04/10/2015

Anne Mauch (29)
Corona Lantana
Traditionelles Huthandwerk aus München

„Ich finde es wahnsinnig spannend und schön, dass man Brauchtum beibehält“

Hüte werden nur noch selten getragen und wenn - kommen sie meist von der Stange. Ein paar traditionelle Werkstätten gibt es aber doch noch. Eine davon führt Anne Mauch in München. Da hat sie vor fünf Jahren ihre Hutmacherei "Corona Lantana" eröffnet und ihre Liebe zur Tradition zum Beruf gemacht.


Corona Lantana
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PULS: Kaum jemand trägt heute noch Hüte, das Handwerk stirbt langsam aus: Wieso hast du dich für diesen Beruf entschieden?

Anne Mauch: Ich bin durch Zufall darauf gekommen. Ich habe ein Praktikum an der Oper gemacht und war dabei in verschiedenen Werkstätten. Die hatten glücklicherweise eine Hutmacherei. Da durfte ich dann mal reinschauen und es hat mir super gut gefallen. Dann hab ich geschaut, ob man das lernen kann und bin bei einem Hutmacher in München gelandet.

Wie wird man Hutmacherin?

Das ist eine ganz klassische, dreijährige Ausbildung. Man geht in einen Betrieb, ab und zu in die Berufsschule und am Ende gibt es eine Prüfung mit Gesellenbrief. Viele Ausbildungsbetriebe gibt es in Deutschland nicht mehr. In meinem Lehrjahr waren wir fünf Leute aus ganz Bayern, zum Teil auch aus Baden-Württemberg. Und das war schon viel!

Wie funktioniert die Hutmacherei und wie lange dauert es, einen Hut herzustellen?

Corona LantanaWenn man beispielsweise einen Filzhut machen möchte, zieht man den Filz zunächst mit Wärmedampf und Feuchtigkeit über einen Kopf und bügelt ihn in Form. Dann trocknet er erstmal einen Tag. Am nächsten Tag kann man nachbügeln, dann trocknet er wieder ein bisschen, dann näht man die Sachen, die geändert oder appliziert werden sollen. Man braucht im Schnitt sechs bis acht Stunden für einen klassischen Hut. Aber es gibt auch Sachen, für die man sehr viel länger braucht. Zum Beispiel ein Hut mit Federgarnitur oder komplizierte Hutmodelle.

„Aller Anfang ist schwer“ sagt man, wie ist das bei dir gewesen?

Klar, das ist ja ein Nischenberuf. Da ist es am Anfang natürlich schwierig, Kunden zu finden. Dadurch, dass mein Laden keine Schaufenster hat, habe ich keine Laufkundschaft. Da muss ich natürlich schauen, dass ich durch Mundpropaganda oder über die Internetseite Werbung mache. Dadurch, dass ich ja vorher am Theater gearbeitet und ein paar Praktika gemacht habe, hatte ich Kontakt zu den Theatern. Ein Schauspielhaus hat ja meistens keine festen Hutmacher engagiert. Wenn sie dann mal was brauchen, fragen sie mich. Das ist immer ganz schön, weil es meistens außergewöhnlichere Aufträge sind. Ich habe mal einen riesigen Blumenhut gemacht, wie bei Frieda Kahlo. Das würde man jetzt eher weniger auf der Straße anziehen.

Kannst du von der Hutmacherei leben?

Es wird immer besser. Auch wenn ich das Unternehmen jetzt Corona Lantanafünf Jahre habe, bin ich ja trotzdem noch am Anfang. Die Hutmacherei ist natürlich ein Saisongeschäft. Im Winter ist allen kalt, da setzt man eher mal was auf, weil man es dann nicht nur als Schmuck betrachtet, sondern auch als ein wärmendes Produkt. Im Sommer ist es eher ruhiger. Es ist immer ein Auf und Ab. Grad ist es ganz gut, schauen wir mal.

Welchen Rat würdest du anderen Jungunternehmern geben?

Ich finde den Austausch mit anderen Selbstständigen sehr wichtig. Jeder hat mal eine Erfahrung gemacht, die er teilen kann und den anderen so vielleicht vor Fehlern bewahren kann. Ich hatte am Anfang eine Förderung beantragt. Da musste ich einen Business-Plan aufsetzen: Man musste über drei Jahre vorausplanen, was man denkt, wie die Entwicklung sein wird oder was man für Fixkosten hat. Das würde ich auf jeden Fall empfehlen, auch wenn man keine Förderung beantragt.

Du kommst nicht aus Bayern, hast dich aber dafür entschieden, deine Ausbildung in München zu machen und da auch zu bleiben. Was genau magst du an München?

Corona LantanaMünchen ist ja schon eine sehr große Stadt, trotzdem trifft man ständig die Leute, die man eigentlich aus einer ganz anderen Ecke der Stadt kennt. Dadurch hat München einen Dorfcharakter. Es ist hier auch sehr grün durch den Englischen Garten und die Isar, dieser Mix aus Natur und Stadt gefällt mir. Ich kenne auch einige Leute, die Tradition und Trachten wirklich leben. Ich finde das wahnsinnig spannend und schön, dass man dieses Brauchtum beibehält.

Und was hat es mit dem Namen „Corona Lantana“ auf sich?

Das ist lateinisch: Corona heißt Kranz oder Krone und Lantana ist die botanische Bezeichnung für eine Wandelrose.

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