16/11/2017

Caroline Steingruber & Tim Nichols
3Bears
Britisch-inspirierter Porridge aus München

„Wir sagen nicht, das ist jetzt ein neues Trend-Food. Dass man Milch mit Haferflocken zubereitet, gibt’s schon seit Jahrtausenden.“

Haferschleim? Bäh? Von wegen. Allein der Begriff Porridge macht das britische Frühstück schon um einiges leckerer. In England ist Caroline Steingruber auch auf den Geschmack gekommen, ihr Freund Tim Nichols ist Brite und quasi damit aufgewachsen. Mittlerweile sind die beiden Haferbrei-Hersteller und haben in München das Unternehmen 3Bears gegründet.

PULS: Porridge ist ja im Grunde der klassische Haferschleim. Warum verkauft ihr jetzt ausgerechnet den?

Caroline Steingruber: Das ist so ein bisschen das Vorurteil und darunter ist Porridge ja auch in Deutschland bekannt: Haferschleim. Irgendwie Haferflocken mit viel zu viel Milch und so eine wässrige Grütze. Und wir wollen eben zeigen, dass das lecker sein kann. In England haben wir uns ein bisschen in die Haferflocke und in Porridge verliebt. Hafer hat so viele Nährstoffe und ist so gut bekömmlich für den Körper. Tim ist ja Engländer, er ist mit Porridge groß geworden. Als ich dann in England gelebt und gearbeitet habe, hab‘ ich den Porridge-Hype mitbekommen. Und dann haben wir damit angefangen, eigene Rezepte und Mischungen zu kreieren.

Du hast es selbst angesprochen: Es gibt gerade so einen kleinen Hype – erst in England, jetzt auch in Deutschland. In Köln und Berlin haben Porridge-Läden aufgemacht. Was macht dann euer Porridge so besonders?

Also, was uns ganz wichtig ist: Wir sagen nicht, das ist ein neues Trend-Food und wir machen Porridge, weil das jetzt modern oder cool ist. Dass man Milch mit Haferflocken zubereitet, das gibt’s schon seit Jahrtausenden. Und genauso sehen wir 3Bears nicht als Trend-Food, das jetzt ein halbes Jahr da ist und dann wieder weg. Wir wollen langfristig und nachhaltig den Frühstücksmarkt revolutionieren. Mit Produkten rund um die Haferflocke, die lecker und gesund sind.

Wie wollt ihr das erreichen?

Also, jetzt erstmal gibt es unsere vier Sorten Porridge. Wir süßen nur mit dem natürlichen Fruchtzucker aus den ungeschwefelten Früchten. Da kriegst du ein Aroma, das du mit Zusatzstoffen nicht nachempfinden kannst. Unsere Haferflocken werden schonend hergestellt in einer deutschen Traditionsmühle im Schwarzwald. Wir produzieren am Bodensee. Das ist also wirkliches Handwerk, was dahinter steht. Dann haben wir noch viele andere Ideen. Viele Leute sagen, sie wollen nicht am Tisch zu Hause frühstücken, sondern on the go. Da entwickeln wir gerade spannende Produkte. Es soll sich eben immer um die Haferflocke drehen, weil wir die Haferflocke einfach toll finden. 

Was habt ihr beide gemacht, bevor ihr 3Bears gegründet habt?

Ich habe Internationale BWL studiert und Tim im Praktikum kennengelernt. Nach dem Studium bin ich dann nach England und hab‘ dort in der Marktforschung gearbeitet. Was super spannend war, weil ich verschiedene Trends und verschiedenste Kunden mitbekommen habe – von Joghurtherstellern bis zu Cerealienherstellern. Danach hab ich noch in einer Markenagentur gearbeitet und so ein bisschen gelernt, wie man eine Marke aufbaut und positioniert. Tim kommt eher aus dem Bereich Qualitätssicherung. Wir sagen immer: Er ist der Perfektionist und baut gute Prozesse rund um alles, was ich irgendwie schusselig anstoße. Das ist eine ganz gute Kombination bei uns.

