28/03/2018

Stefan Rockinger (26) und Niklas Palm (25)
Bierbaum
Kronkorken-Sammler aus Mühldorf

„Ich frag mich: Was macht der Japaner mit meinem Bierbaum? Aber offenbar gibt’s da eine ausgeprägte Bier- und Kronkorkenkultur.“

Für diesen Baum braucht man keinen grünen Daumen: Stefan Rockinger und Niklas Palm haben 2012 den Bierbaum erfunden, einen magnetischen Kronkorken-Sammler. Was als bayerische Idee zweier Studenten begann, hat mittlerweile sogar Käufer in Asien.

icon_interviewPULS: Wie kamt ihr auf die Idee zum Bierbaum?

Stefan Rockinger: Ich wollte mir Magnete für eine Pinnwand bestellen und habe dabei entdeckt, dass es auch Kugelmagnete gibt. Die waren aber so stark, dass man an der Pinnwand nichts damit anfangen konnte. Also habe ich ein bisschen damit rumgespielt, mit Büroklammern zum Beispiel – und eben mit Kronkorken. Irgendwann hatte ich dann einen Kronkorken-Ball zu Hause liegen. Dazu wollte ich einen Ständer bauen. Da wir eine Schreinerei Zuhause haben, hab ich ein bisschen rumgebastelt. Und die Idee zum Bierbaum war geboren.

Bier und Bayern – das gehört ja zusammen. Das heißt, der Bierbaum ist das bayerische Produkt schlechthin.

Ja, der Bierbaum ist eine bayerische Erfindung, die mittlerweile Gott sei Dank auch viele Leute in Ländern und Orten außerhalb Bayerns begeistert und Liebhaber gefunden hat. Im Ruhrgebiet zum Beispiel, weil da einfach unheimlich viele Menschen auf engem Platz leben und sich eine Idee sehr schnell rumspricht. Aber es sind auch ganz klassisch die Studentenstädte. Wir haben auch schon nach Sylt verschickt, auf die Norderney. Und wir haben Anfragen aus Neuseeland oder Japan. Da fragt man sich schon, was der Japaner mit meinem Bierbaum macht. Aber offenbar gibt’s da auch eine ausgeprägte Bier- und Kronkorkenkultur.

Du und dein Mitgründer Niklas habt beide noch studiert, als ihr den Bierbaum erfunden habt. Studium und Unternehmertum, geht das unter einen Hut?

Als Student etwas zu gründen ist die beste Idee, die man haben kann. Schwierig wird’s, wenn man plötzlich aus dem Studium raus ist und sich entscheiden muss: Nimmt man einen normalen Beruf an oder betreibt man seine eigene Idee weiter? Niklas und mir war bewusst, dass wir nicht unser Leben lang Bierbäume verkaufen werden. Darum haben wir uns auch für einen Beruf in einem anderen Unternehmen entschieden.

Glaubst du, du trägst das Gründer-Gen in dir?

Die Idee, es größer zu machen, hatte Niklas. Aber man wächst in das Gründerwesen rein und nimmt jeden Kontakt mit, den man kriegt. Ich glaube, man wird nicht als Gründer geboren, aber man muss Lust haben, unternehmerisch aktiv zu sein und dann wird man nach relativ kurzer Zeit merken, dass sich das im Unternehmenserfolg widerspiegelt.

Welche Eigenschaft sollte man als Gründer mitbringen?

Naja, man muss schon bisschen verrückt sein, um mit einem Bierbaum eine Firma zu gründen. Der Notar, bei dem wir unsere Firma damals eintragen haben lassen, hat sich auch erst an den Kopf gefasst und dachte wir kommen in  zwei Monaten wieder und melden die Firma wieder ab. Aber er hat sogar bei der Unternehmensgründung einen Bierbaum von uns gekauft.

Hast du selbst jemals an eurer Idee gezweifelt?

Ehrlich gesagt nie. Ich glaube, man zweifelt mehr dran, wenn man brutal von der Idee abhängig ist. Wenn man eine Familie zu versorgen hat zum Beispiel. Das war ja bei uns nicht so. Wir konnten auch unser Studium zum großen Teil mitfinanzieren.

Gab es Hindernisse, die ihr überwinden musstet?

Am Anfang war es schon schwierig, das Produkt in den Handel zu bringen. Wir wollten schon immer mit Geschäften zusammenarbeiten. Aber wenn man als kleiner Händler mit nur einem Produkt und zwei Studenten in einen Laden reinmarschiert, wird man nicht so ernst genommen. Das war definitiv eine Hürde. Und das Geschenkartikelgeschäft ballt sich sehr stark vor Weihnachten. Deshalb machen wir einen großen Anteil unseres Jahresumsatzes in den fünf, sechs Wochen vor Weihnachten. Wir sind eigentlich jedes Jahr aufs Neue überfordert mit der Menge, die wir verschicken müssen. Und auch die Werkstätten für Menschen mit Behinderung, mit denen wir zusammenarbeiten, sind ein bisschen überfordert. Dafür entschuldigen wir uns.

Wie sieht eure Zusammenarbeit mit diesen sozialen Werkstätten aus?

Am Anfang habe ich alle Bierbäume selbst gefertigt, aber da ich im Monat 200 bis 300 Bierbäume neben dem Studium gebaut habe, kam uns sehr schnell die Idee, die Fertigung extern zu vergeben. Wenn man aber zu einer Schreinerei geht und sagt, sie sollen Bierbäume bauen, fassen die sich an den Kopf. Da ich damals gerade aus dem Zivildienst kam, wusste ich, was soziale Werkstätten fertigen und was die Menschen dort können. So sind wir an Behindertenwerkstätten herangetreten und haben mit ihnen Prototypen gebaut. Und das hat sehr gut geklappt. So haben wir uns über die Jahre vier Kooperationen mit Werkstätten aufgebaut, die für uns einen Teil der Bierbäume fertigen.

Was hat dir auf eurer Reise bisher am besten gefallen?

Es ist schon beeindruckend, wenn der Großhandel auf einen aufmerksam wird und man nicht mehr über zehn oder 20 Stück spricht, sondern über 10.000 oder 20.000. Und wenn das eigene Produkt auf der Geschenkartikelmesse in Frankfurt im Regal steht. Das zeigt einem, wie groß das geworden ist, was man geschaffen hat. Ich kann sagen, dass ich deutlich mehr Bierbäume unters Volk gebracht habe als ich mir je hätte vorstellen können und, dass es uns immer noch Spaß macht. Ich bin rundum zufrieden damit, wie es gewachsen ist.

Was würdest du jungen Machern raten?

Jede Idee ist per se gut. Es kommt nur drauf an, wie man sie umsetzt. Das zeigt sich beim Bierbaum. Ich meine, das Produkt ist banal. Man muss halt versuchen, es unter das Volk zu bringen, Werbung zu machen und über die eigene Idee sprechen. Wenn Leute von der Idee erfahren, geht sie ihren eigenen Weg.


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