13/11/2018

Peter Schels (28), Johannes Sänger (27), Andre Lang (28), Sebastian Kolbinger (28)
Bavarian Caps
Trachtencaps aus Niederbayern

“Natürlich gibt es immer auch ein paar Leute, die sagen: Des hat nichts mit Tracht zu tun.”

Irgendwie könnte man Tracht doch noch ein wenig moderner machen – das dachten sich vier Regensburger Studenten im Bierzelt. Kurz darauf hielten sie das erste Trachten-Cap aus Filz und mit Edelweiß-Aufnäher in der Hand. Daraus ist die Marke Bavarian Caps entstanden, die sich auch außerhalb Bayerns verkauft. Mittlerweile haben sie auch eine Bier-Cap-Kollektion.

icon_interviewPULS: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Caps für die Tracht zu entwerfen?

Peter Schels: Das Ganze ist 2014 auf dem Oktoberfest entstanden, wo ich zusammen mit meinen Kumpels war, die jetzt auch Mitbegründer sind. Da ich außer im Job und in der Tracht eigentlich immer Caps trage, wurde ich halt darauf angesprochen, dass es total merkwürdig ist, mich ohne Cap zu sehen. Zwei Maß später sind wir dann auf die Idee gekommen, das Ganze zu kombinieren und eine Alternative für Leute zu schaffen, die gerne Kopfbedeckung tragen, aber mit dem Trachtenhut nicht so viel anfangen können. Eine Mischung aus Tracht und Streetwear, ein Trachtencap quasi. Daraus wurde dann relativ schnell Ernst.

Was waren die ersten Schritte?

IMG_0212Wir wollten das Cap erstmal nur für uns machen. Also haben wir uns überlegt, was wir da drauf tun könnten und sind am selben Abend noch auf das Edelweiß gekommen. Dann haben wir uns im Internet nach verschiedenen Stoffen umgeschaut, und uns einfach mal vier Stück bestellt. Als wir die dann kurz vor Weihnachten das erste Mal getragen haben, wollten viele unserer Freunde auch gleich eins haben. So kam das Ganze ins Rollen.

Wie war’s damit das erste Mal im Bierzelt?

Natürlich gibt es immer auch ein paar Leute, die sagen: „Kappl tragen nur Dappl. Des hat nichts mit Tracht zu tun.“ Aber mei, es muss ja nicht jedem gefallen. Die positive Resonanz hat aber überwogen.

Eure Caps sind ja teils aus Filz – wo lasst ihr die machen?IMG_9462

Die Caps produzieren wir in China, weil in Deutschland keiner unsere Materialvielfalt nach unseren Qualitätsansprüchen hinbekommt. Wir haben die chinesische Firma mehrmals besucht und uns einen Eindruck von den Produktionsbedingungen gemacht. Unsere Wintermode lassen wir in der Oberpfalz stricken. Der Rest läuft über deutsche Partner.

Was waren die größten Hürden für euch als Unternehmer?

Die erste Hürde war, einen Abnehmer zu finden. Wir haben am Anfang versucht, gleich an Einzelhändler heranzutreten, also an Trachtenläden. Da haben wir zu 100% nur Absagen erhalten. Die Caps waren denen einfach zu modern. Also sind wir zu Skateshops und anderen Cap-Läden gegangen, aber denen war das zu sehr Tracht. Das war schon ein harter Dämpfer. Aber dann haben wir beschlossen, alles selbst zu machen und sind mit unserem Shop online gegangen. Der ist dann sehr gut angelaufen und auf einmal hat sich das Blatt gewendet: Jetzt kommen die Trachtenläden langsam auf uns zu und wollen mit uns zusammenarbeiten.

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Lebt ihr davon?

2015 waren wir davon noch weit entfernt.  Da war es so, dass wir uns selbst nichts auszahlen und alles in neue Caps gesteckt haben. Jeder hatte seinen Beruf und hat nur in seiner Freizeit an Bavarian Caps gearbeitet. Mittlerweile sind wir eine GmbH und zwei von uns vieren arbeiten in Vollzeit für die Firma.

Seht ihr euch grundsätzlich eher als Cap-Designer oder soll da schon immer das Bayerische mit reinspielen?

Unser Hauptaugenmerk liegt schon auf Trachtencaps. Wir wollen die Mischung aus Bayern, Tradition und Streetwear gerne beibehalten.

2018 habt ihr eine Kollektion mit Bier-Caps herausgebracht. Wieso?

Damit wollen wir der bayerischen Biervielfalt huldigen. Denn es gibt über 600 aktive Brauereien in Bayern. Mein Eindruck ist: je lokaler das Bier, desto mehr Hardcore Fans gibt es. Das allererste Cap war für Schönramer. Da haben welche vor der Brauerei gewartet, um ihr Cap abzuholen. Die Leute sind stolz auf ihr lokales Bier. Für viele ist unser Cap eine Möglichkeit zu zeigen, hey, ich komm da her, das ist mein Ding.

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