04/10/2015

Rainer Rother (36)
Smoost
Spenden-App aus Bamberg

„Ich glaub auch ein bisschen daran: wer Gutes tut, der bekommt auch Gutes zurück“

Spenden per App – ohne einen Cent selbst zu zahlen. Stattdessen Werbung klicken, damit gemeinnützige Projekte unterstützt werden. Das ist das Prinzip von Smoost. Die Idee kommt von Rainer Rother. Der gebürtige Bamberger hat dafür sogar sein vorheriges Unternehmen aufgegeben.

links_thomas_helmrich; rechts_Rainer_rother

icon_interviewPULS: Wofür steht der Name Smoost?

Rainer Rother: Smoost ist eine Kombination aus „smart“ und „boost“ und könnte mit „clever helfen“ übersetzt werden. Clever natürlich deswegen, weil man als Nutzer bei Smoost keinen Cent ausgeben muss, um gemeinnützige Projekte in seiner Umgebung zu unterstützen.

Spenden ohne Geld zu zahlen? Wie soll das funktionieren..

Man findet in der App eine Übersicht von gemeinnützigen Projekten in seinem Umfeld, egal ob Feuerwehr, Fußballverein oder eine größere Organisation wie Malteser oder Rotes Kreuz. Ich wähle ein Projekt aus, das ich unterstützen will – muss dafür aber kein Geld zahlen, sondern schaue mir Werbung im Netz an. Ich blättere über die App durch einen Werbeprospekt von einem lokalen Einzelhändler, wie Aldi, Obi oder Media Markt. Dadurch wird „Werbegeld“ ausgezahlt, das sind im Schnitt sieben Cent. Dreiviertel davon geben wir an das gemeinnützige Projekt weiter.

iPhone-6-smoost-MockupUnd inwiefern revolutioniert das jetzt das Spenden?

Im Internet fließen gigantische Summen für Werbung, jedes Mal, wenn man im Netz einen Banner sieht. Dieses Geld ist vor Smoost einfach immer nur zwischen dem Werbetreibenden, den Agenturen und den Webseitenbetreibern hin und her geflossen. Der Konsument selbst, durch den die Unternehmen ja Geld verdienen, hat keinerlei Einfluss auf diesen Kreislauf.
Mit Smoost durchbrechen wir das. Der App-Nutzer kann mitbestimmen, was mit den Werbegeldern passiert, die durch seine Aktionen frei gesetzt werden. Das ist das Revolutionäre.

Ihr gebt Dreiviertel von den Einnahmen weiter – wie haltet ihr euch über Wasser?

Tatsächlich finanzieren wir das Projekt selbst und zahlen momentan auch drauf. Ich investiere auch persönliches Geld da rein, weil es noch nicht ganz reicht, um uns ein ganz normales Gehalt bezahlen können. Unser Kernteam besteht aus drei Leuten und jeder tut, was er kann und arbeitet noch so ein bisschen nebenher oder lebt vom Ersparten. Weil wir einfach daran glauben, dass sich Smoost durchsetzt.

Viele Startups sagen das am Anfang und müssen dann doch aufgeben. Wo nimmst du diese Stärke her?

Ich hatte vor Smoost schon ein Startup und hab da auch ganz viele Fehler gemacht. Ich glaube, ich hab mittlerweile genug Erfahrung, um beurteilen zu können, ob etwas tatsächlich funktioniert. Ich habe auch nebenbei schon andere Startups beraten, bei denen ich gesehen habe, dass es in die falsche Richtung gegangen ist. Bei Smoost bin ich 100 Prozent davon überzeugt, dass es klappen wird. Ich hab dafür mein anderes Startup aufgegeben. Das hätte ich sonst auch nicht gemacht.

Was gab’s bis jetzt für Hürden?

Es gab natürlich erst einmal vor allem steuerliche Hürden. Wie ist dieser Ansatz und dieses Modell, das es so ja nicht Screenshot_2015-03-13-22-30-32gibt, steuerlich zu bewerten? Wo müssen wir an wen Abgaben zahlen, welche Prozentsätze und so weiter. Das war eine der Kernaufgaben. Dann natürlich Werbepartner für die Plattform zu gewinnen. Das klassische Henne-Ei-Prinzip, was eigentlich jedes Start-Up kennt: Man hat die Idee, die App ist aber noch nicht fertig, man hat noch nicht viele Nutzer, also keine Reichweite. Wie kann ich da einen Werbepartner gewinnen? Das geht letzten Endes nur über einen Prototyp, professionelle Präsentationen, ein Video und Emotionen und Leidenschaft für die Sache.

Warum hast du in Bamberg gegründet? Ist jetzt ja nicht gerade der Tech-Standort.

Es ist meine Heimatstadt, ich bin da geboren und aufgewachsen. Zwischenzeitlich war ich mal in München, aber ich hab auch mein vorheriges Startup in Bamberg aufgezogen. Es ist eine tolle Gegend mit einer super Lebensqualität und mittlerweile entwickelt sich Bamberg durchaus zum Startup Hotspot in Nordbayern. Wir haben regelmäßige Treffen, da kommen durchaus um die 100 Unternehmer zusammen, das ist also eine ganz lebendige Szene hier. Bamberg ist, glaub ich, besser als sein Ruf.  Außerdem ist es eine Unistadt, wir kriegen gute junge Leute als Praktikanten. Also ich hab nicht das Gefühl, eingeschränkt zu sein.

Gibt es etwas, auf das du besonders stolz bist?

Ja. Darauf, dass wir jeden Monat einige Tausend Euro an gemeinnützige Projekte in ganz Deutschland auszahlen. Das gibt einem ein gutes Gefühl und ist momentan das Beste, das ich mir vorstellen kann. Ich glaub auch ein bisschen daran: wer Gutes tut, der bekommt auch Gutes zurück. Geld ist nicht alles, mir würde es reichen, ein durchschnittliches Gehalt zu bekommen

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.