit dem Anfang meiner Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation, bin ich in so einem Angestelltenverhältnis. Ich merk‘s ja jetzt schon: Wenn du wirklich dein eigener Chef bist, gibt einem das sehr viel und macht auch ganz anders Spaß, wie wenn ich im Büro sitze. Von daher wäre es schon mal cool, das zumindest Teilzeit zu machen. Grade ist es noch ziemlich schwierig, zeitlich alles unter zu bekommen. Man hat so viele Ideen, aber man hat halt einfach nicht immer die Zeit, wenn man abends heimkommt.


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