04/10/2015

Karim Morsy (31), Federico Tessmann (32), Christoph Teschner (32)
Algoriddim
Apps und Software für DJs

„Als Steve Jobs plötzlich unsere App gezeigt hat, war das ein unglaublicher Moment“

Musik und Informatik – das waren die zwei Studienfächer von algoriddim-Gründer Karim Morsy. Aus seinen beiden Leidenschaften ist in Zusammenarbeit mit Kommilitonen die djay-App entstanden - eine der erfolgreichsten Apps aller Zeiten. Was nur wenige wissen: Algoriddim sitzt nicht im Silicon Valley, sondern in München.

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icon_interviewPULS: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, eine DJ-App zu entwickeln?

Karim Morsy: Bei mir hat die Faszination für Plattenspieler so in den späten 90ern angefangen, als ich mit 14 in einem Plattenladen für DJs zum ersten Mal einen gesehen habe. Es hat mich total fasziniert, dass man die Musik anfassen kann. Und das Scratchen erst. Das war quasi Liebe auf den ersten Blick. Ich habe Klavier gespielt seit ich vier Jahre alt bin. Ich hatte also schon immer eine Affinität zur Musik. Bei Klavierkonzerten hat mich immer gestört, dass das Publikum so passiv ist. Beim DJing geht man mit dem Publikum eine Art Interaktion ein, beobachtet die Menschen und passt die Musikauswahl entsprechend an. So bin ich selber DJ geworden. Später habe ich Informatik an der TU und Musik an der Musikhochschule München studiert und im Informatikstudium zwei sehr schlaue Kommilitonen kennengelernt. Die waren zwar musikbegeistert, haben aber kein Instrument gespielt. Aber sie waren sofort von der Idee begeistert, ein DJ-Produkt zu machen, das zum einen massentauglich ist, zum anderen aber auch für Profis im Club nutzbar.

Als ihr mit eurer „djay“-Software 2006 auf den Markt gegangen seid, waren die Programme für DJs aber schon nichts Neues mehr.

Algoriddim_djay iPad Photo 1Früher habe ich immer traditionell mit Vinyl und Plattenspielern aufgelegt. Um 2000 rum kam dann die digitale Wende und damit die ganzen Programme, die ich alle wahnsinnig komplex fand. Gerade in der Live-Situation braucht man aber Software, die sehr intuitiv ist – egal ob Anfänger oder Profi. Und so ist die Idee entstanden, ein Produkt zu entwickeln, das zum einen für Konsumenten und Anfänger aller Altersgruppen zugänglich ist, aber auch für DJs wie mich als intuitive und robuste Software im Club taugt, die qualitativ den höchsten Ansprüchen genügt.

Später habt ihr euer Programm für mobile Geräte, wie Smartphones und Tablets, weiterentwickelt. Als App wurde „djay“ dann ziemlich schnell die erfolgreichste DJ-App überhaupt. Was habt ihr besser gemacht als die anderen?

Der fundamentale Fehler, den andere DJ-Programme anfangs gemacht haben, war, dass die Leute erstmal ihre ganzen Songs neu verwalten mussten und somit eine Art Doppelleben mit iTunes und ihrer Musikbibliothek führen mussten. Außerdem waren die meisten anderen Apps nicht für Anfänger konzipiert. Wir haben alles so einfach gestaltet wie möglich. Man startet das Programm und kann sofort alle seine Playlisten abspielen. Ein anderer Punkt ist das Software-Design. Wir haben den Anspruch, das Beste aus der analogen Welt mit Konzepten aus der digitalen Welt zu vereinen und ein Produkt zu machen, das die unterschiedlichsten Nutzer gebrauchen können. Ich sehe das immer wie ein Klavier, wo sich ein FünfJähriger genauso hinsetzen kann wie ein Konzert-Pianist.

© AlgoriddimMittlerweile kann man sogar mit der Apple Watch auflegen. Kann der DJ dann von der Tanzfläche aus den nächsten Song spielen? 

