04/10/2015

Maximilian Schauerte und Daniel Schönecker
The Duke
Selbstgebrannter Gin

„Der Abteilung beim Zoll haben wir seit unserem Start sicherlich kräftig beim Wiederaufbau geholfen“

Seit den Siebzigern gab es in München keine Distillerie mehr, die Gegebenheiten in der Stadt sind dafür alles andere als geeignet. Da sie aber nicht vom Fach waren, wollten Maximilian und Daniel genau hier Bayerns ersten Gin brennen. Seitdem sorgen die beiden dafür, dass München nicht mehr nur für sein Bier bekannt ist.

Maximilian Schauerte & Daniel Schönecker, The Duke Destillerie, Gin füe FOCUS Magazin

 

icon_interviewPULS: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, selber Gin zu brennen?

Maximilian Schauerte: Ohne jetzt zu sehr in die Legendenbildung abzudriften, aber es war ganz klassisch bei einem Glas Gin & Tonic. Daniel und ich haben damals Geschichte studiert und dann auch zusammen in einer WG gewohnt. Wir waren da schon fleißige Genießer des guten Stoffs, haben aber auch im Hobbybereich ein bisschen destilliert und uns in verschiedene Bereiche vorgearbeitet. Mal einen Obstler, mal einen Brand etc. Irgendwann haben wir dann auch mit Wacholder experimentiert, in einer Mini-Destille von ca. zehn Litern und uns dabei gedacht: So was müsste man doch eigentlich mal richtig machen. Damals, 2007, gab’s keine einzige Destillerie in der Stadt, wir waren die einzigen weit und breit. Mittlerweile hat das Ganze viele Nachahmer gefunden, Gin boomt. Aber das bestätigt uns eigentlich nur.

Was waren die größten Hürden als ihr beschlossen habt, ein Unternehmen daraus zu machen?

Wir haben uns zuerst sehr blauäugig rein in die Idee des Destillierens verliebt. Danach kam der lange Anpassungsprozess an die Wirklichkeit. Als Historiker hatten wir vom Betriebswirtschaftlichen keinen blassen Schimmer.  Wir wussten kaum wie man Rechnungen schreibt, geschweige denn wie ein richtiger Vertrieb oder Marketing funktionieren. Destillerie The Duke Foto: Tobias HaseWir haben einfach losgelegt und hatten die klassischen Probleme eines Startups: kein Einkommen, aber schon erste laufende Fixkosten. Außerdem sind wir bio-zertifiziert und haben mit Naturrohstoffen zu tun. Die sind grundsätzlich anfälliger als konventionelle. Und da wir uns nach dem Erntekalender richten müssen, sind sie auch nicht jederzeit verfügbar. Da haben wir mit der Zeit gelernt gut voraus zu planen. Nur ein Beispiel: Wir sind biozertifiziert und haben mit Naturrohstoffen zu tun. Die sind grundsätzlich anfälliger als konventionelle. Und da wir uns nach dem Erntekalender richten müssen, sind sie auch nicht jederzeit verfügbar. Da haben wir mit der Zeit gelernt gut voraus zu planen und uns die benötigten Mengen in bester Qualität rechtzeitig durch Abnahmekontrakte zu sichern.

Ihr habt eure Produktionsstätte ja mitten in der Stadt…

Das haben viele auch als Schnapsidee tituliert, was an sich richtig ist, denn so etwas in der Stadt aufzuziehen, bringt furchtbar viele Probleme mit sich. Maximilian Schauerte, The Duke Destillerie, Ginfüe FOCUS MagazinEs gibt wenig Platz, alles ist teurer und auch in Sachen Effizienz ist viel Luft nach oben. Zum Beispiel müssen wir alles händisch in unseren
Produktionskeller schleppen, in dem wir die Abfüllung oder Etikettierung vornehmen. Die Lage macht die Produktion nicht ideal,  auf der anderen Seite hat sie uns unglaublich viel Zulauf und Aufmerksamkeit beschert. Wir waren seit den Siebzigern die erste Destillerie, die wieder in die Stadt gezogen ist. Unsere Idee dabei war, das Handwerk dort anzusiedeln, wo auch der Absatz ist – so wie es früher war

Warum der Name The Duke? 

Ursprünglich stammt Gin zwar aus Holland, die Engländer haben ihn aber in der Rezeptur verfeinert, so wie wir ihn heute kennen, mit den vielen Gewürzen und der markanten Wacholder-Note. Also haben wir uns gesagt: Der Gin braucht einen englischen Namen, muss aber auch seine bayerischen Wurzeln zeigen. 2008, das Jahr in dem wir mit dem Duke an den Start gegangen sind, war das 850-jährige Stadtjubiläum von München. Da war uns klar: In die Kerbe schlagen wir voll rein. The Duke bezieht sich also auf Herzog Heinrich von Bayern und Stadtgründer Münchens. Das gleiche gilt übrigens auch für unseren LION’s Vodka, der sich auf Heinrichs Beinamen bezieht – „den Löwen“.

In den letzten Jahren schießen ja Micro-Breweries und Destillerien wie Pilze aus dem Boden. Warum ist hier vor euch noch keiner auf die Idee gekommen, Gin zu brennen? 

Ich habe wirklich keine Ahnung. Es gibt tausende Destillateure in Deutschland, die meisten davon Destillerie The Duke Foto: Tobias Hasesind Kleinbrenner, die auf dem Land eine Lizenz zum destillieren haben und einfach ihr Streuobst weiterverarbeiten.
Aber tatsächlich ist keiner auf die Idee gekommen, Gin zu machen. Vielleicht war ein bisschen von Vorteil, dass wir von außen gekommen sind und dass wir das Ganze weitgehend unter dem Radar entwickeln konnten. Wir konnten uns in aller Seelenruhe austoben, unsere Fehler machen bevor die großen etablierten Firmen im Spirituosenbereich das mitbekommen haben. Jetzt gibt es reichlich Nachahmer, darunter sehr gute und weniger inspirierte Gins.

Ist es eigentlich einfach, eine Lizenz zum Schnapsbrennen zu bekommen? 

Nein, nicht wirklich. Man braucht ja mehrere Lizenzen und wir mussten uns erst in die Vorschriften einarbeiten. Die Hauptlizenz kommt vom Zoll, der bis anno 2008 wenig im Bereich Branntwein zu tun hatte. Der Abteilung beim Zoll haben wir seit unserem Start sicherlich kräftig beim Wiederaufbau geholfen.

Muss man als Destillateur leidenschaftlicher Trinker sein? 

Ich denke in gewisser Weise schon. Destillerie The Duke Foto: Tobias HaseWir haben uns immer gesagt: Bevor uns die Leute den Alkoholismus attestieren,
machen wir das lieber hauptberuflich, dann fragt keiner mehr. Nein, so schlimm war es nicht. Aber wir sind guten Tropfen ganz bestimmt nicht abgeneigt. Außerdem fände ich auch einen Bäcker, der sein Brot nicht mag, ziemlich unglaubwürdig.

Ein Serviervorschlag?

Jeder Gin muss den Test als Gin & Tonic bestehen und dabei ganz deutlich den dominierenden Part einnehmen. Wir würden ihn klassisch mit einer Orangenzeste reichen, nur kurz anritzen, das macht sich wunderbar.

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