04/10/2015

Anke Eberhardt (33)
CUT
Do It Yourself Modemagazin

„Zwei Wochenenden lang habe ich einen Teppich gewebt, der es dann nicht mal ins Heft geschafft hat“

Die volle Dosis "Do It Yourself": Das 146 Seiten dicke CUT Magazine liefert Mode und Design zum Selbermachen – es entsteht im kleinen Team und mit viel Basteleinen in der Redaktion. Chefredakteurin Anke Eberhardt erzählt, wieso 2009 der richtige Zeitpunkt für ein hochwertiges Printprodukt war und warum die Anzeigensuche nach wie vor schwierig ist.

CUT_Magazin_dasteam

icon_interviewPULS: Wie schafft man es, ein Magazin auf den Markt zu bringen, wenn alle anderen klagen, dass ihre Auflagen sinken?

Anke Eberhardt: Zum einen haben wir von dem Do-It-Yourself-Boom profitiert. Wir waren in Deutschland das erste Heft in der Richtung. Zum anderen können sich viele Leute mit unserem Heft identifizieren, die sich bei anderen Zeitschriften nicht zu Hause fühlen, mit der Mischung aus Design, Mode und Selbermachen ohne elitären Anspruch. Mir geht es auch so: Ich habe noch nie eine Frauenzeitschrift gekauft, weil ich nichts damit anfangen konnte. Meine Kollegin, die Grafikdesignerin Lucie Heselich, hatte die Idee. Sie hatte davor gar keine Magazinerfahrung und kann – wie ich – gar nicht nähen. Sie hatte aber ein Gespür für die Zeit und hat gemerkt: die Nachfrage für Do-It-Yourself und Handmade ist da. Alles was es an Bastelzeitschriften bisher gab, war furchtbar altbacken: gehäkelte Kaffeeuntersetzer und gestickte Rauhaardackel!

Sind in der Redaktion auch Männer vorhanden?

CUT_Magazin shootingNein, wobei wir immer wieder Post von treuen männlichen Lesern bekommen! Die Kernmannschaft besteht momentan aus nur vier Leuten: drei Redakteurinnen und eine Grafikdesignerin. Und ein Dutzend Freelancer. Es gibt niemanden, der Vollzeit an CUT arbeitet – bis auf die Praktikantin. Jeder hat noch andere Jobs. Selbst ich als Chefredakteurin arbeite auch als freie Journalistin. CUT ist ein Herzblut-Freestyle-Projekt und es gibt eigentlich keine Hierarchien. Da es um Mode und Design geht, gibt es natürlich unterschiedliche Geschmäcker und Meinungen. Der eine findet den einen Stoff schön, der andere einen anderen. Früher haben wir oft die Verzögerungstaktik gewählt, wenn wir uns nicht einigen konnten. Inzwischen sind wir ein eingespieltes Team.

Im Heft findet man geballte Kreativität. Wie strukturiert ihr euch?

Wenn wir an einem Heft arbeiten, kommen meistens so viele Ideen dabei heraus, dass wir bereits genug fürs nächste haben. Jeder legt seine Themen auf den Tisch und darf alles sagen, auch wenn der Vorschlag erstmal doof klingt. Denn daraus entstehen oft die lustigsten Headlines oder Shooting-Ideen. Wir überlegen, wie man die Dinge neu präsentieren könnte, sei es Stricken, Betonieren, Patchwork oder Inneneinrichtung. Dann werkelt jeder vor sich hin. Aber voran kommen wir, wenn wir im Team entscheiden. Aus diesen zwei abwechselnden Phasen entwickeln wir Grundstruktur und Schwerpunkte des Hefts.

Auf welche CUT-Inhalte bist du besonders stolz?

Das sind lustigerweise immer die Sachen, die der Leser gar CUT_Magazin Fotoshooting mit Andreas Hoschnicht so richtig wahrnimmt. Wir wollten einmal unbedingt eine Modestrecke im Schnee auf einem Gletscher in der Schweiz fotografieren. Wir hatten ein Zeitfenster von nur zwei Tagen und ich konnte wochenlang davor nicht schlafen, weil ich solche Angst hatte, dass etwas schiefläuft. Wer die Bilder im Heft sieht, hinterfragt die Produktionsumstände natürlich nicht. Dass ich 1000 Tode gestorben bin und den Wetterbericht sekündlich aktualisiert habe, sieht man nicht.

Vom Stil her könnte man meinen, ihr kommt aus Berlin.

Oft kontaktieren uns Leute und sind überrascht, dass wir nicht in Berlin sitzen. Wir haben Glück, dass wir in unsere Mutteragentur Independent Medien-Design hier in München gut eingebunden sind. Für die 10. Ausgabe hatten wir ein München-Special. Da hatte ich ein lustiges Gespräch mit den Designern von A Kind of Guise. Sie haben es treffend gesagt: In Berlin kann man rumlungern. In München muss man Vollgas geben, weil man sich das nicht leisten kann. Ich persönlich lebe auch gern in München, weil mir der Flair der Stadt und die Nähe zu den Bergen gefällt.

Hast du bei so viel „Do It Yourself“ in deiner Freizeit noch Lust auf Selbermachen?

anke eberhardt Foto: Evi LembergerJa, da ich im Büroalltag viel mit Text, Organisation und Shootings zu tun habe und selten dazu komme, etwas händisch zu machen. Durch die Beschäftigung mit CUT und Do-It-Yourself habe ich viel mehr Lust bekommen etwas selber zu machen. Einmal hatten wir ein riesiges Planschbecken in meinem Flur aufgestellt, in dem wir Kleidungsstücke und Accessoires marmoriert haben – das ist eine spezielle Technik mit Farbe und Leim, die aussieht wie Marmor. Ich dachte: Ich würde mir jetzt so gerne eine eigene Tasche marmorieren. Das Gute war, dass ich danach bereits wusste, wie es funktioniert. Aber nicht jedes Mal klappt es, wenn ich meine Freizeit opfere. Für die CUT #13 habe ich zwei Wochenenden lang einen Teppich gewebt, der es dann nicht mal ins Heft geschafft hat. Am Teppich an sich lag es nicht, aber wir haben einfach keinen guten Bildaufbau gefunden. Das schmerzt dann zwar, aber so ist das eben bei CUT: Es kommt nur ins Heft, was uns wirklich gefällt.

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