04/10/2015

Christian Boszczyk (36), Dusan Cvetkovic (37)
Beastin
Fashion Label aus München

„Wir haben noch nie irgendjemanden dafür bezahlt, unsere Sachen zu tragen.“

Als sich die Mode im HipHop langsam ändert, ergreifen Chris und Dusan aus München die Chance und bringen 2008 ihr eigenes Fashion Label an den Start. Heute tragen Stars wie Jerome Boateng, Kool Savas oder Usher ihre Klamotten.

Beastin

icon_interviewPULS: Ihr seid ja eines der erfolgreichsten Streetwear Labels aus Deutschland – was ist das besondere an euren Klamotten?

Christian Bosczyk: Wir sind sicherlich nicht das Label, das die meisten Klamotten verkauft! Aber ich glaube, dass wir eine gewisse Grundsympathie und Grundauthentizität haben, weil wir trotz aller medialer Aufmerksamkeit und Celebrities, die unsere Klamotten tragen, irgendwie auf dem Boden geblieben sind. Und ich glaube, dass wir über die Jahre mit dem Label authentisch erwachsen geworden sind und nie versucht haben, trendforciert zu arbeiten und unseren Look um 180 Grad zu wenden. Bei den Klamotten haben wir immer sehr darauf geachtet, einen hohen Qualitätsstandard einzuhalten. Wir haben von Anfang an eigene Schnitte und Stoffe gehabt und nicht einfach Stock T-Shirts gekauft und die dann bedruckt, so wie es viele andere machen. Dieser Qualitätsanspruch hat sich seit 2008 auch nicht geändert, wenn, dann ist er noch höher geworden.

Wie seid ihr überhaupt drauf gekommen, ein Fashion Label zu gründen?
Duki ist gelernter Grafik-Designer, ich bin ein spießiger Betriebswirt und hab davor schon in der Textilbranche gearbeitet. Wir sind beide seit unserer Kindheit der HipHop-SubkultuBeastin_Garfield_LB_0196r verfallen und Mode hat in diesem Segment ja schon immer eine riesige Rolle gespielt. Irgendwann haben Künstler angefangen, statt der großen Marken kleinere, authentische Street Labels aus New York und L.A. zu tragen. Gleichzeitig hat sich die HipHop-Mode weg vom baggy XXL-Look hin zum eher figurbetonten Skate-Look bewegt. Das war für uns ein idealer Startzeitpunkt, weil wir uns in dem Moment auch ganz gut mit der Bewegung identifizieren konnten und die Chance hatten, einen Look zu kreieren, hinter dem wir auch stehen können. Also haben wir es einfach mal versucht.  Außerdem hat sich 2008 viel um Berlin gedreht, dass es uns auch ein bisschen ein Anliegen war, mal für unsere Stadt die Fahne zu erheben.

Was waren so die großen Probleme am Anfang?

Wir haben uns anfangs sehr schwer getan mit der Bürokratie. Unsere Buchhaltung war eine komplette Katastrophe, weil wir nicht eingesehen haben, dass so was wie Firmengründung und Konto anlegen überhaupt sein muss. Wir haben teilweise noch handgeschriebene Rechnungen aus dem Hinterzimmer des Kosmetikstudios meiner Mutter verschickt, weil die da ein Zimmer frei hatte, das wir als Lager benutzen konnten. Wir hatten Glück, dass wir beide schon Kontakte zu Lieferanten hatten und uns im Textilbereich einigermaßen auskannten. Wir haben ja damals nur mit T-Shirts angefangen, deswegen war das nicht so kompliziert.

Kannst du dich noch an dein erstes T-Shirt erinnern?

Sogar sehr gut, das war das „Pete Rock & CL Smooth Tee“. Beastin_Garfield_LB_0738Das haben wir über einen Agenten produzieren lassen, der am Arsch der Welt in Österreich saß. Da sind wir dann durch irgendwelche Waldwege hingefahren und haben uns gedacht: Es ist so absurd, dass wir jetzt hier so ein Coolio-Label aufziehen wollen. Bei all dem Erfolg, den wir danach hatten, kann ich mich an keinen Moment erinnern, an dem wir uns so absurd gefreut haben, wie damals, als wir die T-Shirts an einer Autobahnraststätte zum ersten Mal in der Hand hatten.

Wie ging’s dann weiter?

Wir haben dann ganz klassisch angefangen, die Shirts aus dem Kofferraum zu verkaufen, das meiste an Familie und Freunde. Über einen glücklichen Zufall konnten wir dann so eine Mini-Boutique eröffnen, ein kleiner Laden am Stachus, der höchstens 5qm groß war. Der hatte nur samstags auf und wir beiden Fettsäcke saßen drin und haben versucht, mit einer kleinen Standheizung T-Shirts zu verkaufen. Das hat aber erstaunlich gut funktioniert – und hat uns definitiv den Antrieb gegeben, weiter zu machen.

Über die Jahre haben dann sehr bekannte Leute eure Klamotten getragen, von HipHop-Größen wie Jazzy Jeff über die Bayern-Spieler bis hin zu NBA-Profis wie NBA-Champion Andre Igudala. Wie kommt ihr an die ran?

Was internationale Testimonials angeht, sind wir, glaube ich, so was wie Vorreiter auf dem deutschen Markt. Da ist schon Beastin_Garfield_LB_2338viel Hustle dabei, sprich: Wir haben schon sehr viele Pakete mit kostenlosen Sachen verschickt. Aber es ist auch viel Glück dabei, weil sehr viel dann auch tatsächlich getragen wird. Über unsere Partys, die wir auch veranstalten, haben wir uns über die Jahre deutschlandweit ein Netzwerk an DJs und Promotern aufgebaut. Die geben uns immer Bescheid, wenn z.B. A$AP Rocky irgendwo auftritt. Dann können wir ihm was schicken. Der zieht natürlich nur an, was ihm auch wirklich gefällt, aber glücklicherweise ist unsere Erfolgsrate sehr hoch. Wir haben noch nie irgendjemanden dafür bezahlt, unsere Sachen zu tragen. Das werden wir auch nie machen.

Eure Klamotten gibt es nur in wenig anderen Stores in Deutschland, und gar nicht in großen Online-Shops. Warum nicht?

Das ist die Philosophie von Beastin. Wir hatten eine Zeit, in der wir von Weltmarktführern angesprochen wurden, ob wir unsere Sachen nicht in sehr großer Stückzahl verkaufen wollen. Aber das haben wir abgelehnt und damit auch die große Kohle, weil wir die Marke nicht verheizen wollen. Wir bieten sie lieber in Stores an, wo die Besitzer und auch die Kunden verstehen, für was wir stehen.

Wieviel von eurer Heimat München steckt in Beastin?

Ich bin gebürtiger Münchner, also schon mal 50 Prozent – der Beastin_Garfield_LB_1868Duki ist ja in Reutlingen geboren. Nein, wir haben unseren Laden ja auch hier in München aufgemacht und nicht in Berlin, obwohl das verkaufsmäßig sicherlich einfacher wäre. Wir machen unsere Partys hier, wir representen München wo es geht – obwohl wir es nur sehr selten auf die Klamotten schreiben, das finden wir ein bisschen cheesy. Ich halte es da, wie mit Lederhosen auf der Wiesn: Wenn du München im Herzen hast und in München daheim bist, musst du dich nicht einmal im Jahr als Traditionsbayer verkleiden. Wir verheimlichen nicht, wo wir herkommen, sondern sind sehr stolz darauf. Das müssen wir aber nicht auf jedes Produkt drauf schreiben.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.