09/02/2016

Jürgen Bendzinski und Jessica Persson
Burnin' Benze
Scharfe Soßen und Gewürze aus Oberfranken

„Das ist keine Arbeitszeit, das ist Muße und Entspannung“

Mitten im Fichtelgebirge wachsen scharfe Früchte, die sonst in Chile, Kolumbien oder Ecuador zuhause sind. Jürgen Bendzinski und seine Lebensgefährtin Jessica Persson pflegen in ihrem Garten im oberfränkischen Thiersheim 150 Chili-Pflanzen – und machen daraus Soßen, Gewürze und Schnäpse, die sie verkaufen. Wieso es trotzdem nicht ihr Hauptberuf werden soll, erzählt Jürgen im Interview.

Burnin Benze

 

 

icon_interviewPULS: Für viele Menschen, die gerne scharf essen, ist Chili trotzdem gleich Chili. Ein Trugschluss, oder?

Jürgen Bendzinski: Das stimmt. Vor zehn Jahren war ich auch noch der ganz typische Verfechter von scharfem Essen, der am Dönerstand immer noch extra gewürzt hat, um dieses Brennen im Hals zu spüren.  Irgendwann hab ich dann mal von einem befreundeten Gärtner eine Chili-Pflanze geschenkt bekommen und sie in meinem kleinen Gewächshaus herangezüchtet. Da hab ich dann selbst erst festgestellt, dass Schärfe nicht gleich Schärfe ist. Mir geht’s nicht darum, dass es einem die komplette Mundhöhle  verbrennt. Wenn das so ist, wird’s eh meist chemisch hergestellt. Der Geschmack sollte im Vordergrund stehen. Und eine gute Frucht, die gut gepflegt wird, schmeckt einfach anders scharf.

Hat dich diese Erkenntnis dann auch dazu gebracht, mehr Chilis zu züchten?

Genau, mit dieser einen Pflanze vor neun Jahren fing alles an. Ich fand es toll, dass sie so mir nichts, dir nichts zwischen Burnin BenzeGurken und Tomaten herangewachsen ist – und dass sie nicht nur in südlichen Gefilden, sondern mit ein bisschen Know-How auch hier bei uns im Fichtelgebirge gedeiht. Weil ich auch gern koche und mein Essen mit Chili würze, habe ich dann immer mehr Pflanzen angebaut. So richtig mit dem Chili-Virus bin ich dann vor vier, fünf Jahren erfasst worden. Zu dem Zeitpunkt hatte ich schon 20 bis 30 Pflanzen und ein größeres Gewächshaus. Gegen Ende der Saison wusste ich dann gar nicht mehr, wohin mit den ganzen Früchten. Da dachte ich mir, bevor ich jetzt alles zu Pulver verarbeite oder einfriere, probiere ich es einfach mal mit einer Soße. Und die hab ich dann bei Feierlichkeiten bei mir zuhause unter die Leute gebracht.

Wie wurde das Ganze dann professioneller?

Bei meinen Freunden und Bekannten kam die Soße gut an, weil sie den Schärfegrad genau richtig fanden. Und so hab ich die ganze Geschichte dann ein bisschen forciert und zu Geburtstagen und zu Weihnachten immer mal ein paar Fläschchen vom Burnin Benze verschenkt. Ein Freund von mir, der Grafikdesigner ist, hat dann noch ein Logo fürs Etikett entworfen: mit meinem Gesicht im Comic-Stil. Die Nachfrage wurde immer größer –das Gewächshaus und die Pflanzen auch. Weil meine Partnerin das Hobby teilt, war der Weg zu einem kleinen Gewerbe nicht mehr weit. Man will ja schließlich auch nicht am Fiskus vorbeiwirtschaften. Wir haben dann unsere Etiketten rechtlich schützen lassen, uns eine Industrieküche gekauft und im Frühjahr 2015 unser Gewerbe angemeldet.

Steckt neben dir und deiner Frau Jessi noch jemand hinter Burnin‘ Benzes?

Wir sind wirklich ein Zwei-Mann-Betrieb. Kochen, Burnin Benzeabfüllen, etikettieren – all das machen wir in Eigenregie mit unseren vier Händen. Vor einem Jahr kam unser Sohn auf die Welt, seitdem sind wir nicht mehr so flexibel. Da unterstützt uns meine Mama sehr.

Wie vertreibt ihr eure Produkte?

Man kann bei uns zuhause auf ein Chili-Schnäpschen vorbeischauen und die Soßen dort kaufen. Bei der Gelegenheit können die Kunden sich dann gleich noch die Chili-Pflanzen in unserem Garten anschauen und probieren. Außerdem bekommt man die Soßen telefonisch oder über unsere Website. Leider funktioniert der Online-Shop noch nicht, aber wir können die Bestellungen über E-Mail abwickeln. Und dann arbeiten wir noch mit einigen Feinkosthändlern zusammen, die unsere Produkte anbieten.

Ihr pflanzt die Chilis ja im Eigenanbau bei euch zuhause an. Kommt ihr überhaupt noch hinterher mit dem  Pflanzen und Ernten oder wird der Garten langsam zu klein?

Unser Garten ist wirklich riesengroß. Eine unserer Soßen besteht aber zum Beispiel zu 80 Prozent aus Jalapeños – und da wird’s dann schon schwierig, eine größere Menge an Soße draus zu kochen. Für 25 Liter Soße brauche ich bestimmt zehn bis 15 Kilo Jalapeños, das ist ungefähr die Hälfte der Ernte von einem ganzen Jahr! Wenn  jetzt eine größere Bestellung käme, dann hätte ich schon ein kleines Problem und müsste mir wohl Früchte anderer Anbieter zukaufen. Bislang habe ich das aber noch nicht tun müssen, unsere eigene Ernte hat für die Produktion immer gereicht.

Ist Burnin‘ Benzes euer Hobby oder Beruf?

Nein, meine Frau und ich haben beide jeweils noch einen Burnin BenzeHauptberuf. Am Anfang war es wirklich ein reines Hobby, bei dem die Einnahmen komplett dafür draufgingen, unsere Kosten zu decken: Wasser für die 150 Chili-Pflanzen, das neue Gewächshaus und so weiter. Mittlerweile ist daraus ein etwas größeres, zeitintensives Hobby geworden, ungefähr zehn bis 20 Stunden pro Woche. Ich rechne das aber nicht als Arbeitszeit, sondern eher als kleine Muße und Entspannung. Mal sehen, wo die Reise noch hingeht.

Habt ihr denn das Ziel, Burnin‘ Benzes irgendwann ganz professionell zu betreiben?

Es ist schon mal in unseren Köpfen herumgeschwirrt. Aber eigentlich liebe ich meinen Beruf und auch die Sicherheit, die man als Beamter hat. Es ist einfach ein sehr schönes Hobby und ich glaube, es passt alles sehr gut, wie es gerade ist.

Was ist dein Lieblingsgericht mit einer der Soßen?

Viele Leute essen sie im Sommer gerne zu Steaks oder Gegrilltem. Man muss sie aber gar nicht unbedingt pur probieren. Mein Lieblingsgericht mit den Soßen sind Armadillo Eggs, ein Essen aus der Barbecue-Szene. Das sind mit Käse gefüllte Jalapeños, die man mit Hackfleisch und Speck ummantelt und dann auf dem Grill in der indirekten Feuerstelle bei 150 Grad gart. Obendrauf gibt’s dann die süße Jamaican Lady oder die deftige Rocoto from Hell.

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