04/10/2015

Florian Holy (36), Michael Kosok (25), Timo Fischer (25)
BAM Original
Fahrräder aus Bambus

„Unser erstes Rad haben wir beim Flo im Keller gebaut und wir sind grandios gescheitert“

Die drei Studenten Flo, Michael und Timo bauen seit 2014 Fahrräder aus Bambus. In Wochenendworkshops können sich Interessierte ihren eigenen Fahrradrahmen zusammenbauen. Das Wissen rund ums Fahrrad-Bauen haben sie sich selbst angeeignet. Über 60 BAM-Räder haben die Jungs schon hergestellt – mit Schülern, Studenten und auch Geschäftsleuten.


Michael Kosok_Timo Fischer_Florian Holy

icon_interviewPULS: Ihr macht Fahrradrahmen aus Bambus. Warum?

Timo Fischer: Die Idee ist eigentlich während eines Startup-Wettbewerbs an den Münchner Hochschulen entstanden. Der Flo hat so ein Bambusrad in Berlin mal ausprobiert und war sehr begeistert. Im Prinzip gibt es Bambusräder aber schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. Bambus ist im Vergleich zu Stahl oder Metall leicht zu verarbeiten und trotzdem bekommt man ein wirklich stabiles Produkt. Außerdem finde ich es gut, ein Rad zu haben, das mir passt wie ein Maßanzug. Man achtet auch mehr drauf, weil man es selbst zusammen gebaut hat. Das macht einfach Spaß.

Wie war das Gefühl, als ihr das erste Rad aus Bambus fertig gebaut hattet?

BAM Workshop BambusUnser erstes Rad haben wir beim Flo im Keller gebaut und natürlich sind wir anfangs auch grandios gescheitert – wie es halt so ist, wenn man etwas zum ersten Mal ausprobiert. Das Gefühl beim ersten fahrtüchtigen Bambusrad war schon sehr abgefahren. Das haben wir damals auf den letzten Drücker fertiggestellt. Flo hat eine extra Nachtschicht eingelegt. Ich weiß noch, dass er damit dann zur Abschlusspräsentation des Wettbewerbs gefahren ist und ihm ständig die Kette runtergesprungen ist, weil er es so schnell zusammengebaut hatte und keine Kettenspanner da waren. Und ich dachte jedes Mal: „Oje, jetzt ist ihm der Rahmen gebrochen“ – war aber nicht so. Das Rad existiert und fährt bis heute.

Bei BAM kann man im Workshop seinen eigenen Fahrradrahmen aus Bambus bauen. Was passiert da?

Der Workshop geht ein Wochenende. Schon vorher werdenBAM Workshop Carbon1 die ersten Vorstellungen besprochen, damit wir dann die technischen Zeichnungen für die individuellen Rahmen fertig machen können. Die Rahmen werden in Kleingruppen von vier bis sechs Leuten gebaut: Am ersten Tag steht das Grobmotorische an – also viel Sägen und Schleifen. Und am nächsten Tag dann das Feinmotorische. Dann werden die Verbindungsstellen für die Stabilität und Steifigkeit mit Carbon umwickelt. Nach dem Wochenende stellen die Teilnehmer ihr Rad fertig: Manche nehmen die Teile ihres alten Rennrads, andere kaufen die Anbauteile und lassen sich ein fertiges Rad draus machen.

Kann so ein Bambusfahrrad mit einem normalen Rad überhaupt mithalten?

Ja, nicht nur Mithalten! Das Gewicht der Rahmen entspricht in etwa dem von leichten Aluminiumrahmen, während die Steifigkeit wesentlich höher ist als bei Stahlrahmen. Wir FB max1betreuen gerade eine Bachelor-Arbeit eines TU-Studenten, der prüft unsere Fahrradrahmen nach der Rennradnorm – und da haben wir bisher alles mit Bravour bestanden. Bei der Haltbarkeit kommt es wie bei jedem Fahrrad auch darauf an, wie man es behandelt. Durch einen Bootslack als Schutzschicht werden die gebauten Rahmen wetterfest versiegelt. Das Bambusmaterial hat außerdem dämpfende Eigenschaften.

Wie läuft es weiter bei euch?

Wir bleiben definitiv dran. Es freut uns sehr, dass unsere Idee ein so großes Interesse geweckt hat und wir sind dabei, unser Angebot Schritt für Schritt auszubauen und unsere Workshops auch in anderen Städten anzubieten. Unser Einzugsgebiet ist nämlich mittlerweile schon sehr groß. Es ist uns sehr wichtig, dass der Workshop Spaß macht und nicht in Stress ausartet – denn das ganze ist aus Leidenschaft entstanden und das möchten wir auch beibehalten.

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