04/10/2015

Josef Holub (44)
Goodboards
Brettsport-Gear vom Ammersee

 „Die Europäer haben große Füße“

Josuf Holub arbeitet schon sein ganzes Leben im Snowboard-Business. Als sein Arbeitgeber sich 2010 von ihm trennt, beschließt Josef spontan seine eigene Snowboardfirma am Ammersee zu gründen. Mittlerweile bringt er mit goodboards handgemachten Ski, Snow- und Wakeboards nach ganz Europa.  

Zürs

icon_interviewPULS: Wie bist du auf die Idee gekommen, eine Snowboard-Firma zu gründen?

Josef Holub: Ich bin schon ziemlich lange im Business, ich habe mein erstes Snowboard 1989 gebaut und war 14 Jahre lang für eine Snowboardfirma in Deutschland tätig. Seitdem beschäftige ich mich mit Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Snowboards. Dabei hat mich immer interessiert, wie man selbst das Shape eines Snowboards beeinflussen kann und welche Materialien man am besten einsetzt. 2010 hat sich mein Arbeitgeber von mir getrennt und da kam mir die Idee, eine eigene Snowboardmarke zu gründen. Eigentlich total verrückt, aber wenn man wenig Zeit hat, darüber nachzudenken und es einfach macht, dann geht das auch.

Auf dem Snowboardmarkt herrscht ziemlich starke Konkurrenz: Wie habt ihr da eure Marktlücke gefunden?

Saegen 1Wir haben einfach sehr viel mit den Kunden gesprochen. Dabei haben wir festgestellt: Die Europäer haben große Füße. Also haben wir etwas breitere Boards gebaut. Viele Snowboarder sind in Parks unterwegs und brauchen dafür kurze und weiche Bretter. Aber es gibt auch sehr viele ältere Snowboarder wie wir, die eher auf der Piste oder im Gelände fahren. Und die stehen eher auf etwas längere und härtere Boards, was von den anderen Firmen aber nicht so gut bedient wird. Deswegen haben wir die Boards für sie entwickelt.

Wo und wie werden eure Boards hergestellt?

Wir selbst leben in Utting am Ammersee und machen hier die ganze Entwicklung. Wenn wir die Shapes fertig haben, fahren wir in unsere drei kleinen Manufakturen in Tschechien und lassen dort aus unseren Formen und Materialien die Boards in Handarbeit herstellen. Jedes Shape wird händisch laminiert und bei niedriger Temperatur gepresst. Bei den kleinen Stückzahlen, die wir verkaufen, lohnt es sich nicht am Material zu sparen. Deswegen verarbeiten wir immer nur hochwertige Beläge, Kanten und Laufflächen. Die fertigen Boards kommen dann wieder an den Ammersee, von wo aus die Bretter verschickt werden.

So eine Produktion in Europa ist teuer, oder nicht?

Definitiv. Aber wir sind keine Aktiengesellschaft und schauenPR_11_Skiausruestung_Goodboards_Wooden_Snowboard_800.jpg.3150690 nicht nur auf die Dividende. Wir machen das für uns und nehmen deswegen auch in Kauf, dass wir für die Produktion etwas mehr bezahlen. Am Ende bleibt zwar weniger übrig, aber dafür unterstützen wir die Region, in der wir leben und unsere Kinder aufwachsen. Und abgesehen vom Umweltgedanken bringen uns die kürzeren Wege auch viel: Wenn in der Produktion etwas schief gehen sollte, können wir einfach hinfahren und in Ordnung bringen.

Wieviel von Utting steckt in Goodboards?

Sehr viel. Hier in Utting sitzen wir direkt am See und schauen auf die Berge. Dazu gibt es hier sehr viele freundliche und sportliche Menschen, die unsere Firma sehr schnell in ihre Herzen aufgenommen haben. Wir haben unglaublich kurze Wege, im Umkreis von nur 90 Minuten gibt es hier acht Wakeboardanlagen, auf den meisten Gletschern in Österreich sind wir in zwei Stunden. Direkt am Ammersee wird Kiteboard gefahren, was wir gerade entwickeln. Wir sind also durch den Standort sehr nah an dem Sport dran.

Snowboarden steckt ja so ein bisschen in der Krise, die meisten Kids steigen wieder auf Ski um. Spürt ihr das? 

Pure_142Wir nicht wirklich. Dadurch dass wir nicht wirklich Kids bedienen, sondern eine Zielgruppe ab 25 aufwärts. Die sterben auch nicht aus und beschäftigen sich immer noch mit Wintersport. Und die sind eben froh, dass es eine Firma gibt, die sich mit deren Wünschen beschäftigt. Wir haben vor drei Jahren auch angefangen, Ski zu bauen. Für uns gehören diese zwei Sportarten zusammen. Die Zeiten in denen Snowboarder auf Skifahrer gespuckt haben sind definitiv vorbei. Jetzt beeinflussen sich die zwei Sportarten gegenseitig. Man kann vormittags auf einer frisch präparierten Piste Ski fahren und nachmittags im Gelände snowboarden.

Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Wir wollen bei dem bleiben, mit dem wir angefangen haben. Sprich: Produkte mit Holzkern. Die wollen wir weiterentwickeln und unsere Erfahrung nutzen. Wir haben mit Snowboards angefangen, dann kamen Ski, dann Skateboard-Longboards, dann Wakeboards und aktuell beschäftigen wir uns mit Kiteboards. Die Leute fragen oft auch nach anderen Produkten, wie zum Beispiel Surfbrettern – aber das ist eine ganz andere Technologie, damit haben wir keine Erfahrung. Und nur irgendwo in Fernost etwas zu kaufen und unser Label drauf zu kleben, das ist nicht unser Stil. Wir möchten die Entwicklung weiterhin selber in der Hand haben. Die Voraussetzung ist aber sowieso weiterhin, dass entweder ich oder mein Geschäftspartner Maik diese Sportart auch aktiv betreiben.

Sorry, zur entsprechenden Suchanfrage konnte leider kein Ergebnis gefunden werden.