04/10/2015

Isabell Stern (33) und Jonathan Beck (24)
Jackerlsackerl
Mobile Garderobe für die Wiesn

„Man erahnt zu Beginn gar nicht, was so eine Mini-Unternehmensreise mit sich bringt“

Bei einer 36-Stunden-Busfahrt in Brasilien hatten die beiden Schauspieler Isabell und Jonathan eine Idee, die sie nicht mehr losließ. Sie wollten etwas gegen ein großes Wiesnproblem tun: wo bewahre ich meine Jacken auf, damit sie nicht geklaut oder mit Bier überschüttet werden? Die Lösung: Das Jackerlsackerl.

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PULS: Jackerlsackerl? Bitte was?

Isabell Stern: Das Jackerlsackerl ist eine mobile Garderobe für die Wiesn oder den Biergarten. Man kann ihn sich eingepackt im kleinen Beutel an das Dirndl oder die Lederhose knoten. Wenn man den Beutel öffnet, kommt ein Tuch heraus, das wie eine kleine Hängematte aussieht. Die klemmt man einfach unter den Tisch und kann da seinen Janker oder alles andere reintun. In den Beutel kann man dann noch kleinen Teile hineintun. Das Ganze ist auch wasserdicht. Wenn Bier ausläuft, bleiben die Sachen also heil. Das Jackerlsackerl hält bis zu 40 Kilogramm. Und ganz wichtig: es ist Made in Bavaria.

Made in Bavaria also. Wo genau produziert ihr?

Jackerlsackerl alles drinJonathan Beck: In Franken. Franken ist wirklich groß in der Textilproduktion, da gibt es viele Nähereien. Einen Teil der Fertigung macht die Lebenshilfe Schweinfurth. Die Franken haben sich gefreut, da gibt es ja die ganzen Weinfeste, da können sie das Jackerlsackerl auch gebrauchen. Wir wollen nicht nach Asien gehen, sondern mit unserem Produkt ein gesellschaftliches Umdenken voranbringen. Wir mögen auch die Servus-Mentalität sehr gern.

Kommen auch die einzelnen Bestandteile aus Bayern?

Isabell: Soweit es geht. Die Haken kommen aus Aschaffenburg, die Kordeln und Verbindungsteile aus Wuppertal. Das Bedrucken findet in Röthlein statt. Die Stoffe müssen wir leider in Korea bestellen, weil in Deutschland kein wasserfester Polyester hergestellt wird. Aber sie stammen von einem Lieferanten mit Bluesign-Zertifikat, also mit fairen Arbeitsbedingungen und ungiftiger Herstellungsweise.

Wie kam es zum Jackerlsackerl?

Jonathan: Wir hatten die Idee auf einer Reise in Brasilien im Winter 2012/13. Wir saßen im Bus und waren 35 Stunden unterwegs. Erst war uns stinklangweilig. Dann kamen wir auf das Thema Wiesn zu sprechen und das Problem, dass irgendwie keiner weiß, wohin mit dem Zeug, wenn man am Biertisch sitzt.

Isabell: Mir ist da schon mal ein Filz-Jankerl kaputt gegangen, Jackerlsackerl am Dirndleinmal ist mir etwas geklaut worden, und wenn etwas drüber geschüttet wurde, bekommt man den Biergestank nur schwer wieder aus den Klamotten raus. Jonathan hatte eine halbwegs gute Idee: er knotet eine Plastiktüte unter den Tisch.

Jonathan: Das war aber noch nicht die Ideallösung. Wir wollten das weiterentwickeln. Die LMU hat dann ein Kreativseminar angeboten, an dem wir teilgenommen und vom 5 Euro Startup-Wettbewerb gehört haben. Da haben wir 2014 mitgemacht. Wir hatten ständig Deadlines und mussten ständig etwas abgeben. In der Zeit haben wir acht Prototypen genäht.

Und dann?

Jonathan: Dann haben wir gewonnen. Wir haben ein Patent angemeldet, uns in Rechtsfragen beraten lassen und die Webseite gebaut. Man ahnt zu Beginn gar nicht, was so eine Mini-Unternehmensreise mit sich bringt. Das Gute an dem Wettbewerb: An der Uni konnten wir jeden fragen. Es gibt immer einen, der jemanden kennt, der sich auskennt.

Wie sieht die Wiesn für euch dieses Jahr aus?

ackerlsackerl_Howtofillit_DSC_4473Isabell: Wir sind gespannt und neugierig, ob es dieses Jahr einen Boom gibt oder ob es eher tröpfelnd vorangeht. Wir haben klein angefangen und etwa 2000 Jackerlsackerl produziert. Langfristig müssen wir uns nach größeren Druckereien umschauen. Momentan stehen auch viele Promo-Aktionen auf dem Plan. Wir schalten Facebook-Anzeigen, kontaktieren Magazine und bauen Kontakte auf.

Ihr arbeitet ja beide auch als Schauspieler. Geht das zusammen?

Jonathan: Ich habe in der letzten Saison an den Hamburger Kammerspielen gespielt. Da die Vorstellungen nach der Probenzeit immer abends sind, konnte ich tagsüber am Jackerlsackerl arbeiten.

Isabell: Es kamen selten zeitgleich Anfragen, so dass wir uns gut abwechseln konnten.

Werdet ihr als Paar ernst genommen?

Isabell: Es ist ziemlich praktisch, wenn man zusammen wohin Jackerlsackerl_hängend_DSC_4487geht. Es redet immer der, der gerade die bessere Connection hat. Im Vertrieb ist es super, wenn ich bayerisch rede.

Jonathan: Ich sag nur Servus und halte dann meine Goschen.

Isabell: Die Produktion ist hingegen eine Männerdomäne – die wollen eher mit einem Mann sprechen.

Jonathan: Es macht sehr viel Spaß zusammenzuarbeiten, weil man sich sehr gut gegenseitig motivieren kann. Wenn einer von uns was anderes um die Ohren hat, macht der andere weiter. Man fängt es mit auf. Das ist in unserer Beziehung ganz natürlich. Wir sind ja bereits vier Jahre zusammen.

Isabell: Es macht sogar so viel Spaß, dass wir jetzt sogar schon zwei weitere Produkte in der Pipeline haben.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.