02/12/2015

Vivien Vogt (35)
Janur
Kokosblütenzucker aus Indonesien

„Es geht mir um einen symbolischen Beitrag in dieser Welt.“

Im Dschungel von Java hat Vivien nicht nur ein Naturparadies gefunden, sondern auch die Idee für ihr eigenes kleines Unternehmen. Von ihrer Wahlheimat Passau aus verkauft sie den handgemachten Kokosblütenzucker einer indonesischen Familie.

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icon_interviewPULS: Wie bist du auf Kokosblütenzucker gekommen?

Vivien Voigt: Die Idee kam mir, als ich durch Zufall im Dschungel auf Java gelandet bin. Ich war mit Bobby, einem meiner besten Freunde unterwegs, der selbst Javanese ist. Er brachte mich zu seiner Großfamilie, weil er weiß, dass ich gerne Food-Hunting betreibe und mir die Kokosblütenzuckerproduktion ansehen wollte. Das war eine sehr intensive Woche in diesem abgeschiedenen Naturkokon. Ich bin mehr oder weniger mit auf die Palmen geklettert und habe dabei erkannt, was für ein Schatz das ist. Da habe ich dann beschlossen, dass ich hier ein Projekt ins Leben rufen möchte. Die Familie hatte bereits eine Lebensgrundlage, weil sie den Kokosblütenzucker in einem lokalen Dschungelmarkt vermarktet – aber ich wollte ihr eine konstant höhere Abnahmemenge verschaffen. Das war mein Plan nach dieser Woche.

Was hat dich an dem Produkt so begeistert?

FrischeErnteAusJavaKokosblütenzucker ist durch den niedrigen glykämischen Index eine unglaublich gute Alternative zu Stevia. Das ist ernährungsphysiologisch sehr wichtig, weil ihn auch Diabetiker zu sich nehmen können. Außerdem ist der Kokosblütenzucker ein Chamäleon, mit dem man sowohl ganz klassisch süßen, wie auch würzen kann. Die meisten meiner Fans verstehen Januur auch mittlerweile als Gewürz und nicht als klassischen Zucker, weil er beim Barbecue, in Soßen und Dressings eine super Figur macht.

Deinen Kokosblütenzucker verkaufst du unter anderem in einem Behälter aus Bambus…

Mir ist bei dem gesamten Konzept sehr wichtig, dass die Wertschöpfung auf der Insel Java bleibt und ich hier nur die Marke aufbaue. Teil dieses Wertschöpfungsgedanken ist eben auch, dass mittlerweile mehrere Familien dort aus Bambus meine Verpackungen machen. Bambus ist ein sehr schnell wachsendes Gras, damit vernichtet man keine großen natürlichen Ressourcen. Mit dem Bambus habe ich im Gegensatz zu Wegwerfwaren auch eine Verpackung, die diese Langlebigkeit unterstreicht. Ich will nicht mit dem Finger auf andere zeigen, ich kann nur mit gutem Beispiel vorangehen. Darum geht es mir eigentlich, um einen symbolischen Beitrag in dieser Welt.

Du hast keine Zwischenhändler, sondern kooperierst direkt mit der Familie auf Java, die den Kokoszucker produziert. Wie funktioniert die Zusammenarbeit bei einer Entfernung von über 10.000 Kilometern?

Die ersten zwei Lieferungen habe ich direkt mit der Familie perfekt_Sambung_ernte_Pixieausgemacht. Dadurch dass es die Verwandschaft meines Freundes ist, gibt es da eine sehr enge Bindung. Ich wurde wie ein Familienmitglied behandelt und so ist das nach wie vor. Aber diese Entfernung sorgt dafür, dass ich immer einen weiteren Kontakt vor Ort brauche, der Javanese spricht. Das ist Bernhard, ein Freund von mir. Einfach mal mit der Familie telefonieren geht ja auch nicht, weil es dort kein Telefon gibt.

Bevor du dich selbstständig gemacht hast, warst du Managerin bei MyMuesli. Was hast du aus der Zeit bei dem Start-up für dein eigenes Unternehmen mitgenommen?

Ein gewisses Netzwerk und grundsätzlich diese Liebe und Affinität für Lebensmittelherstellung. Ich habe auch einiges darüber erfahren, was es bedeutet, ein Produkt auf dem deutschen Markt zu launchen. Auch was die rechtliche Seite angeht habe ich Produktkenntnisse gesammelt. Aber man muss auch einfach ein Gefühl für die Sache haben, ob da ein Markt vorhanden ist. Das kann man nicht lernen – oder nur bis zu einem gewissen Grad.

Auf die übliche Marktanalyse im Vorfeld hast du komplett verzichtet. Was hat dich so sicher gemacht, dass dein Konzept aufgeht?

Pixie_Prozess_Gula_PixieWas mich so sicher gemacht hat war, dass gerade in den alternativen Szenen, zum Beispiel in der veganen, die Trends aus den USA auch auf Deutschland übergreifen. Der Trend zum ernährungsbewussten Konsumenten war eine Richtung, die mich sehr sicher gemacht hat. Ich dachte mir: Kokosblütenzucker ist nicht nur eine Alternative, das kann auch noch viel mehr! Auch im Bereich Gewürze tut sich gerade viel. Ich habe also auf unterschiedlichen Ebenen ein großes Potenzial für dieses Wunderpulver gesehen.

Du verzichtest auch auf eine Zertifizierung deines Produkts, zum Beispiel durch ein Bio-Siegel. Warum?

Ich könnte so ein Siegel locker bekommen, aber ich habe mich bewusst gegen eine Zertifizierung entschieden. Dafür habe ich eine Art Anti-Siegel auf meinen Packungen. Das soll nicht nach Revoluzzer klingen, aber ich habe ein Transparenzsiegel, weil für mich der Gegenentwurf zu Bio transparentes Arbeiten ist.  Das bedeutet Aufdecken von Arbeitsprozessen, personengebundenes Arbeiten. Der Kunde kennt mich, ich bin die direkte Verbindung zum Produzenten. Transparenz ist für mich die beste Alternative, um gegen den Bio-Lobbyismus vorzugehen und ein gesundes Gegengewicht zu bilden. Wir kaufen uns ein gutes Gewissen mit dieser Zertifizierung, aber können mitunter gar nicht nachvollziehen, woher die Produkte tatsächlich kommen.

Du führst dein Unternehmen von Deutschland aus komplett alleine. Wünschst du dir manchmal ein Team?

Ja, sehr wohl. Ich bin gerne alleine in dem Sinn, dass ich gerne DSC_0298viele Entscheidungen alleine treffe, aber ich brauche wirklich dringend Unterstützung – da muss ich mir nur meinen Schreibtisch anschauen. Von der Produktion über das Marketing brauche ich jemanden, der mir Dinge abnimmt und mir hilft, Entscheidungen zu reflektieren. Ich habe sicher in den letzten Monaten auch „Fehlentscheidungen“ getroffen, dadurch, dass ich sie zu schnell getroffen habe. Ich brauche dringend Unterstützung – und zwar auf allen Ebenen.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.