Also habt ihr beide schon Ahnung, wie man ein Produkt groß macht?

Ja, so ein bisschen halt. Ich meine, ganz ehrlich: Vorbereitung und Talent spielen mit rein, aber auch ein bisschen Glück. Und Durchhaltevermögen. Es ist schon sehr cool, weil wir uns so gut ergänzen. Wir kochen beide sehr sehr gerne, aber die Rezepte hab‘ zum Beispiel hauptsächlich ich entwickelt. Die wirkliche Rezeptentwicklung liegt mir sehr Herzen und das mach‘ ich auch noch zu Hause in der Küche. Dann erst fahre ich zu unserer Produktion und sag: So – und jetzt machen wir das im großen Stil.

Und wie seid ihr auf München als Standort gekommen?

Um ganz ehrlich zu sein. Es war nicht so, dass wir gesagt haben: Jetzt suchen wir den besten Standort für 3Bears. Aber ich komme aus der Nähe von Nürnberg, habe in Passau studiert und wollte dann wieder in den Süden zurück nach fünf Jahren London. Da war München für uns aus familiärer, persönlicher Sicht wirklich gut. Und das klappt jetzt auch super, weil unsere Logistik in Augsburg ist, unsere Produktion am Bodensee und unsere Mühle auch in Süddeutschland.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die ihr bisher hattet? Was war da für euch am härtesten?

Zum einen der Teamaufbau. Wirklich tolle Leute zu finden, ist gar nicht so einfach – vor allem, wenn man unbekannt ist. Wenn man mal so an sich selbst denkt: Wenn eine Firma, die mir gar nichts sagt, Stellen ausschreibt, bewerbe ich mich da vielleicht auch nicht gleich. Und was ich beim Gründen am frustrierendsten fand, war, dass alles immer länger dauert, als man denkt. Gründen in Deutschland ist sehr bürokratisch. Zum Vergleich: In England kann man innerhalb von neun Tagen eine Firma gründen – von vorne bis hinten. In Deutschland dauert das länger. Also, die Bürokratie, die hat mich manchmal in den Wahnsinn getrieben.

Ist euch mal was passiert, worüber ihr jetzt im Nachhinein lachen könnt, was aber währenddessen total daneben war?

Unser Prinzip ist ja, dass wir unsere Rohstoffe immer zusatzfrei einkaufen. Also, da ist kein Zucker dran, kein Schwefel, keine Lebensmittelzusätze, gar nichts. Und bei unserer allerersten Produktion von Apfel-Zimt, da haben wir erstmal nur 500 Beutel produziert. Ich hab erst danach die Produktspezifikation angefordert und gesehen, dass Ascorbinsäure, also Zitronensäure, an den Apfelchips dran war. Das konnten wir nicht verkaufen. Und dann durften Freunde und Familie monatelang Apfel-Zimt essen. Wir haben immer noch Beutel davon zu Hause, die gehen halt so langsam weg. Das sind jetzt kleine Zahlen, aber im ersten Moment, wenn du deine erste Produktion nicht verkaufen kannst, aber wirklich Cashflow brauchst, hat’s trotzdem weh getan. Mittlerweile können wir darüber lachen.

Könnt ihr inzwischen von der Produktion leben?

Lange konnten wir das nicht, aber seit ein paar Monaten zahlen wir uns ein Gehalt. Ein ganz kleines, was aber ein ganz toller Meilenstein war für uns. Du arbeitest so hart und so lange an deinem Traum und gibst dafür auch viel auf. Tim hatte ja schon 10 Jahre gearbeitet, ich fünf oder sechs Jahre. Und man ist das auch gewöhnt, dass man ein festes Gehalt hat. Und dann zu sagen: Zurück  zum Studentendasein – so hat sich das angefühlt, nur mit viel mehr Arbeit – dann ist es wirklich schön, dass jetzt am Ende des Monats auch mal was reinkommt.


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