05/10/2016

Michael Thalhammer
Brandner & Kneißl
Lederhosen im Surfer-Style

„Ich will, dass die eingestaubten Bayern checken, dass eine Lederhose viel zu wertvoll ist, um sie nur zehn Mal im Jahr rauszuholen.“

Die Lederhose als Lebenseinstellung, aber gleichzeitig eine Passion für Tattoos. Passt nicht zusammen? Doch! Michael Thalhammer aus Sauerlach bei München wollte nach vielen Jahren als Berufsmusiker seine zwei Leidenschaften verbinden. Dabei hat er entdeckt, dass man Lederhosen mindestens genauso gut verzieren kann, wie die eigene Haut.

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PULS: Brandner & Kneißl – Das klingt schon mal bayerisch. Welche Rolle spielt Bayern für dein Label?

Michael Thalhammer: Ich bin hier geboren und wohne auch hier, aber natürlich mag ich Bayern auch echt gern. Ich würde mir wünschen, dass die Scheuklappen ein bisschen mehr nach außen gebogen werden und man nicht nur in eine Tunnelrichtung schaut. Man sollte  jeden so sein lassen wie er ist. Ich krieg das ja am eigenen Leib mit: Wenn man tätowiert ist und eine Lederhose anhat, dann muss man sich manchmal erklären, auch wenn man gar keinen Bock drauf hat. Man sieht sich ja nicht als was Besonderes. Ich bin nicht tätowiert weil ich besonders cool bin, sondern weil es mir gefällt.

Ihr macht Lederhosen nur aus Hirschleder, das ihr aus Österreich und aus Bayern bezieht. Wie wichtig ist dir Nachhaltigkeit?

10360342_589208211225140_6540601054620460952_nNachhaltigkeit ist mir sehr wichtig. Da wo ich sie kriegen kann, will ich sie auch haben. Meine T-Shirts, die ich ja neben den Lederhosen auch verkaufe, sind zum Beispiel aus Bio-Baumwolle. Leider hab ich noch keinen passenden T-Shirt-Schneider in Bayern gefunden – aber ich versuch es irgendwie hinzubekommen.

Was möchtest du mit deinen Lederhosen und den T-Shirts erreichen?

Ein weltumfassendes bayerisches Surf-Imperium – das wäre mein Ding! Nein, Quatsch. Ich will, dass Leute und vor allem die eingestaubten Bayern, checken, dass eine Lederhose viel zu schön, cool und wertvoll ist, um sie nur zehn Mal im Jahr rauszuholen: fünf Mal auf die Wiesn, drei Mal zum Gaufest und zwei Mal wenn irgendein Cousin heiratet. Ich will, dass man sie einfach trägt und dass man sie cool trägt. Das muss nicht „trachtig“ sein – kann man machen, ist auch cool – aber man kann es halt auch anders tragen. Ich ersetze eine Boardshort, die man ja sonst am Strand anhat oder wenn man sich irgendwo in Surfgebieten rumtreibt, durch eine Lederhose. Nicht weil man mit ihr zum Surfen gehen kann, sondern weil sie den Style ganz gut auffasst.

Warum das Branding auf den Lederhosen?

Leute kommen zu mir und wollen die verschiedensten 13902654_928446687301289_6642098170237760776_nSachen haben. Sie wollen ihre eigene Lederhose, die wirklich nur für sie ist. Na klar sind die Lederhosen auch ohne Branding Unikate, weil das Leder per Hand mit ausgekochten Hölzern gefärbt wird. Aber so wirklich zu deiner Hose machst du es nur mit einem individuellem Branding. Die Hose ist fast wie eine zweite, tätowierte Haut.

Du wurdest früher immer Wiesn-Michl genannt – Wie wichtig ist dir die Wiesn jetzt?

Gemeine Frage! Sie war mir ultimativ wichtig, meine Freunde haben mich „Wiesn Michi“ genannt, weil ich zehn Jahre lang jeden Tag auf der Wiesn war – da war ich aber auch noch nicht verheiratet. Die Wiesn hat immer noch eine Magie und gehört zu München und Bayern unbedingt dazu, aber meine extreme Wiesnzeit ist vorbei. Als Ladenbesitzer ist bis zur Wiesn und auch währenddessen schon sehr viel zu tun, die ist sozusagen der Zenit, da arbeitet man das ganze Jahr drauf hin. Man muss aber sagen, dass ich keinen Trachten- sondern einen Lifestyle-Laden habe – trotzdem verkaufe ich halt Lederhosen. Wenn du irgendwas „Trachtiges“ im Programm hast, dann ist die Wiesn halt schon das Ziel des Jahres.

Was war das schönste Erlebnis bis jetzt?

11825729_727940540685239_1899801765763263093_nDas ist schwierig, da genau ein Erlebnis rauszunehmen. Es ist echt viel passiert in den letzten eineinhalb Jahren. Das Medieninteresse find ich sensationell, das macht richtig Spaß und was mich natürlich immer glücklich macht, sind die Kunden. Manche hab ich tatsächlich schon aus der Umkleidekabine rausspringen und durch den Laden hüpfen sehen, weil sie sich ihre Lederhose genau SO gewünscht haben. Wenn sich Kunden so über ihre Hose freuen – das ist schon echt geil.

Wie geht es für Brandner & Kneißl weiter?

Ich hab keine Ahnung, aber wenn ich es mir basteln dürfte, dann soll es auf jeden Fall gut weiter gehen. Und ich würde gerne genau so weiter machen, in Sauerlach, genau an diesem Standort. Aber in ein paar Jahren, da eröffnen wir dann eine Filiale irgendwo an einem geilen Surfspot, wo es richtig cool ist mit Strand und Wellen und Palmen. Also dann natürlich nur mit der Filiale weg aus Bayern – ich switch dann hin und her zwischen den Läden. In der schönen Zeit bin ich hier und in der Winterzeit bin ich im Warmen. Ich bin nämlich gar kein Winterfan.

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