13/09/2016

Nikolaj Hviid (42)
Bragi
Kabelloser Mikrocomputer in Form von Kopfhörern

„Ein Startup zu gründen ist wie in ein Boxring zu steigen: Der Gegner darf fünf Mal zuschlagen und du nur ein Mal.“

Joggen gehen ohne Handy und iPod, aber trotzdem Musik hören? Oder wissen, wie der aktuelle Kalorienverbauch ist, nur mit einem Stecker im Ohr? Klingt sehr nach ferner Zukunft, aber genau das hat Nikolaj Hviid in seinem Startup Bragi in München entwickelt. "The Dash" kann aber noch viel mehr.

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icon_interviewPULS: Nikolaj, was kann The Dash eigentlich genau?

Nikolaj Hviid: Ziemlich viel, finde ich. In ihm sind 27 Sensoren verbaut, die während ich laufe, Fahrrad fahre oder schwimme, meinen Puls, Distanz und Herzfrequenz messen können. Ich kann ohne Handy los gehen, weil The Dash einen internen Speicher von 4GB hat – da passt also auch einiges an Musik drauf. Er ist also ein kleiner aber feiner Computer im Ohr, in Form von kabellosen Kopfhörern.

Wie bist du auf die Idee zu The Dash gekommen?

Die grundlegende Idee war, dass ich einen diskreten bragi_dash_black_charger_01Assistenten machen wollte. Er soll mir im Alltag helfen und mich unterhalten. Es sollte ein diskreter Computer werden, und kein Visueller, damit ich nicht darauf schauen muss und mich auf meine Umwelt konzentrieren kann. Wenn ich aber zuhöre, kann ich mich immer noch auf anderes fokussieren. Der Computer muss verstehen, in welcher Situation ich gerade bin und mich unterstützen – deswegen die vielen Sensoren.

Du sagst, The Dash soll die Nutzer zu einem „besseren Ich“ führen. Wie kann man sich das vorstellen?

Das ist auf jeden Fall ein großes Ziel. Ich will Leute fähiger machen, und das ist natürlich eine lange Reise. Wie kann ich, obwohl ich schlecht singe, besser singen lernen? Das Ziel in ferner Zukunft ist, dass Menschen am Ende Jobs ausüben können, wofür sie eigentlich nicht ausgebildet sind. Während er oder sie etwas macht, wird ihm von dem kleinen Knopf im Ohr beigebracht, wie es richtig geht. Wenn das wirklich klappt, habe ich mein Ziel absolut erreicht.

Was war als Gründer eines Startups die größte Hürde für dich? Du hattest ja schon fünf Firmen vor Bragi.

Ich glaube nicht, dass es nur eine Hürde war. Es waren viele, und es ist eine kontinuierliche Herausforderung. Vor allem finanzieller Art, wenn es zum Beispiel darum geht, die richtigen Investoren zu finden, die einen unterstützen und weiterbringen wollen. Aber auch die technischen bragi_dash_swimming_01_lHerausforderungen zu meistern, war nicht ganz einfach. Letztendlich soll es ein Startup sein, das nicht nur Geld ausgibt, sondern ein Unternehmen, das auch selbst Geld verdienen kann. Ich bin auch wirklich stolz, dass das schon mal geschafft ist. Ein solches Unternehmen zu starten war für mich, wie in einen Boxring zu steigen. Der andere darf fünf Mal zuschlagen und du nur einmal. Wenn du immer wieder aufstehen kannst, hast du es geschafft.

Wenn du The Dash Revue passieren lässt, trotz drei Jahre Schläge im Ring: Wie ist deine Bilanz?

Ich bin stolz auf mein Team, wie weit wir gekommen sind und wie viele Möglichkeiten wir in der Zukunft haben. Aber wenn du mich fragen würdest, ob ich es nochmal machen würde, würde ich Nein sagen. Es hat sehr viel Kraft und Energie gekostet. Aber gerade deswegen bin ich sehr stolz darauf, wo wir jetzt stehen.

Glaubst du, dass dir die fünf Anläufe, die du vor Bragi hattest, besonders auf deinem jetzigen Weg geholfen haben?

the-headphone-caseIch hätte meine Idee nicht mal im Ansatz früher umsetzen können. Die verschiedenen Stationen haben mich geprägt. Da waren natürlich auch Fehler dabei, aber die haben mir auch geholfen. Jetzt sehe ich Möglichkeiten, die ich habe, viel besser und kann ein bisschen energischer vorgehen. Das hilft enorm. 200 Leute in drei Jahren einzustellen und sie dazu bringen, gut miteinander zu arbeiten – das ist definitiv eine Schwierigkeit und das hätte ich früher nicht hinbekommen.

Wie geht es weiter für Bragi und The Dash?

The Dash besitzt eine Software, die sich ständig weiterentwickelt und neue Sachen lernt: Vor einer Woche hat es zum Beispiel Deutsch, Spanisch und Chinesisch gelernt. Es hat zwar schon viele Fähigkeiten, ist aber konzeptuell noch ein Baby. Es soll sich also in der Zukunft immer weiterentwickeln und da sind wir natürlich gerade dabei – es gibt noch viel zu lernen. Ich wünsche mir natürlich auch, dass The Dash ein Zuhause bei Freunden bekommt, die es aufnehmen, Spaß damit haben und etwas Neues lernen.

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