Ja, genau. Der DJ steht ja teilweise stundenlang am Pult. Er muss ja auch mal aufs Klo, das ist beim klassischen Setup nicht mit bedacht. Mit der Apple Watch kann er sein Set mit aufs Klo nehmen und sieht, er hat jetzt noch 50 Sekunden, bis der Song zu Ende ist.

Kriegst du Hate von Vinyl-Verfechtern ab?

Ich bin selbst ganz großer Vinyl-Verfechter. Wir kriegen nicht wirklich Hate ab, weil unsere Idee ist, das Beste aus der analogen und virtuellen Welten zu kombinieren. Die virtuelle Welt hat wahnsinnig viele Vorteile.  Allein die Partnerschaft mit Spotify. Da stehen einem plötzlich über 20 Millionen Songs zur Verfügung. Das ist so, wie wenn ich Koch bin und auf unbegrenzte Zutaten zurückgreifen kann. Man kann aber gleichzeitig noch klassische Hardware anschließen. Deswegen ist die Software so populär, weil sie den Zauber der analogen Welt mit den Vorteilen der digitalen vereint.

Was waren denn die größten Hürden bei der Entwicklung der App?

Als wir 2006 angefangen haben, waren wir noch Studenten vjay Product Shot 5mit einem Traum, die aber keine Ahnung von Vertrieb oder Software-Lizenzverträgen hatten. Das Technische war unser Spezialgebiet, da hatten wir alles in einem halben Jahr produziert. Aber dann mussten wir uns um Fragen wie Kommerzialisierung, Rechte, Unternehmensform usw. kümmern: Wie vermarkte ich meine App, wie bringe ich Menschen dazu, auf meine Seite zu kommen und mir ihre Kreditkartennummer anzuvertrauen? Später, als wir dann in den App-Store gekommen sind, war es dann mehr die technologische Herausforderung. Die DJ-Software ist ziemlich ressourcenintensiv, man braucht also einen schnellen Prozessor. Wir hatten zwar schon die Technologie für einen Desktop-Computer entwickelt, jetzt ging es darum, wie wir diese Technologie auf das iPhone portieren können.

Nach der ersten und zweiten djay-App habt ihr noch die vjay-App gelaunched und jetzt auch noch djay Pro. Geht das ewig weiter oder hat das ganze Thema irgendwann ein natürliches Ende?

Ein Ende ist keineswegs in Sicht. Wir machen das jetzt seit zehn Jahren und technologische Produkte entwickeln sich immens schnell weiter. Ich hätte auch vor drei Jahren nicht gedacht, dass wir irgendwann mal mit einer Armbanduhr auflegen werden. Insofern haben wir durch diesen rasanten Fortschritt, den Apple und Google an den Tag legen, ständig neue Möglichkeiten, das Ganze nochmal auf ein nächstes Level zu bringen. Als 2000 die ersten digitalen DJ-Systeme herauskamen, hätte man auch nie gedacht, dass man irgendwann mit einer App wie djay in Kombination mit Spotify auf 20 Millionen Songs zugreifen – und sogar zum Auflegen benutzen kann.

Gibt es Momente, auf die du besonders stolz bist?

djay iPad + Chrome 1Es ist so viel passiert, da fällt es fast schon schwer, sich auf die größten Momente zu konzentrieren. Aber natürlich als Steve Jobs bei der Präsentation des iPad 2 auf der Bühne plötzlich unsere App gezeigt hat, war das ein unglaublicher Moment. Das ist dann schon der Ritterschlag für uns als Entwickler. Und am nächsten Morgen waren wir auf Platz eins der App-Charts, noch vor Angry Birds. Außerdem haben wir uns im Dezember 2014 als einer der 25 Top-Apps zusammen mit Apple und der Organisation RED für die Bekämpfung von AIDS eingesetzt und einen beachtlichen Betrag gespendet. Und natürlich immer, wenn man im Flugzeug oder im Bus jemanden neben sich sitzen hat, der plötzlich anfängt, mit seiner „djay“-App zu mixen. Oder wenn jemand in einer Bar in San Francisco die App benutzt, um die Leute zu unterhalten. Das ist schon cool. Ich habe die App auch in Clubs in München schon oft gesehen. Die DJs sind dann immer ganz überrascht, dass wir ein Münchner Unternehmen sind.

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