17/04/2018

Maximilian Lössl, Philipp Wagner
Agrilution
Indoor-Beete aus München

„Viele haben den Bezug zu ihren Nahrungsmitteln verloren.“

Selbst Salat oder Gemüse anbauen, das scheitert für die meisten am wenigen Platz in der Stadtwohnung. Die Lösung heißt: Vertical Farming. In der USA ist das schon der Renner: Riesige Hallen, in den denen in Regalen Salate wachsen – mitten in der Stadt, direkt beim Verbraucher. Bei uns kommt diese Verfahren auch langsam in die Puschen, wenn auch eine Spur kleiner: Ein Münchner Start-up entwickelt eine Art Indoor-Beet für die Wohnung.

icon_interviewPULS: Wie kommt man denn auf die Idee, eine Art Indoor-Beet für die Salataufzucht in der Stadt zu entwickeln? 

Begonnen hat es für mich mit dem Buch „The vertical farm“, das ich vor ungefähr sechs Jahren auf einer Reise in Neuseeland gelesen habe. Mich hat das Thema wahnsinnig interessiert: Technologie mit Landwirtschaft in Verbindung zu setzen, um Landwirtschaft  nachhaltiger zu gestalten und um die Städte der Zukunft zu ernähren. Ich bin dann nach Holland gezogen um „International Food and Agribusiness“ zu studieren. Während des Studiums hatte ich die Möglichkeit, mich intensiv mit vertical farming zu beschäftigen und so kam es zur Idee von „Agrilution“ und  dem „Plant Cube“, der als intelligentes Küchengerät in Privathaushalten den grünen Daumen ersetzen soll. Unsere Kunden entscheiden selbst, was sie anbauen und essen. Viele Menschen haben einfach den Bezug zu ihren Nahrungsmitteln verloren.

Die Ideen von vertical farming und dem Plant Cube klingen ja schon ein bisschen nach Öko und Weltverbesserung…

Ich war immer schon ein bisschen auf dem Wetterbesserungstrip und habe mit diesem Gerät natürlich ein cooles Tool gefunden, um wirklich etwas zu bewegen in der Welt. Die meisten Leute denken jetzt wahrscheinlich: Was bringt der Welt ein Lifestyle-Gadget, um sich Salat oder Gemüse anzubauen? Aber es bewegt über die Masse mit Sicherheit sehr viel, weil es ein Umdenken in der Gesellschaft anregt. Mir ist es wichtig, dass die Menschen sich wieder mehr Gedanken darüber machen: Wo kommen meine Lebensmittel her und was esse ich da eigentlich jeden Tag?

Warum seid ihr denn in München geblieben und nicht zum Beispiel nach Berlin gegangen?

Ich und mein Freund und Mitgründer Philipp sind hier geboren und aufgewachsen. Wir wollten das hier machen, weil Süddeutschland beziehungsweise Bayern einfach eine viel bessere Base für Hardware Start-ups ist als Berlin. In Berlin wird mehr im Software-Bereich gemacht, aber wenn es wirklich darum geht physische Sachen zu entwickeln, ist das Ökosystem in München tausendmal besser.

Euer Plant Cube funktioniert ziemlich einfach: Saatmatten auswählen, rein in den Cube, Tür zu, fertig. Der Cube stellt sich individuell auf die verschiedenen Bedingungen ein, die Pflanzen brauchen. Dazu noch eine App, die einem sogar anzeigt, wann man ernten kann. Das klingt aber nach sehr viel Arbeit für euch?

Klar, ist das viel Arbeit und es hat lange gedauert, diese Kombination aus Hardware, Software und Biologie so in Einklang zu bringen, dass die Pflanzen optimal und schnell wachsen und dazu auch noch gut aussehen. Man kann mit verschiedenen Umweltbedingungen den Nährstoffgehalt der Pflanzen steigern und wir mussten natürlich auch darauf achten, dass die Pflanzen so schmecken, wie es der Kunde gewohnt ist. Aber auch die Suche nach einer Finanzierung und den passenden Mitarbeitern hat viel Zeit gebraucht. Rückblickend sind das Sachen, die man hätte vermeiden können. Aber wir haben uns immer so viel Zeit gelassen und so viel Herzblut reingesteckt, dass es am Ende geklappt hat.

Was war die größte Hürde in eurem Entwicklungsprozess?

Für uns ist es eine große Herausforderung, eine neue Kategorie im Markt zu etablieren, diese Kategorie und die Möglichkeiten mit dem Gerät zu erklären und gleichzeitig das Gerät zu verkaufen. Die Menschen wissen gar nicht, dass es diese Möglichkeiten und diese Kategorie heutzutage gibt, das müssen wir ihnen beibringen.

Ihr habt während des Studiums angefangen. War es schwierig parallel zum Studium Dinge zu entwickeln ?

Ich muss ehrlich sein, wir haben relativ früh gegründet. Ich war damals gerade im zweiten Semester an der Uni und ich habe das Studium dann auch wegen der Firma abgebrochen. Aber erst als es absehbar war, dass ich es später in Vollzeit machen und damit Geld verdienen kann. Mein Mitgründer Philipp hat es sogar geschafft, neben der Arbeit sein Studium abzuschließen. Für mich war das nicht möglich, weil ich in Holland hätte bleiben müssen, aber unser Unternehmen in München war.

Wie geht es jetzt weiter mit dem Plant Cube?

Wir haben vor kurzem angefangen Reservierungen für die Geräte anzunehmen und werden die ersten ab Weihnachten 2018 ausliefern. Wir fokussieren uns in den nächsten zwei Jahren erstmal sehr stark auf den deutschen Markt, aber bereiten im Hintergrund alles für den internationalen Markt vor. Das Ziel ist es mit unserem Plant Cube Weltmarktführer in einer komplett neuen Gerätekategorie zu werden. Weil wir unser Produkt bisher nur in kleinen Stückzahlen aus hochqualitativen Materialien fertigen und viel Handarbeit dahinter steckt, verkaufen wir es bisher für knapp 3.000 Euro. Aber es ist absehbar, dass es mit der Zeit durch höhere Stückzahlen günstiger wird. Wünschenswert wäre ein Preis unter 1.300 Euro.


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